Wild ins Kraut schießen
Kategorie: Redewendungen
Wild ins Kraut schießen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "wild ins Kraut schießen" ist ein sehr lebendiges Bild aus der Welt der Gärtner und Bauern. Ihre Wurzeln liegen in der direkten Beobachtung der Natur. Wenn Nutzpflanzen wie Salat, Spinat oder Rhabarber nicht geerntet, sondern sich selbst überlassen werden, beginnen sie irgendwann, in die Höhe zu wachsen und Blütenstände zu bilden. Dieser Vorgang wird als "Schießen" oder "in die Höhe schießen" bezeichnet. Das Kraut wird dabei holzig, verliert an Geschmack und ist für die Küche nicht mehr zu gebrauchen. Es wächst unkontrolliert und "wild". Dieser landwirtschaftliche Prozess wurde schon vor Jahrhunderten sprichwörtlich auf andere Bereiche übertragen, in denen etwas planlos, übermäßig und außer Kontrolle gerät.
Bedeutungsanalyse
Im übertragenen Sinn bedeutet "wild ins Kraut schießen", dass etwas exzessiv, ungeordnet und ohne sinnvolle Steuerung wächst oder sich ausbreitet. Es geht weniger um schnelles Wachstum an sich, sondern vielmehr um ein unerwünschtes, chaotisches und oft nutzloses Ausufern. Ein häufiges Missverständnis ist, die Redewendung einfach mit "schnell wachsen" gleichzusetzen. Der Kern liegt jedoch in der Negativbewertung: Was da wächst, ist wie das geschossene Gemüse – unbrauchbar, wild und ein Zeichen von Vernachlässigung oder mangelnder Kontrolle. Man könnte es auch als "aus dem Ruder laufen" oder "in unschöner Weise überhandnehmen" umschreiben.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst relevant und wird häufig verwendet. Sie passt perfekt in eine Zeit, die von Informationsflut, unübersichtlichen Bürokratieprozessen und sich schnell verändernden Trends geprägt ist. Man hört oder liest sie oft in wirtschaftlichen Kontexten ("Die Kosten sind völlig wild ins Kraut geschossen"), in Diskussionen über Verwaltung ("Die Vorschriften schießen wild ins Kraut") oder im gesellschaftlichen Bereich ("Die Diskussion im Internet ist mal wieder wild ins Kraut geschossen"). Sie dient als prägnante Kritik an ungebremster und ineffizienter Ausweitung.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich für formelle und informelle Anlässe gleichermaßen, solange der Ton sachlich-kritisch bleibt. In einer lockeren Besprechung, einem Kommentar oder einem kritischen Vortrag wirkt sie treffend und bildhaft. Für eine sehr förmliche Trauerrede oder ein diplomatisches Schreiben wäre sie möglicherweise zu salopp und zu sehr mit negativer Konnotation behaftet. Sie ist ideal, um Missstände zu benennen, bei denen Planung und Kontrolle fehlen.
Anwendungsbeispiele:
- "Das Projekt begann gut, aber nach der dritten Umplanung schossen die Anforderungen wild ins Kraut."
- "Wir müssen die Agenda straffen, sonst schießen die Diskussionen wieder wild ins Kraut und wir kommen zu keinem Ergebnis."
- "Die Gerüchte über die Firmenübernahme sind nach diesem Artikel völlig wild ins Kraut geschossen."
Sie sehen, die Redensart bietet eine plastische und verständliche Möglichkeit, unerwünschte Entwicklungen auf den Punkt zu bringen.
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