Ans Eingemachte gehen
Kategorie: Redewendungen
Ans Eingemachte gehen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "ans Eingemachte gehen" stammt aus der häuslichen Vorratshaltung vergangener Jahrhunderte. Das "Eingemachte" bezeichnete konservierte Lebensmittel wie Marmeladen, Kompott oder eingelegtes Gemüse, die in Gläsern oder Steintöpfen für den Winter aufbewahrt wurden. Diese Vorräte waren wertvoll und wurden typischerweise im hintersten Fach des Kellers oder an einem anderen geschützten Ort gelagert. Wenn man an diese Reserven heranging, bedeutete das, dass die oberflächlichen, leicht zugänglichen Vorräte bereits aufgebraucht waren. Man musste sich an die wertvollen Grundreserven machen, die für Notzeiten gedacht waren. Dieser sehr konkrete, hauswirtschaftliche Vorgang wurde im 19. Jahrhundert zunehmend bildlich für Situationen verwendet, in denen man sich nicht mehr mit Äußerlichkeiten aufhält, sondern zur Sache, zum Wesentlichen oder zu den persönlichen Ressourcen vordringt.
Bedeutungsanalyse
Im übertragenen Sinne bedeutet "ans Eingemachte gehen" heute, dass man zur eigentlichen Kernfrage oder zum entscheidenden Punkt einer Angelegenheit vordringt. Es geht darum, oberflächliche Diskussionen oder Formalitäten beiseitezulassen und sich den wirklich wichtigen, oft auch heiklen oder persönlichen Details zuzuwenden. Wörtlich bezieht sich die Phrase, wie beschrieben, auf das Anfassen der wertvollen Vorratsgläser. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, es handele sich um einen aggressiven Akt. Während die Redewendung durchaus Entschlossenheit impliziert, muss sie nicht zwangsläufig mit einer Konfrontation verbunden sein. Vielmehr steht die Tiefe und Wesentlichkeit des Vorgehens im Vordergrund. Man könnte auch sagen: Es ist der Moment, in dem die Höflichkeitsfloskeln enden und die inhaltliche Arbeit beginnt.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant in der deutschen Sprache. Sie wird in einer Vielzahl von Kontexten verwendet, von der politischen Debatte über Wirtschaftsverhandlungen bis hin zu privaten Gesprächen. In einer Zeit, die oft von oberflächlicher Kommunikation und kurzer Aufmerksamkeitsspanne geprägt ist, bietet diese Formulierung eine prägnante Möglichkeit, den Wunsch nach Substanz und Tiefgang auszudrücken. Journalisten fordern damit von Politikern konkrete Antworten, Projektmanager leiten damit den entscheidenden Teil einer Besprechung ein, und in Therapiegesprächen kann sie den Übergang zu intimeren Themen markieren. Die Brücke zur Gegenwart ist also intakt, da das Bedürfnis, "zum Kern vorzudringen", ein zeitloses menschliches Anliegen ist.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für Situationen, in denen eine Gesprächs- oder Verhandlungsebene gewechselt werden soll. Sie ist sowohl im professionellen als auch im privaten Rahmen anwendbar.
- Geeignete Kontexte: Moderation von Workshops oder Meetings, ernste private Aussprachen, analytische Artikel oder Kommentare, Vorworten zu detaillierten Berichten. In einer Trauerrede wäre sie wahrscheinlich zu salopp, es sei denn, der Verstorbene war für seine direkte Art bekannt. In einem lockeren Smalltalk hingegen könnte sie als zu abrupt oder schwerfällig wirken.
- Anwendungsbeispiele:
- "Lassen Sie uns nun mit der Tagesordnungspunkte eins bis drei hinter uns, ans Eingemachte gehen und über das Budget für das kommende Quartar sprechen."
- "Nach einer Stunde des allgemeinen Kennenlernens ging sie in dem Gespräch ans Eingemachte und fragte nach seinen langfristigen Zielen."
- "Der Artikel beginnt mit einer historischen Einleitung, bevor der Autor ans Eingemachte geht und die gravierenden wirtschaftlichen Fehlentscheidungen detailliert analysiert."
Die Formulierung signalisiert Ihrem Gegenüber stets, dass nun der Teil kommt, der wirkliche Aufmerksamkeit, Offenheit und vielleicht auch Mut erfordert. Sie setzt einen bewussten Punkt und lädt dazu ein, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
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