Ach du grüne Neune!
Kategorie: Redewendungen
Ach du grüne Neune!
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft der Redewendung "Ach du grüne Neune!" ist nicht vollständig geklärt und es existieren mehrere Theorien, die sich nicht eindeutig belegen lassen. Eine populäre Vermutung führt sie auf das Berliner Blumen- und Gemüseviertel "Neun Grüne" oder auf einen Festsaal namens "Conventgarten" in der Berliner Blumenstraße 9 zurück, dessen Hausschild neun grüne Lindenbäume zeigte. Eine andere Theorie verweist auf das Kartenspiel, bei dem die grün eingefärbte Pik-Neun im "Skat" einen unerwünschten Stich darstellt. Da keine dieser Erklärungen als hundertprozentig gesichert gelten kann, wird dieser Punkt hier weggelassen.
Bedeutungsanalyse
Die Ausrufung "Ach du grüne Neune!" ist ein Ausdruck des Erstaunens, der Überraschung oder auch des leichten Entsetzens. Wörtlich genommen ergibt die Kombination aus der Farbe Grün und der Zahl Neun keinen konkreten Sinn, was den eigentlichen Charme der Redewendung ausmacht. Übertragen signalisiert sie, dass man mit einer Situation, einer Nachricht oder einem Anblick so gar nicht gerechnet hat und nun sprachlos ist. Ein typisches Missverständnis besteht darin, zu glauben, es handle sich um eine Beschreibung einer tatsächlich grünen Sache. Das ist nicht der Fall. Es ist vielmehr eine feststehende Floskel, deren Kraft gerade aus ihrer scheinbaren Absurdität erwächst. Kurz gesagt: Man zeigt Überraschung, als ob man etwas völlig Unglaubliches oder Unerwartetes sieht.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der heutigen Zeit durchaus noch lebendig, wenn auch vielleicht nicht mehr im allerhäufigsten Gebrauch. Sie wird nach wie vor verwendet, insbesondere von der älteren Generation, aber auch von jüngeren Menschen, die einen etwas altmodischen oder charmant-übertriebenen Ausdruck suchen. Ihre Relevanz zeigt sich in ihrer Präsenz in Filmen, Büchern und gelegentlich in der Werbung, wo sie bewusst eingesetzt wird, um ein Gefühl von Nostalgie oder humorvolle Dramatik zu erzeugen. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sie als eine Art sprachliches Stilmittel, das eine Überraschung weniger banal und mit einer gewissen verspielten Note ausdrückt als ein einfaches "Oh mein Gott!".
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich hervorragend für informelle und lockere Gesprächssituationen. Sie passt in den privaten Alltag, in humorvolle Vorträge oder in eine gesellige Runde, wo sie für Lacher sorgen kann. In einer förmlichen Rede, einer Traueransprache oder einem ernsten beruflichen Meeting wäre "Ach du grüne Neune!" hingegen zu salopp, zu flapsig und möglicherweise sogar unpassend, da sie die Situation verharmlosen könnte. Ihr optimales Einsatzgebiet liegt dort, wo die Überraschung zwar echt, die Stimmung aber nicht allzu ernst ist.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Sätze:
- Als er den völlig mit Geschenkpapier eingewickelten Gartenzaun sah, rief er nur: "Ach du grüne Neune, was hast du denn da gemacht?"
- In ihrem lockeren Vortrag über Urlaubspanne nutzte die Rednerin die Floskel: "Und als ich dann den Preis sah, dachte ich nur: Ach du grüne Neune!"
- Beim Öffnen der alten Truhe auf dem Dachboden staunte sie nicht schlecht: "Ach du grüne Neune, das sind ja Omas alte Hüte!"
Sie können den Ausruf also wunderbar verwenden, wenn Sie freundschaftlich, familiär oder humorvoll kommunizieren möchten und Ihre Verwunderung auf eine besondere Art betonen wollen.
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