Etwas auf die hohe Kante legen
Kategorie: Redewendungen
Etwas auf die hohe Kante legen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft dieser Redensart ist anschaulich und gut belegt. Sie stammt aus der Zeit, als Betten noch mit einem hölzernen Bettgestell und einem aufgelegten, mit Stroh oder Federn gefüllten Sack als Matratze versehen waren. Das Gestell besaß oft eine hohe, kastenartige Umrandung, die sogenannte "hohe Kante". Diese Kante bot einen versteckten und für Kinder unerreichbaren Ort, um Wertgegenstände oder Ersparnisse sicher zu verwahren. Man "legte etwas auf die hohe Kante", um es für schlechtere Zeiten zurückzulegen. Schriftliche Belege finden sich bereits im 19. Jahrhundert, wo die Wendung im übertragenen Sinn für das Sparen verwendet wurde.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen beschreibt die Redewendung die Handlung, einen Gegenstand auf den erhöhten Rand eines Möbelstücks, typischerweise eines Bettes, zu platzieren. In der übertragenen, heute allein gültigen Bedeutung meint sie, Geld beiseitezulegen und zu sparen, um für die Zukunft vorzusorgen. Es geht nicht um kurzfristiges Aufbewahren, sondern um das bewusste Zurücklegen eines Teils seiner finanziellen Mittel. Ein mögliches Missverständnis könnte in der Annahme liegen, es handle sich um eine besonders riskante oder spekulative Form der Geldanlage. Das Gegenteil ist der Fall: "Auf die hohe Kante legen" impliziert Sicherheit und Vorsicht, ähnlich dem Sparstrumpf. Die Interpretation ist also simpel: Wer etwas auf die hohe Kante legt, der spart klug und vorausschauend.
Relevanz heute
Die Redewendung hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt, auch wenn moderne Betten keine hohen Kanten mehr besitzen. Das Konzept des Sparens ist zeitlos, und der bildhafte Ausdruck bleibt im Sprachgebrauch fest verankert. Er wird nach wie vor in alltäglichen Gesprächen über Finanzen, in der Wirtschaftsberichterstattung und in der persönlichen Lebensplanung verwendet. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich besonders in der Diskussion um finanzielle Sicherheit und Altersvorsorge. In einer Zeit von Niedrigzinsen und komplexen Anlageprodukten steht die Redensart für eine grundlegende, fast schon nostalgisch anmutende Sparmentalität. Sie transportiert den Wert der Sicherheit und der eigenverantwortlichen Vorsorge, der heute so relevant ist wie vor zweihundert Jahren.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung ist vielseitig einsetzbar, da sie nicht zu formal und nicht zu salopp ist. Sie eignet sich ausgezeichnet für lockere Vorträge, Gespräche unter Freunden oder in der Familie sowie für allgemein verständliche Finanzratgeber. In einer offiziellen Trauerrede wäre sie wahrscheinlich zu umgangssprachlich, es sei denn, sie passte charakterlich zum Verstorbenen. In einer geschäftlichen Präsentation vor Fachpublikum könnte man sie als bewusstes Stilmittel zur Auflockerung verwenden. Sie klingt passend, wenn man Sparsamkeit oder Weitsicht betonen möchte, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben.
Hier einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "Seit unserem Gespräch habe ich beschlossen, einen Teil meines Gehalts regelmäßig auf die hohe Kante zu legen."
- "Die Großeltern rieten stets, etwas für schlechte Zeiten auf die hohe Kante zu legen, ein Rat, der heute noch gilt."
- "Anstatt das ganze Geld sofort auszugeben, solltest Sie lieber einen Teil auf die hohe Kante legen, dann sind Sie für unerwartete Ausgaben gewappnet."
- "Das Buch motiviert dazu, schon mit kleinen Beträgen anzufangen und sie konsequent auf die hohe Kante zu legen."
Der Ausdruck ist besonders geeignet für Gespräche über persönliche Finanzplanung, Erziehung zum Sparen und in jeder Situation, in der man den Wert der finanziellen Rücklage betonen möchte. Er vermittelt ein Bild von behutsamer Klugheit und privater Vorsorge.
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