Wind von der Sache bekommen
Kategorie: Redewendungen
Wind von der Sache bekommen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Wind von der Sache bekommen" stammt aus der Seemannssprache und ist mehrere Jahrhunderte alt. Segelschiffe waren auf den Wind angewiesen, um Fahrt aufzunehmen und zu manövrieren. Ein erfahrener Seemann konnte bereits eine leichte Brise, also "Wind", von einer bestimmten Richtung her wahrnehmen, lange bevor sich dies für andere bemerkbar machte oder das Wetterphänomen voll ausbrach. Diese Fähigkeit, eine kommende Veränderung frühzeitig zu wittern, wurde im übertragenen Sinne auf das Alltagsleben an Land übertragen. Wer also "Wind von einer Sache bekam", erfuhr etwas Geheimes oder Pläne anderer, bevor sie offiziell wurden, ähnlich wie der Seemann die erste leichte Luftströmung erspürte.
Bedeutungsanalyse
Im wörtlichen Sinne beschreibt die Redewendung das Wahrnehmen einer Luftbewegung. In ihrer übertragenen und heute fast ausschließlich genutzten Bedeutung meint sie, zufällig oder durch Indizien von einem geheimen Vorhaben, einer verborgenen Absicht oder einer nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Information zu erfahren. Es geht um das unfreiwillige oder überraschende "In-die-Karten-schauen-Lassen" einer Person oder Gruppe. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es handele sich um eine aktive Nachforschung. Das Gegenteil ist der Fall: Man "bekommt" den Wind, man wird quasi davon überrascht. Die Information weht einem zu, ohne dass man gezielt danach gesucht hätte. Kurz gesagt: Jemand hat eine vertrauliche Information aufgeschnappt.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant. Sie passt perfekt in eine Zeit, in der Informationen schnell fließen und Geheimnisse oft schwer zu wahren sind. Man verwendet sie in ganz alltäglichen Kontexten, etwa wenn ein Kind "Wind" vom geplanten Geburtstagsgeschenk bekommt oder ein Kollege "Wind" von anstehenden Entlassungsrunden in der Firma erhält. Auch in der Politik- und Wirtschaftsberichterstattung ist sie geläufig, wenn Journalisten vor einer offiziellen Bekanntgabe "Wind" von einer Fusion oder einem Personalwechsel bekommen. Die Metapher bleibt intuitiv verständlich, denn das Bild des sich verbreitenden Gerüchts oder Geheimnisses als eine Art Luftzug, den man spüren kann, ist nach wie vor sehr kraftvoll.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung ist vielseitig einsetzbar, von informellen Gesprächen bis hin zu etwas formelleren beruflichen Situationen. Sie ist neutral bis leicht umgangssprachlich gefärbt, aber nicht derb oder salopp. In einer lockeren Rede oder einem Vortrag kann sie eine bildhafte und eingängige Alternative zu "davon erfahren" sein. Für eine Trauerrede oder einen sehr förmlichen diplomatischen Text wäre sie möglicherweise zu sehr aus der Alltagssprache entlehnt.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Verwendungen:
- Im privaten Gespräch: "Pass auf, was du sagst! Die Kinder könnten Wind von der Überraschungsparty bekommen."
- Im beruflichen Umfeld: "Wie hast du das denn so schnell gewusst?" – "Ich habe zufällig Wind von der Projektumstrukturierung bekommen, als ich an der Kaffeemaschine stand."
- In einer Erzählung: "Die Presse hatte schon Wind von der Affäre bekommen, lange bevor das Statement des Ministers veröffentlicht wurde."
Die Redewendung ist besonders geeignet, um Situationen zu beschreiben, in denen Informationen durchsickern oder jemand ein ungutes Gefühl bezüglich verdeckter Absichten entwickelt. Sie transportiert immer ein Element des Zufälligen und des unautorisierten Wissenserwerbs.
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