Unter ferner liefen

Kategorie: Redewendungen

Unter ferner liefen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "unter ferner liefen" stammt direkt aus der Welt des Sports, genauer gesagt aus dem Bereich des Pferderennens. Im 19. Jahrhundert etablierte sich der Begriff im deutschen Sprachraum. Er bezieht sich auf die Ergebnislisten, die nach einem Rennen veröffentlicht wurden. Die Pferde, die zwar das Ziel erreichten, aber weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen landeten, wurden in einer separaten Rubrik namens "ferner liefen" aufgeführt. Sie waren technisch gesehen Teilnehmer, spielten für den eigentlichen Wettkampf um die vorderen Ränge jedoch keine Rolle mehr. Diese klare und bildhafte Kategorisierung aus dem Renngeschehen wurde bald auf andere Wettbewerbssituationen übertragen.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich beschreibt "unter ferner liefen" die Position eines Teilnehmers in einer Rangliste, der so weit hinten liegt, dass er nicht mehr zu den ernsthaften Konkurrenten zählt. Im übertragenen Sinne kennzeichnet die Redewendung heute alles und jeden, der in einem Vergleich, einem Wettbewerb oder einer Bewertung nur eine absolut untergeordnete, bedeutungslose Rolle spielt. Es geht nicht einfach um einen zweiten oder dritten Platz, sondern um eine Position jenseits der wahrgenommenen Relevanz. Ein typisches Missverständnis liegt darin, die Floskel mit "unter den ersten" zu verwechseln. Ganz im Gegenteil: Wer "unter ferner liefen" geführt wird, hat den Anschluss an die Spitzengruppe verloren und ist praktisch nicht mehr im Rennen. Die Interpretation ist also eindeutig: Es handelt sich um eine schonende, aber deutliche Beschreibung für mangelnde Bedeutung oder Erfolglosigkeit in einem konkurrierenden Umfeld.

Relevanz heute

Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant, auch für Menschen, die noch nie auf einer Pferderennbahn waren. Sie hat ihren festen Platz in der Alltagssprache, insbesondere in journalistischen und gesellschaftlichen Kontexten. Im Sportkommentar ist sie nach wie vor wörtlich im Einsatz. Darüber hinaus findet sie breite Anwendung in politischen Analysen (bei Wahlen), Wirtschaftsberichten (bei Marktvergleichen) oder auch bei der Bewertung kultureller Ereignisse wie Filmfestspielen oder Musikcharts. Die Brücke zur digitalen Gegenwart schlägt sich in der Bewertung von Technologieprodukten, Apps oder Social-Media-Trends, wo ständig ausgezeichnet wird, was "vorne" liegt und was nur "unter ferner liefen" mitspielt. Die Metapher vom Rennen um Aufmerksamkeit und Erfolg ist heute treffender denn je.

Praktische Verwendbarkeit

Sie können diese Redewendung überall dort verwenden, wo Sie die Bedeutungslosigkeit eines Kandidaten oder einer Sache in einem Vergleich betonen möchten, ohne direkt abwertend oder grob zu sein. Sie eignet sich hervorragend für lockere Vorträge, Kommentare, gesellschaftliche Diskussionen oder auch für anspruchsvollere journalistische Texte. In einer offiziellen Trauerrede wäre sie hingegen unpassend, da der Kontext hier kein Wettbewerb ist. Für ein formelles Bewertungsgespräch ist sie möglicherweise zu salopp. Gelungene Beispiele für den Einsatz sind:

  • In einer Produktpräsentation: "Unser neues Modell muss sich gegen die etablierten Markenführer behaupten; die Konkurrenz von gestern spielt leider nur noch unter ferner liefen."
  • In einer politischen Debatte: "Bei der letzten Umfrage landete die Partei mit nur zwei Prozent eindeutig unter ferner liefen."
  • Im privaten Gespräch über einen Filmabend: "Der Gewinner des Oscars war großartig, aber der deutsche Beitrag lief in der internationalen Kritik leider unter ferner liefen."

Die Redewendung ist besonders geeignet, wenn Sie eine Rangfolge visualisieren und gleichzeitig die große Kluft zwischen den Führenden und den Nachzüglern aufzeigen möchten. Sie verleiht Ihrer Aussage eine nuance reiche, bildhafte Qualität.

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