Sich grün und blau ärgern
Kategorie: Redewendungen
Sich grün und blau ärgern
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft der Redewendung "sich grün und blau ärgern" ist nicht zweifelsfrei und lückenlos dokumentiert. Es existieren jedoch plausible sprachhistorische Erklärungen, die auf eine Verbindung zur älteren und bekannteren Wendung "sich grün und blau schlagen" oder "jemanden grün und blau schlagen" hindeuten. Diese bezieht sich auf die durch Prügel verursachten farbigen Flecken und Blutergüsse. Der Übertrag auf den emotionalen Zustand des Ärgerns folgt einem bekannten sprachlichen Muster, bei dem intensive Gefühle mit körperlichen Verletzungen verglichen werden. Eine erste schriftliche Fixierung der ärgerbezogenen Variante lässt sich nicht sicher datieren, weshalb wir auf eine detaillierte Darstellung der Herkunft an dieser Stelle verzichten.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "sich grün und blau ärgern" beschreibt einen Zustand extremen, nahezu körperlich spürbaren Ärgers. Wörtlich genommen verweist sie auf die Farben Grün und Blau, die typischerweise bei schweren Prellungen oder Hämatomen auf der Haut erscheinen. In der übertragenen Bedeutung signalisiert sie, dass jemand so wütend oder frustriert ist, als hätte er eine tätliche Auseinandersetzung hinter sich – die Verletzungen sind in diesem Fall seelischer Natur. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, die Farben hätten eine eigenständige symbolische Bedeutung für Wut oder Neid. Tatsächlich ist die Kombination "grün und blau" als feststehende Einheit zu verstehen, die aus der Beschreibung von Verletzungen stammt und hier die Heftigkeit der Emotion unterstreicht. Kurz gesagt: Man ärgert sich nicht nur ein bisschen, sondern bis zur "inneren Beule".
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der modernen Umgangssprache durchaus lebendig und relevant. Sie wird nach wie vor verwendet, um starken Ärger oder tiefe Frustration bildhaft und mit einem gewissen dramatischen Unterton auszudrücken. Besonders in mündlichen Schilderungen, in sozialen Medien oder in lockeren Kommentaren findet sie Anwendung, wenn jemand eine als ungerecht oder ärgerlich empfundene Situation beschreibt. Ihre Relevanz zeigt sich darin, dass sie ein sehr intensives Gefühl auf eine fast schon humorvoll überzeichnete Weise transportiert, die viele Menschen unmittelbar verstehen. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sie mühelos, denn das Gefühl, sich "bis zur Weißglut" oder eben "grün und blau" zu ärgern, ist zeitlos. Sie teilt sich das semantische Feld mit moderneren Ausdrücken wie "ich könnte aus der Haut fahren" oder "das regt mich tierisch auf", behält aber ihren eigenen, farbenfrohen Charakter.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für informelle Gespräche, anekdotenhafte Erzählungen oder lockere Vorträge, in denen der Sprecher seine persönliche Betroffenheit und seinen emotionalen Einsatz unterstreichen möchte. In einer Trauerrede oder einem sehr formellen diplomatischen Schreiben wäre sie aufgrund ihrer saloppen und bildhaften Natur hingegen fehl am Platze und könnte als unangemessen oder zu flapsig empfunden werden.
Sie passt perfekt in Situationen, in denen Sie Ihrem Gegenüber plastisch vermitteln wollen, wie sehr Sie sich über etwas geärgert haben. Hier einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "Ich habe mich grün und blau geärgert, als ich sah, dass das Paket trotz meiner genauen Anweisungen wieder beim Nachbarn abgegeben wurde."
- "Bei der Diskussion um das neue Projekt könnte man sich ja grün und blau ärgern, so viel Bürokratie steht dem eigentlichen Ziel im Weg."
- "Er ärgerte sich grün und blau über die verpasste Chance, obwohl er wusste, dass er nichts hätte ändern können."
Nutzen Sie die Redewendung also, wenn Sie in einem privaten oder kollegialen Rahmen Ihre starke emotionale Reaktion schildern möchten. Sie wirkt weniger hart oder aggressiv als "sich schwarz ärgern", transportiert aber dennoch eine deutliche Intensität und eignet sich daher besonders für lebhafte, persönliche Schilderungen.
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