Sich in die Tasche lügen

Kategorie: Redewendungen

Sich in die Tasche lügen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Herkunft der Redewendung "sich in die Tasche lügen" ist nicht eindeutig und historisch belegbar geklärt. Es existieren verschiedene plausible Erklärungsansätze, die jedoch alle auf Vermutungen beruhen. Eine gängige Theorie führt den Ursprung auf das Bild eines Menschen zurück, der, um seine Armut zu verbergen, leere Taschen hat und sich selbst etwas vormacht. Eine andere Deutung verweist auf die Gaunersprache, wo "Tasche" auch für "Mund" stehen kann – sich also wortwörtlich etwas in den Mund lügt. Da keine dieser Theorien mit hundertprozentiger Sicherheit belegt werden kann, lassen wir diesen Punkt weg, um unserem Qualitätsanspruch nach belegbaren Fakten gerecht zu werden.

Bedeutungsanalyse

Die Redewendung "sich in die Tasche lügen" beschreibt den Vorgang, sich selbst bewusst oder unbewusst etwas vorzumachen. Es handelt sich um eine Form der Selbsttäuschung, bei der man unbequeme Wahrheiten ausblendet und sich stattdessen mit angenehmeren, aber falschen Annahmen schmeichelt. Wörtlich genommen ergibt das Bild kaum Sinn, weshalb die übertragene Bedeutung im Vordergrund steht. Ein typisches Missverständnis ist die Verwechslung mit dem "Lügen wie gedruckt", also dem bewussten Belügen anderer. Bei "sich in die Tasche lügen" ist der Hauptbetrogene jedoch man selbst. Kurz gesagt: Es ist die Kunst, die eigene Realität so zu zurechtzubiegen, dass sie besser erscheint, als sie ist.

Relevanz heute

Die Redewendung ist heute so relevant wie eh und je, vielleicht sogar relevanter. In einer Zeit, die von Selbstoptimierung und der ständigen Präsentation eines perfekten Lebensbildes geprägt ist, begegnet uns diese Form der Selbsttäuschung täglich. Ob wir uns einreden, dass "eine Zigarette mehr schon nicht schadet", dass "dieser Kredit schon irgendwie geht" oder dass "die Deadline auch noch nächste Woche zu schaffen ist" – wir alle neigen zu kleinen Taschelügen. Sie fungieren als psychologischer Schutzmechanismus. Die Wendung wird nach wie vor aktiv im Sprachgebrauch verwendet, oft in eher kritisch-ironischen oder selbstreflexiven Zusammenhängen, um ein solches Verhalten zu benennen und zu hinterfragen.

Praktische Verwendbarkeit

Die Redewendung eignet sich hervorragend für Gespräche und Texte, in denen es um Selbstreflexion, Psychologie oder milde Kritik geht. In einem lockeren Vortrag über Prokrastination könnte der Redner sagen: "Oft lügen wir uns einfach in die Tasche und glauben, unter Druck besser zu arbeiten." In einem persönlichen Gespricht mit einem Freund, der eine ungesunde Beziehung nicht beenden will, könnte man behutsam anmerken: "Ich habe den Eindruck, dass du dich da vielleicht ein bisschen in die Tasche lügst, was seine Absichten angeht."

Für formelle Anlässe wie eine offizielle Trauerrede oder ein seriöses Geschäftsdokument ist der Ausdruck hingegen zu salopp und bildhaft. Hier wären Formulierungen wie "sich etwas vormachen" oder "einer Illusion hingegeben" treffender und angemessener. Gelungene Beispiele für den Alltag sind:

  • "Was den Klimawandel angeht, dürfen wir uns als Gesellschaft nicht länger in die Tasche lügen."
  • "Er lügt sich in die Tasche, wenn er glaubt, ohne Training den Marathon zu schaffen."
  • "Ehrlich gesagt, habe ich mir monatelang in die Tasche gelogen und meine finanziellen Probleme ignoriert."

Die Redewendung ist also ideal für den privaten Austausch, Kolumnen, Blogbeiträge oder lockere Präsentationen, in denen eine plastische und eingängige Formulierung gewünscht ist.

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