Mit ihm ist Matthäi am Letzten

Kategorie: Redewendungen

Mit ihm ist Matthäi am Letzten

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "Mit ihm ist Matthäi am Letzten" stammt aus der biblischen Tradition und bezieht sich auf das Ende des Matthäus-Evangeliums. Im letzten Kapitel (Matthäus 28) findet sich die entscheidende Aussage über das Jüngste Gericht und das Ende der Welt. Der Ausdruck "Matthäi am letzten" wurde somit im kirchlichen und volkstümlichen Sprachgebrauch zu einer feststehenden Formel für den "jüngsten Tag", also das Ende aller Zeiten. Die Verwendung im heutigen Sinn als Ausdruck für eine aussichtslose Person oder Situation entwickelte sich vermutlich im 19. Jahrhundert. Sie überträgt die Vorstellung des endgültigen, unabwendbaren Endes auf den Zustand eines Menschen.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen beschreibt die Redensart, dass bei einer Person das "Matthäi-Ende" erreicht ist, also der Punkt des endgültigen Gerichts. Übertragen bedeutet sie, dass mit jemandem nichts mehr anzufangen ist, dass er moralisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich am Ende ist. Es handelt sich um eine sehr drastische Formulierung, die einen Zustand der Hoffnungslosigkeit und des völligen Scheiterns beschreibt. Ein typisches Missverständnis besteht darin, den Ausdruck mit dem Apostel Matthäus persönlich in Verbindung zu bringen, etwa dass dieser selbst "am Ende" gewesen sei. Tatsächlich ist aber immer das Evangelium, genauer sein letztes Kapitel, gemeint. Die Redewendung ist eine metaphorische Bankrotterklärung.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache durchaus noch präsent, wenn auch nicht mehr im alltäglichen Umgangston. Sie wird vorwiegend in schriftlichen Kontexten, in Kommentaren, Analysen oder in einer gewählten, vielleicht sogar etwas ironisch gefärbten Umgangssprache verwendet. Ihre Relevanz liegt in ihrer unübertroffenen Eindringlichkeit: Sie transportiert ein finales Urteil. In einer Zeit, die von schnellen Veränderungen und der ständigen Möglichkeit des Neuanfangs geprägt ist, stellt diese Formulierung einen archaischen, absolut klingenden Schlusspunkt dar. Sie findet daher oft Anwendung in politischen oder wirtschaftlichen Kommentaren, um den unumkehrbaren Niedergang einer Figur oder eines Unternehmens zu beschreiben.

Praktische Verwendbarkeit

Die Wendung eignet sich für Kontexte, in denen eine pointierte, endgültige Bewertung abgegeben werden soll. Sie ist zu salopp für formelle Trauerreden oder offizielle Ansprachen, kann aber in einem lockeren Vortrag oder einem kritischen Essay sehr wirksam sein. In einem privaten Gespräch wirkt sie oft zu hart und altmodisch, es sei denn, Sie verwenden sie bewusst übertreibend oder scherzhaft.

Gelungene Anwendungsbeispiele sind:

  • In einem politischen Kommentar: "Nach diesem Skandal und dem Verlust jeglichen Vertrauens ist mit diesem Minister Matthäi am Letzten. Ein Verbleib im Amt ist undenkbar."
  • In einer Wirtschaftskolumne: "Das Unternehmen hat nicht nur den Anschluss verpasst, es hat seine gesamte Marktrelevanz verloren. Hier ist wirtschaftlich gesehen Matthäi am Letzten."
  • Ironisch im privaten Kreis: "Mein alter Computer stürzt ständig ab und startet nicht mehr neu. Mit dem Gerät ist endgültig Matthäi am Letzten."

Setzen Sie diese Redensart also sparsam und gezielt ein, wenn Sie einen Zustand als absolut hoffnungslos und unabänderlich charakterisieren möchten. Für weniger definitive Situationen sind Formulierungen wie "am Ende sein" oder "fertig sein" deutlich angemessener.

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