Er wurde als Kind zu heiß gebadet
Kategorie: Redewendungen
Er wurde als Kind zu heiß gebadet
Autor: unbekannt
Herkunft
Die genaue Herkunft dieser Redewendung ist nicht zweifelsfrei belegt. Es existieren mehrere volkstümliche Erklärungsansätze, die jedoch alle im Bereich der Vermutung bleiben. Ein populärer, aber historisch nicht gesicherter Erklärungsversuch führt die Wendung auf mittelalterliche oder frühneuzeitliche Badegewohnheiten zurück. Damals wurde die Wassertemperatur für Säuglinge und Kinder oft mit dem Ellenbogen geprüft. Ein zu heißes Bad konnte demnach zu bleibenden Schäden oder einer besonderen Empfindlichkeit führen, was im übertragenen Sinn auf eine lebenslange "Verwöhnung" oder "Verzärtelung" hindeuten sollte. Da diese Erklärung jedoch nicht durch schriftliche Quellen belegt ist, lassen wir diesen Punkt weg.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "Er wurde als Kind zu heiß gebadet" ist eine scherzhafte bis spöttische Charakterisierung einer Person. Im wörtlichen Sinn nimmt sie Bezug auf eine angebliche Pflegemaßnahme in der frühen Kindheit. In der übertragenen Bedeutung wird damit ausgedrückt, dass jemand als übermäßig empfindlich, verwöhnt, wehleidig oder auch etwas eigenbrötlerisch und sonderbar wahrgenommen wird. Man unterstellt der Person im Scherz, durch eine angebliche frühkindliche Erfahrung für ihr Leben "gezeichnet" oder "verwöhnt" worden zu sein. Ein typisches Missverständnis besteht darin, die Redewendung als medizinische Diagnose oder ernsthafte Aussage über reale Kindheitserlebnisse zu verstehen. Es handelt sich jedoch stets um eine metaphorische und ironische Floskel, die nie wörtlich gemeint ist. Kurz gesagt: Man sagt es über jemanden, der sich Ihrer Meinung nach anstellt oder merkwürdige Marotten hat.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der modernen Umgangssprache durchaus noch lebendig, wenn auch ihre Verwendungshäufigkeit vielleicht etwas nachgelassen hat. Sie wird heute vor allem in informellen, geselligen Gesprächen gebraucht, um auf eine als übertrieben empfundene Sensibilität oder Sonderlingshaftigkeit eines Dritten hinzuweisen. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich in der universellen menschlichen Neigung, eigenartiges Verhalten humorvoll zu erklären. Statt psychologischer Fachbegriffe bedient man sich dieser bildhaften und altbekannten Formulierung. Sie taucht gelegentlich in Kolumnen, in lockeren Medienbeiträgen oder in der Alltagskommunikation auf, wenn man jemanden nicht direkt kritisieren, sondern sein seltsames Verhalten mit einem augenzwinkernden Klischee versehen möchte.
Praktische Verwendbarkeit
Diese Redensart eignet sich ausschließlich für lockere, informelle und humorvolle Kontexte. Sie passt perfekt in ein geselliges Gespräch unter Freunden oder Kollegen, in dem man über einen nicht anwesenden Dritten scherzt. In einem lockeren Vortrag könnte sie als witzige Charakterisierung dienen.
Unbedingt vermeiden sollten Sie die Redewendung in jeder formellen oder offiziellen Situation. Für eine Trauerrede, ein ernstes Mitarbeitergespräch, eine offizielle Kritik oder ein Bewerbungsschreiben ist sie völlig ungeeignet. Sie wäre dort als salopp, respektlos und unprofessionell einzustufen. Auch im direkten Streitgespräch ist der Spruch zu flapsig und verletzend, da er die Persönlichkeit des anderen pauschal und abwertend karikiert.
Hier einige Beispiele für gelungene, situationsangemessene Sätze:
- "Unser Nachbar beschwert sich schon wieder über das Rascheln unserer Zeitung. Der wurde bestimmt als Kind zu heiß gebadet."
- "Unser Chef trägt selbst im Hochsommer nur langärmlige Hemden und hasst Zugluft. Kein Wunder, bei dem muss man das Wasser früher immer mit dem Ellenbogen prüfen."
- "Sie müssen Verständnis für ihn haben, er ist ein wenig speziell. Man munkelt, seine Kindheit verbrachte er in einer überhitzten Badewanne." (etwas elegantere Umschreibung)
Grundsätzlich gilt: Nutzen Sie die Redewendung nur, wenn Sie sicher sind, dass Ihr Gegenüber den scherzhaften Ton versteht und die Situation nicht ernst ist.
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