Das ist noch von altem Schrot und Korn

Kategorie: Redewendungen

Das ist noch von altem Schrot und Korn

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "Das ist noch von altem Schrot und Korn" stammt ursprünglich aus der Welt des Münzwesens und der Materialkunde. "Schrot" bezeichnete im Mittelalter das Gesamtgewicht einer Münze, während "Korn" den Feingehalt an Edelmetall, also den eigentlichen Wert, meinte. Eine Münze "von altem Schrot und Korn" war demnach eine, die noch den vollen Materialwert und das korrekte Gewicht besaß, im Gegensatz zu minderwertigen oder gefälschten Prägungen. Dieser sprachliche Gebrauch ist bereits für das 16. Jahrhundert belegt. Die Übertragung auf den Charakter eines Menschen erfolgte später, wobei die Redensart die Echtheit, Unverfälschtheit und den soliden inneren Wert einer Person beschreibt.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen bezieht sich die Formulierung auf die solide Beschaffenheit einer Münze aus vergangener Zeit. In der übertragenen Bedeutung, die heute fast ausschließlich genutzt wird, lobt sie die charakterliche Integrität und die bewährten Qualitäten einer Person. Jemand, der "von altem Schrot und Korn" ist, gilt als zuverlässig, authentisch, grundsolide und von unerschütterlichem Wert, oft verbunden mit einer gewissen Geradlinigkeit und traditionellen Haltung. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es handele sich um eine rein altersbezogene Aussage. Das Alter ist jedoch nicht das primäre Kriterium, sondern die bewiesene, zeitlose Qualität. Eine junge Person kann durchaus "von altem Schrot und Korn" sein, wenn sie diese charakterliche Festigkeit und Echtheit besitzt.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache durchaus lebendig und relevant. In einer Zeit, die von schnellem Wandel und mitunter auch von Oberflächlichkeit geprägt ist, gewinnt die Sehnsucht nach Verlässlichkeit und Substanz an Bedeutung. Die Formulierung wird heute verwendet, um Personen zu würdigen, die sich durch Beständigkeit, Redlichkeit und einen festen Charakter auszeichnen. Man findet sie in persönlichen Gesprächen, in journalistischen Porträts über verdiente Persönlichkeiten oder auch in politischen Kommentaren, die die Geradlinigkeit eines Amtsträgers hervorheben wollen. Sie schlägt somit eine direkte Brücke von historischen Werten zu zeitgenössischen Tugenden.

Praktische Verwendbarkeit

Die Wendung eignet sich hervorragend für lobende und würdigende Anlässe. Sie klingt in einer Trauerrede oder einer Laudatio besonders passend, da sie Wertschätzung und Respekt auf eine sehr bildhafte, warme Weise ausdrückt. In einem lockeren Vortrag oder einem vertrauten Gespräch kann sie ebenfalls verwendet werden, wirkt dann aber leicht altmodisch-charmant oder betont herzlich. In sehr formellen oder technischen Kontexten könnte sie als zu salopp oder zu bildhaft empfunden werden. Für reine Jugendsprache oder flapsige Situationen ist sie generell nicht geeignet.

Beispiele für gelungene Sätze:

  • "In all den Jahren der Zusammenarbeit war er stets ein verlässlicher Partner, ein Mann von altem Schrot und Korn, auf den man sich blind verlassen konnte."
  • "Ihre Großmutter war eine Frau von altem Schrot und Korn: direkt, herzlich und mit einem unerschütterlichen Sinn für Gerechtigkeit."
  • "In der heutigen, hektischen Welt ist es eine wahre Freude, auf einen Handwerksmeister von altem Schrot und Korn zu treffen, für den Qualität noch an erster Stelle steht."

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