Es geht mir gegen den Strich
Kategorie: Redewendungen
Es geht mir gegen den Strich
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft dieser Redewendung ist handwerklich geprägt und lässt sich mit hoher Sicherheit auf das Tischler- und Schreinerhandwerk zurückführen. Der "Strich" bezieht sich hier auf die natürliche Maserung und Faserrichtung eines Holzbrettes. Wenn man beim Hobeln oder Schleifen "gegen den Strich" arbeitet, also entgegen der natürlichen Faserrichtung, wird die Oberfläche rau, fasert auf und das Ergebnis ist unschön und widerständig. Die Übertragung dieser handwerklichen Erfahrung auf das menschliche Empfinden ist naheliegend: Etwas, das uns widerstrebt, fühlt sich genauso an, als würde man gegen den natürlichen Lauf der Dinge arbeiten. Schriftliche Belege für diesen bildlichen Gebrauch finden sich bereits im 18. Jahrhundert.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen beschreibt die Redewendung eine handwerkliche Fehlhandlung, die zu einem schlechten Ergebnis führt. Im übertragenen Sinn drückt sie ein starkes Gefühl des Widerwillens, der Abneigung oder der inneren Auflehnung aus. Wenn Ihnen etwas "gegen den Strich geht", empfinden Sie es als zutiefst unangenehm, es widerstrebt Ihrer Natur, Ihren Prinzipien oder Ihrem Geschmack. Ein typisches Missverständnis besteht darin, die Redewendung mit physischem Schmerz oder Ekel gleichzusetzen. Sie bezeichnet jedoch primär eine mentale oder charakterliche Abwehrhaltung. Es geht weniger um unmittelbaren Abscheu, sondern vielmehr um eine grundsätzliche, oft prinzipiengeleitete Ablehnung einer Handlung, einer Aussage oder einer Situation.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant in der deutschen Alltagssprache. Sie hat nichts von ihrer Aussagekraft eingebüßt. Menschen verwenden sie heute in den verschiedensten Kontexten, um eine persönliche Grenze oder eine moralische Instanz zu markieren. Besonders häufig ist sie in Diskussionen über Arbeitsmoral, Ungerechtigkeit oder unangemessenes Verhalten zu hören. In einer Zeit, in der individuelle Werte und Authentizität hoch im Kurs stehen, bietet diese Formulierung eine präzise Möglichkeit, auszudrücken, dass eine bestimmte Sache nicht mit den eigenen inneren Überzeugungen in Einklang zu bringen ist. Sie schlägt somit eine perfekte Brücke von alter Handwerkerweisheit zu modernen Gefühlen der Integrität.
Praktische Verwendbarkeit
Diese Redewendung eignet sich hervorragend für Situationen, in denen Sie eine fundierte, aber nicht aggressiv vorgetragene Ablehnung ausdrücken möchten. Sie ist in formellen wie informellen Gesprächen gleichermaßen verständlich.
In einem lockeren Vortrag oder Meeting könnten Sie sagen: "Die neue Vorgehensweise geht mir ehrlich gesagt gegen den Strich, weil sie unsere Qualitätsstandards untergräbt." In einer privaten Unterhaltung wäre ein Satz wie "Es geht mir einfach gegen den Strich, pünktlich zu kommen und dann eine halbe Stunde warten zu müssen" angemessen.
Für eine Trauerrede oder sehr feierliche Anlässe ist der Ausdruck möglicherweise zu salopp und alltagssprachlich. Hier wählen Sie besser direktere Formulierungen wie "widerstrebt mir" oder "entspricht nicht meiner Überzeugung". Die Stärke der Redewendung liegt in ihrer Bildhaftigkeit, die sofort nachvollziehbar ist, ohne beleidigend zu wirken. Sie ist ideal, um in sachlichen Diskussionen, bei Feedbackgesprächen oder in Kommentaren zu Prinzipienfragen die eigene emotionale Betroffenheit sachlich zu verpacken.
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