Das ist nicht auf meinem Mist gewachsen
Kategorie: Redewendungen
Das ist nicht auf meinem Mist gewachsen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Das ist nicht auf meinem Mist gewachsen" stammt aus der ländlichen Lebenswelt. Ihr Ursprung liegt in der bäuerlichen Arbeit, genauer gesagt in der Düngung der Felder. Der "Mist" bezeichnet hier den natürlichen Dung, der auf den eigenen Acker oder das eigene Feld aufgebracht wird, um das Wachstum der Pflanzen zu fördern. Was auf diesem eigenen, gedüngten Boden wächst, ist folglich die eigene Verantwortung und das eigene Werk. Die erste schriftliche Belegung der Redewendung in dieser übertragenen Bedeutung findet sich bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie etablierte sich als bildhafte und für jedermann verständliche Abgrenzung, die den urbanen Sprachgebrauch eroberte.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen beschreibt die Redewendung tatsächlich einen landwirtschaftlichen Vorgang: Eine Pflanze oder ein Unkraut ist nicht auf dem Dunghaufen des Sprechenden entstanden. In der übertragenen, heute allein gültigen Bedeutung distanziert sich der Sprecher oder die Sprecherin klar und deutlich von einer Idee, einem Plan, einer Aussage oder einem Vorwurf. Es ist eine sehr direkte Art zu sagen: "Dafür bin ich nicht verantwortlich. Das habe nicht ich mir ausgedacht. Das geht nicht auf meine Kappe." Ein typisches Missverständnis könnte in der vermeintlichen Derbheit des Wortes "Mist" liegen. Hier geht es jedoch nicht um den heutigen umgangssprachlichen Gebrauch für "etwas Schlechtes", sondern ganz konkret um den natürlichen Dünger. Die Redewendung ist daher weniger eine Bewertung der Sache an sich (ob sie gut oder schlecht ist), sondern primär eine Zurückweisung der Urheberschaft.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant, auch wenn immer weniger Menschen direkten Bezug zur Landwirtschaft haben. Sie wird in allen gesellschaftlichen Schichten und in diversen Kontexten verwendet, von privaten Gesprächen bis hin zu offizielleren Debatten. Ihre Stärke liegt in der unmissverständlichen Klarheit. In einer Zeit, in der Verantwortlichkeiten oft verschwimmen oder bewusst verschleiert werden, bietet diese Formulierung eine kraftvolle und bildhafte Möglichkeit, die eigene Nicht-Beteiligung an einer Sache zu betonen. Sie schlägt somit eine direkte Brücke von der bäuerlichen Vergangenheit zu aktuellen Diskussionen über Verantwortung, Urheberschaft und Zurechnung – sei es in der Politik, im Berufsleben oder im privaten Umfeld.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich besonders für Situationen, in denen Sie sich deutlich und mit einer gewissen Betonung von einer Behauptung oder einem Vorwurf distanzieren möchten. Sie ist eher für den informellen bis halbformellen Bereich geeignet.
- Geeignete Kontexte: Diskussionen im Team, private Auseinandersetzungen, klärende Gespräche unter Kollegen, in journalistischen Kommentaren oder in politischen Debatten, um die Herkunft einer Idee zuzuordnen.
- Weniger geeignete Kontexte: Sehr formelle Anlässe wie offizielle Trauerreden, Vertragsverhandlungen oder diplomatische Kommunikation. Hier könnte die bildhafte und etwas derbe Sprache als zu salopp oder unpassend empfunden werden.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "Dieser Vorschlag zur Umstrukturierung ist mir neu – der ist definitiv nicht auf meinem Mist gewachsen."
- "Bevor hier weiter spekuliert wird: Die Gerüchte über angebliche Gehaltskürzungen sind nicht auf meinem Mist gewachsen."
- In einem Meeting: "Ich möchte klarstellen, dass die Fehler in der Kalkulation nicht auf meinem Mist gewachsen sind. Die Zahlen stammen aus einer anderen Abteilung."
Die Redewendung wirkt am überzeugendsten, wenn Sie sie sachlich, aber bestimmt verwenden. Sie setzt einen klaren Schlusspunkt unter Diskussionen über die Urheberschaft.
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