Wolpertinger schießen gehen

Kategorie: Redewendungen

Wolpertinger schießen gehen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "Wolpertinger schießen gehen" ist ein feststehender Ausdruck der deutschen Umgangssprache, dessen Ursprung nicht in historischen Schriften, sondern in der volkstümlichen Erzählkultur Bayerns und Österreichs zu finden ist. Der Wolpertinger selbst ist ein fabelhaftes Mischwesen, ähnlich dem Jackalope in Nordamerika, das angeblich in den Wäldern des Alpenraums lebt. Es wird beschrieben als ein Tier mit Merkmalen verschiedener Geschöpfe, etwa den Flügeln einer Ente, dem Geweih eines Rehs und dem Körper eines Hasen. Die erste schriftliche Erwähnung des Fabelwesens findet sich in Jagdfibeln des 19. Jahrhunderts, wo es als scherzhafter Bewohner tiefer Wälder beschrieben wurde. Die feste Verbindung zur Redensart entstand aus der Tradition, dass erfahrene Jäger oder Einheimische unbedarfte Städter oder Touristen zu einer nächtlichen Jagd auf dieses nicht existierende Tier einluden. Dieser Brauch, auch als "Wolpertingerjagd" bekannt, diente der Belustigung und dem geselligen Miteinander, wobei die Ahnungslosen mit absurdem Gerät in den Wald geschickt wurden. Die Redewendung kristallisierte sich aus dieser Praxis heraus und wurde zum sprachlichen Sinnbild für ein aussichtsloses und naives Unterfangen.

Bedeutungsanalyse

Im wörtlichen Sinne beschreibt die Redewendung den Akt, sich auf die Jagd nach einem mythischen Fabelwesen zu begeben. Übertragen und in der heutigen Bedeutung meint man damit, sich auf eine völlig sinnlose, aussichtslose oder utopische Aufgabe einzulassen, deren Scheitern von vornherein feststeht. Es ist ein bildhafter Ausdruck für Zeitverschwendung oder für die naive Verfolgung einer Illusion. Ein typisches Missverständnis könnte darin liegen, die Redensart mit einer echten, wenn auch schwierigen Jagd zu verwechseln. Der Kern des Spruches liegt jedoch in der absoluten Unmöglichkeit des Vorhabens. Der Wolpertinger existiert schlicht nicht, daher ist jede Jagd darauf zum Scheitern verurteilt. Kurz gesagt: Wer "Wolpertinger schießen geht", der verschwendet seine Mühe an ein Hirngespinst oder beteiligt sich an einem Scherz, ohne ihn zu durchschauen.

Relevanz heute

Die Redewendung hat auch in der modernen Sprache nichts von ihrer Bildhaftigkeit und ihrem humorvollen Charakter eingebüßt. Sie wird nach wie vor aktiv verwendet, insbesondere in Situationen, in denen jemand realitätsferne Pläne schmiedet oder sich in utopischen Projekten verliert. Sie findet Anwendung in der Alltagssprache, in der Wirtschaftswelt, um unrealistische Geschäftsziele zu kennzeichnen, und sogar in der Politik, um leere Versprechungen oder nicht umsetzbare Programme zu beschreiben. Die Brücke zur digitalen Gegenwart lässt sich leicht schlagen: Wer etwa glaubt, im Internet "schnell reich" zu werden oder nach endlosen Diskussionen in sozialen Medien noch auf eine einvernehmliche Lösung hofft, der könnte ebenfalls beschrieben werden, als gehe er Wolpertinger schießen. Die Redensart bleibt relevant, weil sie auf charmante Weise eine zeitlose menschliche Erfahrung thematisiert: das Verfolgen von Illusionen.

Praktische Verwendbarkeit

Der Ausdruck eignet sich hervorragend für lockere Gespräche unter Freunden, in kollegialen Runden oder in einem nicht zu formellen Vortrag, um komplizierte Sachverhalte bildhaft auf den Punkt zu bringen. Er bringt eine gewisse Selbstironie mit sich, wenn Sie ihn auf eigene, vielleicht etwas verrückte Vorhaben anwenden. In einer Trauerrede oder einer sehr offiziellen Ansprache wäre der Tonfall jedoch zu salopp und könnte als unpassend empfunden werden. Die Redewendung wirkt entlarvend, aber meist nicht verletzend, da sie das Vorhaben und nicht die Person angreift. Sie können sie nutzen, um freundlich vor einem aussichtslosen Unterfangen zu warnen oder um eigene gescheiterte Bemühungen humorvoll zu reflektieren.

Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Sätze:

  • "Wenn du denkst, du könntest den Chef mit diesem Vorschlag überzeugen, dann gehen wir bald gemeinsam Wolpertinger schießen."
  • "Mein Plan, das alte Motorrad selbst zu restaurieren, entpuppte sich schnell als Wolpertingerjagd."
  • "Der Versuch, in dieser Debatte noch einen Konsens zu finden, ist reines Wolpertingerschießen."
  • "Ich habe aufgehört, nach der perfekten Work-Life-Balance zu suchen. Das ist wie Wolpertinger schießen gehen."

Besonders geeignet ist die Redensart also in informellen Kontexten, in denen Sie mit einem Augenzwinkern auf die Aussichtslosigkeit einer Situation hinweisen möchten, ohne dabei direkt konfrontativ zu wirken.

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