Wir werden das Kind schon schaukeln
Kategorie: Redewendungen
Wir werden das Kind schon schaukeln
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft dieser Redewendung ist nicht zweifelsfrei belegbar. Es existieren mehrere Theorien, die jedoch alle nicht mit absoluter Sicherheit bestätigt werden können. Eine populäre Erklärung führt die Redensart auf die Praxis des Kinderschaukelns zurück, bei der eine unruhige oder weinende Beruhigung findet. Die übertragene Bedeutung "eine schwierige Sache schon in den Griff bekommen" könnte sich daraus ableiten. Eine andere, oft kolportierte These verortet den Ursprung im studentischen oder militärischen Milieu des 19. Jahrhunderts, wo "das Kind" als scherzhafte Bezeichnung für eine knifflige Angelegenheit oder ein Problem gedient haben soll. Da keine dieser Erklärungen durch historische Quellen eindeutig gesichert ist, verzichten wir an dieser Stelle auf eine detaillierte Darstellung der Herkunft.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "Wir werden das Kind schon schaukeln" ist eine zuversichtliche Zusicherung. Im wörtlichen Sinne beschreibt sie die Handlung, ein Kind in einer Wiege oder Schaukel sanft hin und her zu bewegen, um es zu beruhigen. Übertragen bedeutet sie, dass man eine schwierige, heikle oder unübersichtliche Situation schon meistern wird. Es ist ein Ausdruck des Optimismus und der Selbstsicherheit, oft gesprochen, um andere zu beruhigen oder Mut zuzusprechen.
Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, die Redensart würde sich auf das "Wiegen" eines Kindes im Sinne des Gewicht-Feststellens beziehen. Das ist nicht der Fall. Der Kern der Aussage ist das behutsame "In-Gang-Bringen" und "unter Kontrolle Bringen" einer Sache, analog zum Beruhigen eines Kindes durch rhythmische Bewegung. Die Formulierung ist immer kollektiv ("wir") und zukunftsgerichtet ("werden"), was den gemeinsamen Lösungsansatz und die Gewissheit des Gelingens unterstreicht.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache nach wie vor äußerst lebendig und relevant. Sie wird häufig in beruflichen und privaten Kontexten verwendet, in denen Herausforderungen anstehen. Besonders in Projektteams, bei der Planung komplexer Vorhaben oder in Situationen, die zunächst unsicher erscheinen, dient sie als motivierende Floskel. Sie überbrückt die Lücke zwischen der Anerkennung einer bestehenden Schwierigkeit und dem optimistischen Blick auf ihre Bewältigung.
Ihre Relevanz zeigt sich auch darin, dass sie oft in Medien, politischen Diskussionen oder in der Wirtschaftssprache aufgegriffen wird, um Entschlossenheit und Gelassenheit zugleich zu signalisieren. In einer Zeit, die von Unsicherheiten geprägt ist, bietet diese alte Redensart eine beruhigende und verbindende Formel, die auf eine gemeinsame Lösung vertraut.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich hervorragend für informelle bis semi-formelle Situationen, in denen Sie Zuversicht und Teamgeist vermitteln möchten. Sie wirkt entspannend und lösungsorientiert.
Geeignete Kontexte:
- In Teambesprechungen bei knappen Deadlines oder unerwarteten Problemen.
- Im privaten Kreis bei der Organisation eines anspruchsvollen Events wie einer Hochzeit.
- In einer motivierenden Ansprache an Mitarbeiter oder Kollegen.
- In lockeren Vorträgen oder Präsentationen, um komplexe Themen als machbar darzustellen.
Weniger geeignet ist der Ausdruck in sehr formellen oder ernsten Krisensituationen, wo er als zu salopp oder verharmlosend empfunden werden könnte, beispielsweise in einer offiziellen Stellungnahme zu einer schwerwiegenden Unternehmenskrise oder in einer Trauerrede.
Anwendungsbeispiele:
- "Die Lieferverzögerung ist bedauerlich, aber mit einem zusätzlichen Arbeitseinsatz am Wochenende werden wir das Kind schon schaukeln und den Termin halten."
- "Der Umzug sieht nach viel Arbeit aus, keine Sorge, zu viert werden wir das Kind schon schaukeln."
- In einem Projekt-Kick-off: "Die Vorgaben sind ambitioniert, aber ich bin sicher, mit unserer Erfahrung werden wir das Kind schon schaukeln."
Mehr Redewendungen
- Abwarten und Tee trinken
- Ach du grüne Neune!
- Alles über einen Kamm scheren
- Alte Zöpfe abschneiden
- Alter Schwede
- Am Hungertuch nagen
- Ans Eingemachte gehen
- Äpfel mit Birnen vergleichen
- Auf keinen grünen Zweig kommen
- Den Ball flach halten
- Den Faden verlieren
- Den Löffel abgeben
- Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
- Der springende Punkt
- Einen Zahn zulegen
- Es faustdick hinter den Ohren haben
- Hieb und stichfest
- Holzauge sei wachsam
- Im siebten Himmel sein
- In den sauren Apfel beißen
- Jemandem aufs Dach steigen
- Jemandem einen Bären aufbinden
- Jemandem einen Denkzettel verpassen
- Jemanden an die Wand stellen
- Kein Blatt vor den Mund nehmen
- 950 weitere Redewendungen