Aus den Fingern saugen
Kategorie: Redewendungen
Aus den Fingern saugen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft der Redewendung "aus den Fingern saugen" ist nicht zweifelsfrei und in allen Details belegbar. Daher wird auf diesen Punkt verzichtet, um keine spekulativen Angaben zu machen.
Bedeutungsanalyse
Die Redensart "etwas aus den Fingern saugen" bedeutet, dass eine Behauptung, eine Information oder eine Idee frei erfunden ist und keinerlei Grundlage in der Realität besitzt. Wörtlich genommen beschreibt sie die absurde Vorstellung, man könne sich Substanz oder Wissen buchstäblich aus den eigenen Fingern heraussaugen. Im übertragenen Sinn kritisiert sie daher eine Aussage als reine Phantasie oder dreiste Erfindung.
Ein häufiges Missverständnis besteht darin, die Redewendung mit kreativer Inspiration zu verwechseln. Während "sich etwas aus den Fingern saugen" stets negativ als Lüge oder haltlose Konstruktion bewertet wird, hat der kreative Schaffensprozess einen positiven Beiklang. Die Redensart unterstellt bewusste Täuschung oder völlige Willkür, nicht schöpferisches Genie.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant. Sie wird in der Alltagssprache, in den Medien und in der politischen Auseinandersetzung gleichermaßen verwendet, um zweifelhafte Aussagen zu kennzeichnen. Besonders in Diskussionen, in denen es um Fakten, Statistiken oder historische Darstellungen geht, dient sie als scharfe rhetorische Waffe.
In einer Zeit, in der Begriffe wie "Fake News" oder "alternative Fakten" die Debatten prägen, hat diese alte Wendung eine neue Brisanz erhalten. Sie bringt auf prägnante Weise zum Ausdruck, dass eine Information nicht belegt, sondern frei erfunden ist. Die Brücke zur digitalen Gegenwart ist daher sehr direkt: Wer heute behauptet, jemand sauge sich seine Fakten aus den Fingern, wirft ihm vor, im schlimmsten Fall zur Desinformation beizutragen.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung ist ausgesprochen vielseitig einsetzbar, jedoch immer mit einer kritischen oder sogar anklagenden Spitze. Sie eignet sich für informelle Gespräche, hitzige Debatten, kritische Kommentare in Meetings oder auch in journalistischen Texten. In formellen oder zeremoniellen Kontexten wie einer Trauerrede oder einer offiziellen Festansprache wäre sie dagegen unangemessen salopp und respektlos.
Ihre Stärke liegt in der bildhaften und eindeutigen Verständlichkeit. Sie ist weniger flapsig als "sich etwas aus dem Ärmel schütteln", aber dennoch deutlich und für jeden nachvollziehbar. Hier einige Beispiele für gelungene Verwendungen:
- In einer Diskussion: "Diese angebliche Statistik hat er sich doch komplett aus den Fingern gesaugt. Es gibt keine seriöse Quelle dafür."
- Im Berufsleben: "Der Zeitplan des Kollegen wirkt nicht durchdacht. Ich fürchte, er hat ihn sich einfach aus den Fingern gesaugt, ohne die realen Abläufe zu kennen."
- In einem Kommentar: "Die Verschwörungstheorie ist frei erfunden. Ihre Urheber saugen sich die angeblichen Beweise buchstäblich aus den Fingern."
Nutzen Sie die Redensart also immer dann, wenn Sie den Vorwurf der völligen Grundlosigkeit und willkürlichen Erfindung klar und pointiert formulieren möchten. In sachlichen, konstruktiven Dialogen, bei denen es um Lösungsfindung geht, ist sie aufgrund ihrer konfrontativen Natur hingegen weniger geeignet.
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