auf dem Olymp sitzen
Kategorie: Redewendungen
auf dem Olymp sitzen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "auf dem Olymp sitzen" ist direkt der griechischen Mythologie entlehnt. Der Olymp galt in der Antike als Sitz der Götter, als der Wohnort des Zeus und der anderen olympischen Gottheiten. Von diesem erhabenen und unzugänglichen Ort aus herrschten sie über die Welt der Sterblichen. Die erste belegbare Verwendung im übertragenen, metaphorischen Sinne im Deutschen lässt sich nicht auf ein exaktes Datum eingrenzen, da sie eine naheliegende und bildhafte Übernahme aus dem kulturellen Bildungsgut darstellt. Sie etablierte sich spätestens mit der Rezeption der antiken Literatur und Philosophie in der Neuzeit. Der Kontext war stets der einer extremen, fast gottgleichen Überhöhung.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich beschreibt die Redewendung die Position einer Person, die sich auf dem Berg Olymp befindet, dem mythologischen Götterthron. In der übertragenen Bedeutung charakterisiert sie jemanden, der sich in einer Position absoluter, unangreifbarer und oft auch abgehobener Überlegenheit wähnt. Es geht um eine extreme Form der Selbstüberschätzung oder der gesellschaftlichen Isolierung durch Macht und Erfolg. Ein typisches Missverständnis liegt darin, die Redewendung positiv als Ausdruck puren Erfolgs zu deuten. Zwar schwingt Bewunderung mit, doch der Kern ist fast immer kritisch oder ironisch. Es wird die Distanz, die Arroganz und die Loslösung von der Realität betont. Kurz gesagt: Wer "auf dem Olymp sitzt", hat den Boden unter den Füßen verloren und betrachtet das gewöhnliche Treiben von einer unerreichbaren Höhe aus.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant. Sie wird häufig in gesellschaftlichen und politischen Diskursen verwendet, um Machteliten, wirtschaftliche Führungspersönlichkeiten oder auch Stars aus Kultur und Sport zu beschreiben, die sich von der Lebensrealität der meisten Menschen entfernt haben. In Zeiten, in denen Themen wie soziale Ungleichheit und "Eliten in der Blase" diskutiert werden, bietet sich dieses Bild besonders an. Auch im Berufsleben ist es ein gängiges Bild, um Vorgesetzte oder ganze Vorstände zu kennzeichnen, deren Entscheidungen als realitätsfern empfunden werden. Die Brücke zur Gegenwart ist somit direkt geschlagen: Der antike Olymp findet seine modernen Entsprechungen in den Chefetagen von Konzernzentralen, exklusiven Nobelvierteln oder den abgeschirmten Welten der Superreichen.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich hervorragend für analytische oder kritische Kontexte. In einem Kommentar, einer Kolumne oder einem politischen Essay wirkt sie präzise und bildstark. Auch in einem lockeren, aber anspruchsvollen Vortrag über Unternehmenskultur kann sie treffend eingesetzt werden. Für eine Trauerrede oder eine sehr formelle Ansprache ist sie hingegen meist zu ironisch und kritisch konnotiert. In einem persönlichen Gespräch unter Kollegen kann sie jedoch perfekt passen, um eine gemeinsame Frustration über Entscheidungen "von oben" auszudrücken. Sie sollte mit Bedacht verwendet werden, da sie eine starke Wertung enthält.
Beispiele für gelungene Sätze:
- "Seit der Übernahme scheint die neue Konzernführung auf dem Olymp zu sitzen und hat kein Gespür mehr für die Probleme in den Werken."
- "Man hat den Eindruck, dass einige Politiker nach Jahren im Amt auf dem Olymp sitzen und den Kontakt zu ihren Wählern verloren haben."
- "Seine preisgekrönten Filme haben ihn auf den Olymp der Filmemacher gehoben, doch Kritiker werfen ihm vor, sich dort zu sehr eingerichtet zu haben."
Besonders geeignet ist die Redewendung also immer dann, wenn Sie nicht nur Erfolg, sondern die mit diesem Erfolg einhergehende Isolation und Realitätsferne pointiert beschreiben möchten.
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