Wie Pech und Schwefel

Kategorie: Redewendungen

Wie Pech und Schwefel

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "wie Pech und Schwefel" besitzt eine sehr alte und gut belegbare Herkunft, die bis in die mittelalterliche Kriegsführung und Handwerkskunst zurückreicht. Ihr Ursprung ist nicht metaphorisch, sondern ganz konkret technologischer Natur. Im Mittelalter wurde eine äußerst wirksame und gefürchtete Brandwaffe eingesetzt: ein klebriges Gemisch aus Pech (einem zähen Harzprodukt) und Schwefel. Dieses Gemisch wurde auf Geschosse oder Feinde geschleudert und brannte aufgrund des Schwefels mit einer besonders intensiven, schwer zu löschenden Flamme. Die beiden Stoffe waren untrennbar miteinander verbunden und ergänzten sich in ihrer zerstörerischen Wirkung perfekt. Diese enge, fast symbiotische und äußerst beständige Verbindung übertrug sich im Laufe der Zeit auf die Sprache, um eine unlösbare Gemeinschaft zwischen Personen zu beschreiben.

Bedeutungsanalyse

Die Redewendung bedeutet, dass zwei oder mehrere Menschen eine extrem enge, unzertrennliche und oft auch etwas zwielichtige Verbindung zueinander haben. Sie halten zusammen, komme was wolle, und agieren häufig als Einheit, was von Außenstehenden als undurchdringlich wahrgenommen wird. Wörtlich bezieht sich der Ausdruck auf die bereits beschriebene, klebrige und brandgefährliche Mischung aus den Naturstoffen. In der übertragenen Bedeutung schwingt jedoch oft ein negativer Unterton mit: Die Verbindung wird als unheilvoll, vielleicht sogar verschwörerisch oder zum Nachteil anderer eingeschätzt. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es handele sich um eine positiv besiegelte Freundschaft. In den meisten Kontexten ist die Redewendung jedoch eher kritisch oder zumindest misstrauisch gemeint. Sie beschreibt weniger eine treue Seelenverwandtschaft als eine Zweckgemeinschaft, die für andere problematisch sein kann.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache nach wie vor absolut lebendig und relevant. Sie wird regelmäßig in der Alltagssprache, in journalistischen Kommentaren und in der politischen Berichterstattung verwendet. Besonders häufig taucht sie auf, um undurchsichtige politische oder wirtschaftliche Allianzen zu charakterisieren, bei denen der Verdacht im Raum steht, dass die Partner sich gegenseitig auf Kosten Dritter decken. Ebenso kann sie in Unternehmen genutzt werden, um ein ungesund verschworenes Führungsduo zu beschreiben. Die Brücke zur Gegenwart ist daher leicht geschlagen: Immer dort, wo in Politik, Wirtschaft oder im gesellschaftlichen Leben Personen in einer Weise zusammenarbeiten, die nach außen abgeschottet und intransparent wirkt, bietet sich dieser bildhafte Vergleich an. Er transportiert ein klares Bild von Haltbarkeit, aber auch von einer gewissen Gefährlichkeit der Verbindung.

Praktische Verwendbarkeit

Der Einsatz dieser Redewendung erfordert etwas Fingerspitzengefühl, da sie fast immer eine wertende Komponente enthält. In einem lockeren Gespräch unter Freunden über gemeinsame Bekannte kann sie humorvoll-übertreibend wirken. In einer offiziellen Rede oder gar einer Trauerrede wäre sie aufgrund ihres negativen Beiklangs fast immer unangemessen und zu salopp. Ideal ist sie für analytische oder kommentierende Kontexte, beispielsweise in einem Vortrag über Unternehmenskultur, in einem politischen Meinungsbeitrag oder in einer kritischen Reportage.

Hier einige Beispiele für gelungene Verwendungen:

  • In einem Zeitungskommentar: "Seit Jahren halten der Minister und der Lobbyist zusammen wie Pech und Schwefel, was immer wieder Fragen nach der Unabhängigkeit der Entscheidungen aufwirft."
  • Im privaten Gespräch: "Pass auf dich vor den beiden aus der Buchhaltung auf. Die sind wie Pech und Schwefel und decken sich gegenseitig, egal was passiert."
  • In einer Business-Analyse: "Die Fusion der beiden Konzerne scheint perfekt zu funktionieren. Ihre Vorstände agieren wie Pech und Schwefel und treiben ihre gemeinsame Strategie kompromisslos voran."

Sie ist besonders geeignet, wenn Sie eine enge, aber auch problematische oder undurchsichtige Verbindung pointiert auf den Punkt bringen möchten. Vermeiden sollten Sie die Redewendung in rein positiv gemeinten Beschreibungen einer Freundschaft oder Partnerschaft.

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