Eine Zigarre verpasst bekommen
Kategorie: Redewendungen
Eine Zigarre verpasst bekommen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "eine Zigarre verpasst bekommen" stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ist im deutschsprachigen Raum verbreitet. Ihr Ursprung liegt in der Welt des Militärs, genauer gesagt in der Kasernen- und Ausbildungssprache. Wenn ein Rekrut einen Fehler machte oder eine Ordnungswidrigkeit beging, konnte es vorkommen, dass ein Vorgesetzter ihn zur Strafe rauchen ließ. Dabei musste der Betroffene unter Aufsicht eine oder mehrere Zigarren in schneller Folge rauchen, was aufgrund des starken Nikotins zu Übelkeit und Unwohlsein führte. Diese unangenehme Erfahrung prägte sich als bildhafte Strafe ein und wanderte in den allgemeinen Sprachgebrauch.
Bedeutungsanalyse
Im übertragenen Sinn bedeutet "eine Zigarre verpasst bekommen" heute, eine deutliche Rüge, eine scharfe Zurechtweisung oder eine Standpauke zu erhalten. Es geht um eine verbale Abreibung, die jemandem von einer Autoritätsperson – etwa einem Chef, einem Lehrer oder einem kritischen Gesprächspartner – erteilt wird. Wörtlich genommen wäre es die bereits beschriebene, archaische Strafaktion mit einer Tabakware. Ein typisches Missverständnis besteht darin, die Redewendung positiv zu deuten, etwa im Sinne einer Belohnung. Das Gegenteil ist der Fall: Es handelt sich stets um eine negative, unerfreuliche Erfahrung. Die Kerninterpretation lautet also: Jemand bekommt wegen eines Fehlers heftigen und unmissverständlichen Ärger zu spüren.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der Gegenwart durchaus lebendig und wird regelmäßig verwendet, obwohl die ursprüngliche Praxis natürlich längst obsolet ist. Sie findet ihre Anwendung vor allem in Arbeits- und Bildungskontexten. Ein Mitarbeiter, der nach einem gravierenden Fehler ins Büro des Vorgesetzten zitiert wird, kann damit rechnen, "eine Zigarre verpasst zu bekommen". Ebenso könnte ein Schüler sie verwenden, um zu beschreiben, dass er vom Direktor wegen eines Streichs gerügt wurde. Die Formulierung hat etwas Altmodisches, aber Prägnantes, was sie für Beschreibungen deutlicher Autoritätskonflikte nach wie vor attraktiv macht. Sie schwingt dabei oft ein leicht ironisches oder resignatives Mitgefühl für die gerügte Person mit.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich hervorragend für informelle Gespräche unter Kollegen, in lockeren Vorträgen oder in persönlichen Anekdoten, um eine Rüge bildhaft und etwas humorvoll zu schildern. Sie ist zu salopp für offizielle Dokumente, Trauerreden oder sehr formelle Anlässe. In einer professionellen Präsentation wäre sie möglicherweise zu flapsig. In einer entspannten Rede oder einem Blogbeitrag über Arbeitskultur kann sie jedoch perfekt die Spannung einer unangenehmen Feedback-Situation vermitteln.
Hier einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "Nachdem das Projekt über Budget und Zeit lief, hat der Abteilungsleiter dem verantwortlichen Projektmanager ganz schön eine Zigarre verpasst."
- "Ich komme gerade vom Chef. Wegen der verlorenen Akte habe ich mir eine dicke Zigarre abholen müssen."
- "In der Besprechung war die Stimmung gereizt. Der Kunde war unzufrieden und hat unserem Vertriebler eine gehörige Zigarre verpasst."
Nutzen Sie die Formulierung also, wenn Sie eine deutliche, aber nicht existenzielle Kritiksituation in lebendiger Sprache beschreiben möchten. Sie signalisiert Ihrem Gegenüber, dass Sie die Ernsthaftigkeit der Rüge verstehen, sie aber mit einer gewissen Distanz betrachten.
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