Wie Krethi und Plethi
Kategorie: Redewendungen
Wie Krethi und Plethi
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "wie Krethi und Plethi" hat ihren Ursprung direkt in der Bibel. Sie taucht im 2. Buch Samuel, Kapitel 8, Vers 18, auf. Dort heißt es: "Und Benaja, der Sohn Jojadas, war über die Kreter und Pleter." Diese "Kreter und Pleter" waren eine persönliche Leibwache König Davids, die sich aus Söldnern verschiedener Herkunft zusammensetzte. Die genaue ethnische Zugehörigkeit ist unter Historikern umstritten, doch es handelte sich vermutlich um philistäische Söldnertruppen oder Angehörige von Seevölkern. Aus der ursprünglichen Formulierung "Kreter und Pleter" entwickelte sich im Laufe der Sprachgeschichte durch Lautverschiebung die heute geläufige Form "Krethi und Plethi".
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung beschreibt eine bunt zusammengewürfelte, undifferenzierte Menschenmenge. Wörtlich bezieht sie sich auf die beiden vermischten Söldnergruppen in Davids Diensten. In der übertragenen Bedeutung steht sie für "alle möglichen Leute", "ein ganz gemischter Haufen" oder "jeder, ohne Unterschied". Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es handle sich um zwei klar definierbare, sich gegenseitig bekämpfende Gruppen. Tatsächlich bezeichnet der Ausdruck aber genau das Gegenteil: eine Einheit aus unterschiedlichen Elementen, die nicht weiter unterschieden werden. Die Kernaussage ist eine abwertende oder zumindest leicht abschätzig gemeinte Gleichsetzung einer vielfältigen Gruppe unter einem gemeinsamen, undifferenzierten Begriff.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache durchaus noch lebendig, wenn auch nicht mehr im allerhäufigsten Gebrauch. Sie wird vorwiegend in schriftlichen Kontexten oder in einer etwas gehobeneren Umgangssprache verwendet. Ihre Relevanz zeigt sich besonders in Diskussionen über Massenphänomene oder undifferenzierte Betrachtungsweisen. Man findet sie in Kommentaren zur Politik, wenn pauschal über "die Wähler" gesprochen wird, oder in gesellschaftlichen Debatten, bei denen eine diverse Gruppe in einen Topf geworfen wird. Sie dient als sprachliches Werkzeug, um Kritik an pauschalisierenden Aussagen zu üben oder eben selbst eine solche Pauschalierung, oft mit ironischem Unterton, zu beschreiben. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sie damit im Zeitalter der sozialen Medien und polarisierter Debatten, in denen differenzierte Betrachtungen manchmal zu kurz kommen.
Praktische Verwendbarkeit
Der Ausdruck eignet sich für Kontexte, in denen Sie eine gewisse sprachliche Würze und historische Tiefe einbringen möchten, ohne allzu salopp zu wirken. Er passt gut in einen journalistischen Kommentar, einen kultivierten Vortrag oder ein anspruchsvolles Gespräch unter gebildeten Gesprächspartnern. Für eine offizielle Trauerrede oder ein sehr formelles Schreiben ist er hingegen zu bildhaft und könnte als zu umgangssprachlich empfunden werden. In einer lockeren Alltagsunterhaltung könnte er hingegen etwas gestelzt wirken, es sei denn, Sie verwenden ihn bewusst ironisch.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Verwendungen:
- In einem Vortrag über Marketing: "Eine Kampagne, die versucht, alle anzusprechen, spricht am Ende niemanden richtig an. Man darf seine Zielgruppe nicht einfach wie Krethi und Plethi behandeln."
- In einer politischen Kolumne: "Der Politiker machte den Fehler, die Besucher der Demonstration pauschal als Krethi und Plethi abzutun, anstatt auf ihre unterschiedlichen Anliegen einzugehen."
- Im geselligen Gespräch: "Auf der Messe war heute wirklich jeder – das war ein Durchschnitt wie Krethi und Plethi."
Setzen Sie die Redewendung also ein, wenn Sie eine undifferenzierte Masse charakterisieren möchten, und achten Sie darauf, dass der Tonfall des Gesamttextes oder der Situation zu diesem etwas historisierenden Bild passt.
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