Um die Ecke bringen
Kategorie: Redewendungen
Um die Ecke bringen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "jemanden um die Ecke bringen" stammt aus der Sprache des Verbrechens und ist vermutlich im 19. oder frühen 20. Jahrhundert entstanden. Ihr Ursprung ist eindeutig im kriminellen Milieu zu verorten. Wörtlich beschreibt sie die brutale Tat, einen Menschen an einen abgelegenen, versteckten Ort – eben hinter eine Hausecke – zu führen oder zu zerren, um ihn dort zu ermorden. Dieser finstere Hintergrund ist entscheidend für das Verständnis der heutigen, abgeschwächten Bedeutung. Die Redensart taucht in dieser Form in Wörterbüchern zur Umgangs- und Gaunersprache auf und hat sich von dort aus in die allgemeine Alltagssprache verbreitet.
Bedeutungsanalyse
Übertragen bedeutet "jemanden um die Ecke bringen" heute in erster Linie, jemanden durch üble Nachrede, Intrigen oder böswillige Handlungen zu schädigen, ihn beruflich oder gesellschaftlich zu ruinieren oder ihn in eine ausweglose Situation zu manövrieren. Die ursprüngliche physische Gewalt wurde durch psychische oder soziale Gewalt ersetzt. Ein typisches Missverständnis besteht darin, die Redensart mit "jemanden um den Verstand bringen" zu verwechseln, was jedoch eine völlig andere Bedeutung hat. "Um die Ecke bringen" zielt immer auf eine existenzielle Schädigung oder Vernichtung ab, sei sie nun konkret oder im übertragenen Sinne. Kurz gesagt: Es geht nicht um Verwirrung, sondern um gezielte Beseitigung.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst relevant und wird häufig verwendet, allerdings fast ausschließlich in ihrer übertragenen, abgemilderten Bedeutung. Sie ist ein fester Bestandteil der deutschen Idiomatik. Man begegnet ihr in politischen Kommentaren, in der Wirtschaftsberichterstattung über Konkurrenzkämpfe oder in der Alltagssprache, wenn es um Mobbing oder Intrigen geht. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich besonders in der digitalen Welt: Jemanden "in den sozialen Medien um die Ecke bringen" oder "durch eine anonyme Kampagne um die Ecke bringen" sind moderne Anwendungen des alten Prinzips. Die Redensart beschreibt somit zeitlos das Phänomen der gezielten Rufschädigung.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung ist sehr expressiv und sollte mit Bedacht eingesetzt werden. Sie eignet sich für dramatische Schilderungen in privaten Gesprächen, in journalistischen Texten mit kritischem Ton oder in literarischen Beschreibungen von Konflikten. In einer offiziellen Trauerrede oder einem diplomatischen Schreiben wäre sie völlig unangebracht und zu salopp. In einem lockeren Vortrag über Büropolitik kann sie dagegen pointiert wirken.
Hier finden Sie gelungene Beispiele für den Gebrauch:
- "Der Konkurrent versuchte mit gefälschten Gerüchten, unser neues Produkt schon vor dem Launch um die Ecke zu bringen."
- "In dieser Abteilung geht es nicht um Zusammenarbeit, da will dich jeder Kollege um die Ecke bringen, um selbst befördert zu werden."
- "Der Skandalartikel in der Zeitung hatte nur ein Ziel: den Kandidaten politisch um die Ecke zu bringen."
Nutzen Sie diese Formulierung also, wenn Sie einen Vorgang von besonderer Niedertracht oder finaler Konsequenz beschreiben möchten. Für harmlosere Rivalitäten sind Ausdrücke wie "jemandem Steine in den Weg legen" oder "jemanden schlechtmachen" die passenderen Wahl.
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