Sich wie ein Backfisch benehmen
Kategorie: Redewendungen
Sich wie ein Backfisch benehmen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft der Redewendung "sich wie ein Backfisch benehmen" ist sprachhistorisch gut belegt und führt uns ins 19. Jahrhundert. Der Begriff "Backfisch" selbst tauchte erstmals 1845 in einem Wörterbuch als Bezeichnung für ein halbwüchsiges Mädchen auf. Er leitet sich vermutlich aus der Küchensprache ab: Ein "Backfisch" war ursprünglich ein junger, zum Braten oder Backen bestimmter Fisch von mittlerer Größe – nicht mehr klein, aber auch noch nicht ausgewachsen. Diese metaphorische Übertragung auf junge Mädchen im "unfertigen", oft unbeholfenen Alter zwischen Kindheit und Erwachsensein wurde schnell populär. Die spezifische Wendung "sich wie ein Backfisch benehmen" etablierte sich dann, um eben jenes typische, als unreif und albern empfundene Verhalten zu beschreiben.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung bedeutet, sich auf eine Weise zu verhalten, die als typisch für einen jugendlichen, unreifen und oft überschwänglichen oder unbeholfenen Entwicklungsstand angesehen wird. Wörtlich genommen bezieht sie sich auf einen jungen Fisch, der gebacken wird. Übertragen und im heutigen Verständnis kritisiert sie ein Benehmen, das als albern, zickig, affektiert oder von übertriebener Gefühlsduselei geprägt gilt. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, es gehe nur um weibliche Jugendliche. Zwar war die ursprüngliche Referenz das junge Mädchen, heute kann die Redewendung durchaus auch auf Jungen oder sogar auf das Verhalten Erwachsener angewandt werden, die sich kindisch oder unreif geben. Im Kern geht es weniger um das Geschlecht als vielmehr um die Zuschreibung von Unreife und mangelnder Selbstbeherrschung.
Relevanz heute
Die Redewendung ist heute noch durchaus lebendig, hat aber einen deutlichen Wandel durchlaufen. Sie wird seltener in einem streng abwertenden Sinne verwendet. Stattdessen klingt sie oft nostalgisch oder sogar ein wenig charmierend, wenn auch immer noch mit einem kritischen Unterton. Man findet sie in literarischen Besprechungen, in Feuilletons oder in persönlichen Gesprächen der älteren Generation. In einer Zeit, die für Jugendliche eigene, teils sehr technokratische Begriffe wie "Teenager" oder "Pubertät" bereithält, wirkt "Backfisch" etwas antiquiert. Dennoch bleibt sie eine bildhafte und sofort verständliche Umschreibung für ein bestimmtes Stadium der persönlichen Entwicklung. Ihre Relevanz zeigt sich darin, dass das von ihr beschriebene Phänomen – das ungeschickte, von Stimmungsschwankungen geprägte Verhalten in der Adoleszenz – zeitlos ist.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich besonders für narrative oder beschreibende Kontexte, in denen ein Verhalten pointiert, aber nicht unbarmherzig hart charakterisiert werden soll. In einer lockeren Ansprache oder einem persönlichen Gespräch unter Vertrauten kann sie mit einem Augenzwinkern eingesetzt werden. Für formelle Anlässe wie eine Trauerrede oder ein offizielles Schreiben ist sie aufgrund ihrer umgangssprachlichen und leicht altmodischen Färbung ungeeignet. Sie könnte dort als salopp oder respektlos aufgefasst werden.
Gelungene Beispiele für den Gebrauch wären:
- "Bei dem Konzert benahmen sich die erwachsenen Fans teilweise wie Backfische, kreischten bei jedem Song und warfen sich Blumen auf die Bühne."
- "Obwohl er schon über vierzig ist, verfällt er manchmal in ein richtiges Backfisch-Gehabe, wenn er nervös ist."
- In einer Buchkritik: "Die Protagonistin durchlebt keine tiefgründige Entwicklung, ihr Verhalten bleibt leider oft auf dem Niveau eines Backfisches."
Sie sollten die Redewendung also vorwiegend in informellen, beschreibenden oder literarischen Zusammenhängen nutzen, wo sie ihre bildliche Kraft entfalten kann, ohne zu verletzen.
Mehr Redewendungen
- Abwarten und Tee trinken
- Ach du grüne Neune!
- Alles über einen Kamm scheren
- Alte Zöpfe abschneiden
- Alter Schwede
- Am Hungertuch nagen
- Ans Eingemachte gehen
- Äpfel mit Birnen vergleichen
- Auf keinen grünen Zweig kommen
- Den Ball flach halten
- Den Faden verlieren
- Den Löffel abgeben
- Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
- Der springende Punkt
- Einen Zahn zulegen
- Es faustdick hinter den Ohren haben
- Hieb und stichfest
- Holzauge sei wachsam
- Im siebten Himmel sein
- In den sauren Apfel beißen
- Jemandem aufs Dach steigen
- Jemandem einen Bären aufbinden
- Jemandem einen Denkzettel verpassen
- Jemanden an die Wand stellen
- Kein Blatt vor den Mund nehmen
- 950 weitere Redewendungen