Ausnehmen wie eine Weihnachtsgans
Kategorie: Redewendungen
Ausnehmen wie eine Weihnachtsgans
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "ausnehmen wie eine Weihnachtsgans" ist ein sehr lebendiges und anschauliches Bild, dessen Ursprung direkt aus der historischen Festtagsküche stammt. Belegt ist sie in der deutschen Schriftsprache seit dem 19. Jahrhundert. Der Kontext ist stets der gleiche: die umfassende und gründliche Zubereitung einer Gans für das Weihnachtsfest. Bevor die Gans gebraten werden konnte, musste sie fachmännisch "ausgenommen", also von allen Innereien befreit werden. Dieser Vorgang war und ist absolut gründlich, es bleibt nichts Übriges im Inneren des Tieres. Von dieser sehr konkreten, handwerklichen Tätigkeit wurde die Bedeutung dann auf zwischenmenschliche, meist finanzielle Vorgänge übertragen.
Bedeutungsanalyse
Im übertragenen Sinne bedeutet die Redewendung, jemanden vollständig und schonungslos auszubeuten, meist in finanzieller Hinsicht. Es geht nicht um einen einfachen Betrug oder eine kleine Übervorteilung, sondern um eine systematische und rücksichtslose Handlung, die das "Opfer" komplett "aushöhlt". Wörtlich bezieht sich die Phrase auf den bereits beschriebenen Schlachtvorgang. Ein typisches Missverständnis könnte sein, dass die Redewendung sich nur auf das Übervorteilen beim Essen bezieht, also etwa jemanden beim Festmahl übertölpeln. Der Kern liegt jedoch in der Analogie der vollständigen Leerung und Ausbeutung. Kurz gesagt: Wer "ausgenommen wird wie eine Weihnachtsgans", verliert alles, was von Wert ist, und bleibt zurück wie eine leere Hülle.
Relevanz heute
Die Redewendung hat nichts von ihrer Schärfe und Aktualität verloren. Sie wird nach wie vor häufig verwendet, um besonders drastische Fälle von finanzieller Ausbeutung oder Betrug zu beschreiben. Man findet sie in journalistischen Berichten über unseriöse Anlageberater, die Rentner um ihre Ersparnisse bringen, in politischen Kommentaren über Steuergestaltung großer Konzerne oder auch im alltäglichen Sprachgebrauch, wenn etwa von überteuerten Handwerkerrechnungen oder Mietwucher die Rede ist. Die Brücke zur Gegenwart ist daher sehr direkt: Solange es ökonomische Ungleichheit und skrupelloses Profitstreben gibt, bietet dieses bildhafte Sprichwort eine prägnante sprachliche Waffe.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung ist ausgesprochen kraftvoll und drastisch. Sie eignet sich daher hervorragend für mündliche Schilderungen, in denen man ein besonders extremes Beispiel von Ausbeutung betonen möchte, etwa in einem lockeren Vortrag oder in einer hitzigen Diskussion unter Freunden. In einer formellen Rede oder gar einer Trauerrede wäre sie aufgrund ihrer Derbheit und ihres Ursprungs aus der Schlachtung völlig unangebracht und würde sicherlich befremden.
Sie ist dann passend, wenn die Situation die starke Wortwahl rechtfertigt. Hier einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "Der unseriöse Vermittler hat die ahnungslose Familie mit seinem Scheininvestment buchstäblich ausgenommen wie eine Weihnachtsgans."
- "Bei den Gebühren für diesen Mobilfunkvertrag fühle ich mich ja komplett ausgenommen wie eine Weihnachtsgans."
- "Die Steuerkonstrukte multinationaler Konzerne sind darauf ausgelegt, den Fiskus auszunehmen wie eine Weihnachtsgans."
Verwenden Sie diese Formulierung also mit Bedacht. Sie ist ideal für lebhafte Alltagsgespräche, kritische Kommentare oder anschauliche Berichterstattung, sollte aber in offiziellen oder sensiblen Kontexten vermieden werden.
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