Mit Kind und Kegel
Kategorie: Redewendungen
Mit Kind und Kegel
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "mit Kind und Kegel" stammt aus dem Mittelalter und ist in ihrer ursprünglichen Form seit dem 15. Jahrhundert schriftlich belegt. Der Begriff "Kegel" bezeichnete dabei keineswegs den Sportgerät, sondern war eine abwertende Bezeichnung für ein uneheliches Kind. Im mittelalterlichen Recht hatten diese sogenannten Kegel keinen Anspruch auf Erbe oder den Familienstand. Die Formel "Kind und Kegel" umfasste somit ursprünglich die gesamte Nachkommenschaft: die ehelichen Kinder (Kind) und die unehelichen Kinder (Kegel). Wenn eine Familie "mit Kind und Kegel" aufbrach, nahm sie tatsächlich alle ihre Mitglieder mit, ungeachtet ihres rechtlichen Status. Dies verdeutlicht die umfassende und inklusive Bedeutung der Wendung von Anfang an.
Bedeutungsanalyse
Heute bedeutet "mit Kind und Kegel" schlichtweg: mit der gesamten Familie oder, noch weiter gefasst, mit der ganzen Hausgemeinschaft und allem Hab und Gut. Die wörtliche Bedeutung, die zwischen ehelichen und unehelichen Kindern unterscheidet, ist vollständig verblasst und spielt für das Verständnis der Redensart keine Rolle mehr. Ein typisches Missverständnis besteht darin, den "Kegel" mit dem Spielgerät aus dem Bowling oder dem geometrischen Körper zu verbinden. Das ist zwar naheliegend, aber etymologisch falsch. Die Redewendung beschreibt bildhaft den Umzug oder Auszug einer kompletten Sippe, inklusive aller Kinder und oft auch des gesamten Gepäcks. Sie transportiert den Eindruck eines etwas chaotischen, lebendigen und umfassenden Aufbruchs.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und wird im modernen Sprachgebrauch häufig verwendet. Ihre Relevanz bleibt ungebrochen, da sich die Situation, mit der ganzen Familie inklusive Kindern und Gepäck unterwegs zu sein, bis heute nicht geändert hat. Sie findet sich in lockeren Gesprächen, in journalistischen Texten und in der Alltagssprache. Man nutzt sie, um humorvoll oder auch resigniert den Aufwand zu beschreiben, wenn nicht nur ein oder zwei Personen, sondern der komplette Familienclan inklusive Haustier und Spielzeug an einer Aktion teilnimmt. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich auch in der erweiterten Nutzung: Manchmal wird die Formel scherzhaft auf nicht-familiäre Gruppen angewendet, um auszudrücken, dass eine ganze Mannschaft oder Abteilung geschlossen auftritt.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für informelle bis neutrale Kontexte. Sie bringt eine gewisse bildhafte Lebendigkeit in die Sprache, ohne anzüglich oder derb zu wirken. In einer offiziellen Trauerrede oder einem sehr formellen diplomatischen Schreiben könnte sie hingegen zu salopp klingen. Perfekt passt sie in private Unterhaltungen, lockere Vorträge, Blogbeiträge oder Erzählungen.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "Am Wochenende fahren wir mit Kind und Kegel an die Ostsee."
- "Der Umzug war ein riesiges Unternehmen, wir sind ja mit Kind und Kegel in die neue Stadt gezogen."
- "Zur Feier des Tages erschien die Verwandtschaft mit Kind und Kegel."
- "Unser Büro ist heute wie leer gefegt, das Marketing-Team ist mit Kind und Kegel auf der Messe." (scherzhafte Erweiterung)
Sie können die Redensart also immer dann einsetzen, wenn Sie den vollständigen und vielleicht etwas umständlichen Mitnahme aller Personen und Sachen betonen möchten. Sie vermittelt stets ein Gefühl von Gesamtheit und familiärem Trubel.
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