Mit jemandem spinnefeind sein
Kategorie: Redewendungen
Mit jemandem spinnefeind sein
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "mit jemandem spinnefeind sein" ist ein sehr altes und bildhaftes Sprichwort, dessen Ursprung sich nicht auf ein einzelnes historisches Dokument zurückführen lässt. Seine Entstehung wird allgemein in der mittelalterlichen Tierfabel und der damit verbundenen Symbolik vermutet. Die Spinne galt in vielen dieser Erzählungen nicht nur als unheimlich, sondern auch als hinterlistig, giftig und voller Feindseligkeit. Ein "spinnenfeindlicher" Mensch war demnach jemand, der eine tiefe, instinktive Abneigung wie gegenüber einer Spinne empfand. Die Verstärkung durch das Adjektiv "spinne-" dient dabei als verstärkendes Präfix, ähnlich wie in "sterbenslangweilig" oder "mordsmäßig". Die erste schriftliche Fixierung der Redensart in ihrer heutigen Form findet sich in deutschsprachigen Wörterbüchern und Sammlungen des 19. Jahrhunderts, wo sie bereits als geläufiger Ausdruck für eine extreme Form der Feindschaft verzeichnet wurde.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen beschreibt die Wendung eine Feindschaft von der Art einer Spinne. Da dies im realen Leben nicht vorkommt, ist die Bedeutung von Anfang an übertragen und intensivierend gemeint. "Spinnefeind sein" bedeutet nicht einfach nur uneins oder verärgert zu sein. Es beschreibt einen Zustand tiefsitzender, oft unversöhnlicher Abneigung, bei dem man den anderen nicht einmal mehr sehen oder in seiner Nähe sein möchte. Die Feindschaft wird als grundlegend und instinktiv dargestellt, fast so, als wäre sie Teil der Natur der beteiligten Personen. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, es handle sich um eine vorübergehende Meinungsverschiedenheit. Das ist nicht der Fall. Die Redewendung markiert vielmehr das Ende einer Beziehung auf einer sehr persönlichen Ebene. Sie impliziert oft, dass jede Kommunikation abgebrochen ist und nur noch gegenseitige Verachtung herrscht.
Relevanz heute
Die Redewendung ist im modernen Sprachgebrauch nach wie vor absolut lebendig und verständlich. Sie wird regelmäßig verwendet, um dramatisch und pointiert eine völlig zerrüttete zwischenmenschliche Beziehung zu beschreiben. Man findet sie in der Alltagssprache, in journalistischen Kommentaren über zerstrittene Politiker oder Wirtschaftskonkurrenten, in sozialen Medien und natürlich in der Literatur. Ihre Relevanz zeigt sich gerade darin, dass sie auch von jüngeren Sprechern verstanden und eingesetzt wird, obwohl das bildhafte Element der "Spinne" historisch gewachsen ist. Die Brücke zur Gegenwart schlägt das universelle menschliche Gefühl einer unüberwindbaren Antipathie, das in jeder Generation vorkommt. Die Redensart bietet dafür eine kraftvolle und eingängige sprachliche Form.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich für Kontexte, in denen die Tiefe eines Konflikts klar und emphatisch dargestellt werden soll. In einem lockeren Gespräch unter Freunden ("Seit dem Streit um die Erbschaft sind die beiden Brüder spinnefeind.") wirkt sie passend, ebenso in einem analytischen Vortrag über Teamdynamiken ("Wenn zwei Abteilungsleiter spinnefeind sind, leidet das gesamte Projekt."). In einer offiziellen Rede oder gar einer Trauerrede wäre der Ausdruck hingegen meist zu salopp, zu hart und zu umgangssprachlich. Dort wären Formulierungen wie "tief zerstritten" oder "unversöhnlich verfeindet" angemessener. Die Redewendung setzt einen klaren Schlusspunkt und ist daher nicht für harmlose Alltagskonflikte geeignet.
Gelungene Beispiele für den Einsatz sind:
- "Nach der öffentlichen Anschuldigung waren die einstigen Partner auf einmal spinnefeind."
- "In der WG herrscht dicke Luft, aber spinnefeind sind wir deswegen noch lange nicht."
- "Die beiden Nachbarn sind sich so spinnefeind, dass sie ihren Zaun extra einen Meter höher gezogen haben."
Sie sollten die Formulierung also wählen, wenn Sie den endgültigen und emotional aufgeladenen Charakter einer Feindschaft betonen möchten.
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