Mit jemandem Pferde stehlen
Kategorie: Redewendungen
Mit jemandem Pferde stehlen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "mit jemandem Pferde stehlen können" stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist im deutschsprachigen Raum verbreitet. Ihre genaue, dokumentierte Erstnennung ist nicht eindeutig belegbar, doch sie entstammt sehr wahrscheinlich dem militärischen oder abenteuerlichen Kontext. Die Vorstellung, gemeinsam Pferde zu stehlen – eine schwere, riskante und vertrauensintensive Tat – diente als ultimativer Test für unbedingte Kameradschaft und Verschwiegenheit. Wer bereit war, ein solches Verbrechen zu begehen, bewies absolutes Vertrauen und bedingungslose Loyalität zum Partner. Diese Herkunft verleiht der Redensart ihre kraftvolle bildliche Tiefe.
Bedeutungsanalyse
Im übertragenen Sinn bedeutet die Redewendung, dass man einer Person so sehr vertraut, dass man mit ihr sogar illegale oder höchst verwerfliche Handlungen unternehmen würde. Es geht nicht um die Befürwortung von Straftaten, sondern um das sprichwörtliche Maß an Zuverlässigkeit und Verschworenheit. Wörtlich genommen wäre es eine Aufforderung zum Diebstahl, was jedoch ein typisches Missverständnis darstellt. Die Kerninterpretation lautet vielmehr: Dies ist ein Mensch, auf den Sie sich in jeder noch so schwierigen Lage verlassen können. Er steht bedingungslos zu Ihnen, bewahrt Geheimnisse und teilt auch harte Zeiten. Es ist das sprachliche Bild für eine Freundschaft, die alle Feuerproben bestehen würde.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache durchaus lebendig, wenn auch nicht alltäglich. Sie wird nach wie vor verwendet, um eine außergewöhnlich tiefe Verbundenheit zu beschreiben, die über oberflächliche Bekanntschaften oder reine Zweckbündnisse hinausgeht. Sie findet sich in persönlichen Gesprächen, in der Literatur, in Filmkritiken zu besonderen Freundschaftsdarstellungen oder sogar in geschäftlichen Kontexten, um ein außerordentliches Maß an Partnerschaft zu betonen. In einer Zeit, in der Begriffe wie "Freund" oder "Partner" oft verwässert werden, bietet diese Redensart eine kraftvolle, bildhafte Steigerung, um eine wirklich unerschütterliche Beziehung zu charakterisieren.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für lockere bis halbformelle Anlässe, bei denen Sie die Qualität einer Beziehung pointiert und mit einer gewissen Derbheit würdigen möchten. In einer offiziellen Trauerrede oder einem hochformellen Vortrag könnte sie zu salopp wirken. Ideal ist sie im privaten Gespräch, in einer humorvollen Rede auf einer Hochzeit (für Trauzeugen oder langjährige Freunde) oder in einem vertraulichen Bericht über eine geschäftliche Partnerschaft mit langem Bestehen.
Gelungene Anwendungsbeispiele sind:
- "Seit der Universität verbindet uns eine Freundschaft, bei der ich mit ihm Pferde stehlen könnte. Er hat mich noch nie im Stich gelassen."
- In einer Hochzeitsrede: "Als ich den Bräutigam kennenlernte, wusste ich sofort: Das ist jemand, mit dem man Pferde stehlen kann. Heute findet er in der Braut seine perfekte Komplizin für alle Abenteuer des Lebens."
- "Für dieses heikle Projekt brauchen wir einen Partner, mit dem man Pferde stehlen kann. Absolute Diskretion und Verlässlichkeit sind non-negotiable."
Sie sollten die Redewendung also bewusst einsetzen, um eine extrem starke, vertrauensvolle und verschworene Beziehung zu beschreiben, und dabei stets den bildlichen, übertragenen Charakter im Auge behalten.
Mehr Redewendungen
- Abwarten und Tee trinken
- Ach du grüne Neune!
- Alles über einen Kamm scheren
- Alte Zöpfe abschneiden
- Alter Schwede
- Am Hungertuch nagen
- Ans Eingemachte gehen
- Äpfel mit Birnen vergleichen
- Auf keinen grünen Zweig kommen
- Den Ball flach halten
- Den Faden verlieren
- Den Löffel abgeben
- Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
- Der springende Punkt
- Einen Zahn zulegen
- Es faustdick hinter den Ohren haben
- Hieb und stichfest
- Holzauge sei wachsam
- Im siebten Himmel sein
- In den sauren Apfel beißen
- Jemandem aufs Dach steigen
- Jemandem einen Bären aufbinden
- Jemandem einen Denkzettel verpassen
- Jemanden an die Wand stellen
- Kein Blatt vor den Mund nehmen
- 950 weitere Redewendungen