Mit jemandem quitt sein
Kategorie: Redewendungen
Mit jemandem quitt sein
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "mit jemandem quitt sein" stammt ursprünglich aus der kaufmännischen und rechtlichen Sprache des Mittelalters. Das Wort "quitt" leitet sich vom lateinischen "quietus" ab, was so viel wie "ruhig", "befreit" oder "losgelöst" bedeutet. Im mittelalterlichen Rechts- und Geschäftsverkehr bezeichnete eine "Quittung" eine schriftliche Bestätigung, dass eine Schuld beglichen, eine Forderung erfüllt oder eine Verpflichtung abgeschlossen sei. Wer eine solche Urkunde in Händen hielt, war "quitt" – also frei von weiteren Ansprüchen. Die Übertragung dieser sachlichen Beendigung eines Geschäftsverhältnisses auf zwischenmenschliche Beziehungen, insbesondere auf Rache oder ausgeglichene Streitigkeiten, ist seit dem 16. Jahrhundert belegt. Die Vorstellung ist dabei stets dieselbe: Eine Rechnung gilt als beglichen.
Bedeutungsanalyse
Im übertragenen Sinne bedeutet "mit jemandem quitt sein", dass man ein als ungerecht empfundenes Verhalten ausgeglichen hat, oft durch eine vergeltende Handlung. Es geht um das subjektive Gefühl, dass nun ein Gleichgewicht hergestellt ist, nachdem man sich für etwas gerächt oder revanchiert hat. Wörtlich genommen beschreibt es den Zustand, nach einer Begleichung schuldenfrei zu sein. Ein häufiges Missverständnis liegt darin, die Redewendung mit Versöhnung oder einem friedlichen Ende zu verwechseln. Das Gegenteil ist der Fall: "Quitt sein" markiert oft das Ende einer Auseinandersetzung, weil eine Gegentat erfolgt ist, nicht weil man sich versöhnt hat. Es ist ein kühler, abschließender Zustand, der häufig impliziert, dass danach kein weiterer Kontakt mehr nötig oder gewünscht ist. Kurz gesagt: Die emotionale oder tatsächliche Rechnung ist beglichen, das Kapitel kann abgeschlossen werden.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache durchaus lebendig und relevant, wenn auch ihr Gebrauch oft einen gewissen dramatischen oder entschlossenen Unterton hat. Sie findet sich in Alltagsgesprächen, in der Literatur, in Film-Dialogen und in journalistischen Kommentaren. Besonders in Kontexten, in denen es um Konflikte, Sportrivalitäten, politische Auseinandersetzungen oder persönliche Kränkungen geht, wird sie verwendet. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich in der universellen menschlichen Erfahrung von Gerechtigkeitsempfinden und Vergeltung. In einer Zeit, die oft von der Idee des "Karma" oder des "ausgleichenden Universums" spricht, transportiert "quitt sein" eine ähnliche, aber aktivere Haltung: Man hat die Sache nicht dem Schicksal überlassen, sondern selbst für den Ausgleich gesorgt. Sie spiegelt somit ein zeitloses Bedürfnis nach gefühlter Fairness wider.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich für Situationen, in denen ein Konflikt oder eine Ungerechtigkeit als persönlich und endgültig bereinigt dargestellt werden soll. In einer lockeren Erzählung unter Freunden ("Jetzt hat er mir auch einmal eins ausgewischt, also sind wir quitt") wirkt sie passend. In einer formelleren Rede, etwa in einem politischen Kommentar, kann sie pointiert eingesetzt werden ("Nach diesen gegenseitigen Sanktionen könnten beide Länder eigentlich quitt sein"). Für eine Trauerrede oder sehr versöhnliche Kontexte ist sie hingegen ungeeignet, da ihr Kern nicht Vergebung, sondern Ausgleich durch Gegenseitigkeit ist. Sie kann in manchen Situationen hart oder abschließend klingen, was genau dann beabsichtigt ist. Gelungene Beispiele für ihren Einsatz sind: "Sie hat den Klatsch damals verbreitet, und ich habe jetzt ihre Geheimnisse preisgegeben. Meiner Meinung nach sind wir quitt." Oder auch: "Nach dem letzten Derby, das wir klar gewonnen haben, sind wir mit dem Rivalen aus der Nachbarstadt endlich quitt."
Mehr Redewendungen
- Abwarten und Tee trinken
- Ach du grüne Neune!
- Alles über einen Kamm scheren
- Alte Zöpfe abschneiden
- Alter Schwede
- Am Hungertuch nagen
- Ans Eingemachte gehen
- Äpfel mit Birnen vergleichen
- Auf keinen grünen Zweig kommen
- Den Ball flach halten
- Den Faden verlieren
- Den Löffel abgeben
- Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
- Der springende Punkt
- Einen Zahn zulegen
- Es faustdick hinter den Ohren haben
- Hieb und stichfest
- Holzauge sei wachsam
- Im siebten Himmel sein
- In den sauren Apfel beißen
- Jemandem aufs Dach steigen
- Jemandem einen Bären aufbinden
- Jemandem einen Denkzettel verpassen
- Jemanden an die Wand stellen
- Kein Blatt vor den Mund nehmen
- 950 weitere Redewendungen