Mit etwas Schindluder treiben

Kategorie: Redewendungen

Mit etwas Schindluder treiben

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "mit etwas Schindluder treiben" führt uns direkt in die düsteren Ecken historischer Gewerbe. Der Begriff "Schindluder" leitet sich vom "Schinder" ab, einem Beruf, der im Mittelalter und bis in die Neuzeit hinein ausgeübt wurde. Der Schinder, auch Abdecker oder Wasenmeister genannt, war für die Beseitigung von Tierkadavern zuständig. Er verarbeitete die toten Tiere, vor allem Pferde, zu verschiedenen Produkten wie Leim, Fett oder Leder. Dieses minderwertige, von toten Tieren stammende Leder wurde als "Schindleder" bezeichnet.

Das "Schindluder" selbst war das ausgezehrte, oft kranke oder tote Pferd, das zum Schinder gebracht wurde. Mit diesem armen Tier "trieb" man sein Unwesen, indem man es bis zum Äußersten ausnutzte oder es auf unehrenhafte Weise verwertete. Die erste schriftliche Fixierung der Redensart findet sich im 18. Jahrhundert. Sie spiegelt die Verachtung wider, die der gesellschaftlich geächteten und als "unehrlich" geltenden Zunft der Schinder entgegengebracht wurde. Wer also "Schindluder trieb", handelte auf eine Weise, die als verwerflich, respektlos und ausbeuterisch angesehen wurde.

Bedeutungsanalyse

Heute bedeutet die Redewendung, dass man etwas auf grobe, rücksichtslose oder missbräuchliche Weise behandelt, es ausnutzt oder seinen Wert zerstört. Wörtlich genommen beschreibt sie den respektlosen Umgang mit dem toten Tier beim Schinder. Übertragen steht sie für jede Form des schändlichen Umgangs mit einer Sache, einer Institution, einem Brauch oder auch den Gefühlen anderer Menschen.

Ein typisches Missverständnis besteht darin, "Schindluder" mit "Schinderei" (also harter Arbeit) zu verwechseln. Während "Schinderei" sich auf Mühe und Plackerei bezieht, geht es bei "Schindluder treiben" immer um Respektlosigkeit und Missbrauch. Eine kurze Interpretation lautet: Es ist der sprachliche Aufschrei gegen Handlungen, die die Würde oder den eigentlichen Zweck einer Sache mit Füßen treten.

Relevanz heute

Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant. Sie wird häufig in politischen Kommentaren, gesellschaftlichen Debatten und in der Alltagssprache verwendet, um scharfe Kritik an ausbeuterischem oder verantwortungslosem Verhalten zu üben. Die Brücke zur Gegenwart lässt sich leicht schlagen, denn das Konzept des respektlosen Ausnutzens ist zeitlos.

Man hört und liest sie, wenn jemand mit dem Steuergeld, mit historischen Fakten, mit kulturellen Errungenschaften oder mit dem Vertrauen anderer auf unverantwortliche Weise umgeht. In einer Zeit, in der Themen wie Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und ethischer Umgang an Bedeutung gewinnen, bietet diese alte Wendung einen prägnanten und bildhaften Ausdruck für genau das Gegenteil: für verschwenderische und verachtende Praktiken.

Praktische Verwendbarkeit

Die Redewendung ist kräftig und enthält eine deutliche moralische Verurteilung. Daher eignet sie sich besonders für Kontexte, in denen eine starke Verurteilung ausgedrückt werden soll. In einer lockeren Unterhaltung unter Freunden über einen schlechten Film ("Mit der Filmreihe treiben sie nur noch Schindluder") wirkt sie übertrieben, kann aber humorvoll gemeint sein. In einer formellen Rede oder Traueranzeige wäre sie in der Regel zu hart und salopp.

Ihr perfektes Einsatzgebiet sind analytische oder kommentierende Texte, Leitartikel, kritische Vorträge oder deutliche Standpunktäußerungen in Debatten. Hier sind Beispiele für gelungene Sätze:

  • In einem politischen Kommentar: "Die Regierung treibt mit dem schwer erkämpften Haushaltsüberschuss Schindluder, indem sie ihn für kurzfristige Wahlgeschenke verpulvert."
  • In einer Kulturkritik: "Diese seichte Neuverfilmung treibt mit der Vorlage des klassischen Romans nur noch Schindluder."
  • In einer beruflichen Diskussion: "Wir dürfen nicht zulassen, dass mit dem guten Namen unseres Unternehmens Schindluder getrieben wird."

Sie sollten die Wendung also dann wählen, wenn Sie ausdrücken möchten, dass nicht nur ein Fehler vorliegt, sondern eine fundamentale Respektlosigkeit und Schändung.

Mehr Redewendungen