Mit etwas zu Rande kommen
Kategorie: Redewendungen
Mit etwas zu Rande kommen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "mit etwas zu Rande kommen" hat einen sehr konkreten und anschaulichen Ursprung, der sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lässt. Sie stammt aus der Sprache der Seefahrt und des Handels. Das Wort "Rand" meinte hier nicht die Kante eines Gegenstandes, sondern bezeichnete speziell das Ufer, den Landrand. "Zu Rande kommen" bedeutete somit ursprünglich, mit einem Schiff sicher an Land, ans Ufer zu gelangen. Diese wörtliche Bedeutung ist in historischen Texten gut belegt. Die übertragene Bedeutung, eine Aufgabe zu bewältigen oder eine schwierige Situation zu überstehen, entwickelte sich naheliegend aus diesem Bild: Wer den sicheren Hafen erreicht hat, hat die Gefahren und Mühen der Seereise überwunden. Diese metaphorische Nutzung ist seit dem 16. Jahrhundert in der deutschen Sprache nachweisbar.
Bedeutungsanalyse
Im übertragenen Sinne bedeutet die Redewendung heute, eine Angelegenheit oder eine schwierige Lage zu bewältigen, mit einer Sache fertig zu werden oder sie zu meistern. Oft schwingt dabei mit, dass dies mit Mühe, aber letztlich erfolgreich geschieht. Ein häufiges Missverständnis besteht in der Annahme, "Rand" beziehe sich auf den Rand eines Gegenstandes, etwa eines Blattes Papiers, und bedeute so viel wie "mit etwas zurechtkommen". Während diese Interpretation in die ähnliche Richtung geht, verliert sie doch das kraftvolle Bild der sicheren Landung nach einer strapaziösen Reise. Die Kerninterpretation ist einfach: Sie beschreibt den erfolgreichen Abschluss eines Prozesses, der Kraft und vielleicht auch Geschick erforderte.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und wird im gesamten deutschen Sprachraum regelmäßig verwendet. Ihre Popularität verdankt sie ihrer großen Flexibilität und dem positiv konnotierten Bild der Bewältigung. Man begegnet ihr in der Alltagssprache ebenso wie in journalistischen Texten oder sogar in der geschäftlichen Kommunikation. Sie schlägt eine perfekte Brücke zur Gegenwart, denn das Gefühl, eine Herausforderung zu meistern und "anzulanden", ist zeitlos. In einer Welt voller Projekte, Deadlines und persönlicher Ziele bietet diese Formulierung eine griffige und bildhafte Möglichkeit, Erfolg auszudrücken. Sie ist nicht veraltet, sondern nach wie vor ein fester Bestandteil des aktiven Wortschatzes.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich für eine breite Palette von Kontexten, von informellen Gesprächen bis hin zu etwas formelleren Anlässen. Sie ist allgemein verständlich und wirkt selten zu salopp oder zu hart. In einer lockeren Unterhaltung unter Freunden können Sie sagen: "Die Steuererklärung war furchtbar, aber ich bin endlich damit zu Rande gekommen." In einem beruflichen Meeting klingt der Satz "Unser Team ist mit der ersten Projektphase gut zu Rande gekommen" professionell und positiv. Für sehr feierliche oder tragische Anlässe wie eine Trauerrede ist sie aufgrund ihrer alltäglichen Pragmatik weniger geeignet. Dort sind oft tiefgründigere oder tröstlichere Formulierungen angebracht. Gelungene Beispiele für den Einsatz sind: "Trotz der technischen Probleme sind wir pünktlich mit der Präsentation zu Rande gekommen" oder "Nach einigen Startschwierigkeiten kam sie erstaunlich gut mit der neuen Software zu Rande." Sie ist also die ideale Wahl, wenn Sie in gesprochener oder geschriebener Form über das erfolgreiche Bewältigen einer Aufgabe berichten möchten.
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