Mit allen Hunden gehetzt

Kategorie: Redewendungen

Mit allen Hunden gehetzt

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "mit allen Hunden gehetzt" stammt aus der Welt der Jäger und Förster. Sie bezieht sich ursprünglich auf einen erfahrenen Jagdhund, der im Laufe seines Lebens alle möglichen Jagdtechniken und -situationen kennengelernt hat. Ein solcher Hund hat jede Art von Wild gehetzt, also verfolgt, und kennt daher alle Tricks und Mühen des Handwerks. Der übertragene Gebrauch auf Menschen, die "mit allen Hunden gehetzt" sind, ist seit dem 19. Jahrhundert in der deutschen Sprache belegt. Es beschreibt eine Person, die aufgrund langer und vielfältiger Erfahrungen nichts mehr leicht täuschen oder überraschen kann, weil sie bereits alles erlebt hat.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen beschreibt die Redensart einen Jagdhund, der im Einsatz alle erdenklichen Wildarten gejagt hat. In der übertragenen Bedeutung charakterisiert sie einen Menschen, der außergewöhnlich lebenserfahren, durchtrieben oder abgebrüht ist. Diese Person hat so viele Situationen durchlebt, dass sie kaum noch zu schockieren oder zu überlisten ist. Ein typisches Missverständnis liegt in der Assoziation mit negativer Erschöpfung. Zwar kann die Redewendung auch auf Zynismus hindeuten, ihr Kern ist jedoch die Betonung von umfassender Praxiserfahrung und weltgewandter Schlauheit, nicht primär von Müdigkeit. Kurz gesagt: Jemand, der mit allen Hunden gehetzt ist, lässt sich nicht so leicht etwas vormachen.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache durchaus lebendig, wenn auch nicht im alltäglichen Smalltalk. Sie findet vorrangig in anekdotischen oder beschreibenden Kontexten Verwendung, um eine Person mit besonderem Erfahrungsschatz zu würdigen oder auch deren skeptische, nichts mehr beschönigende Haltung zu charakterisieren. In einer Zeit, die oft von schnellen Karrieren und oberflächlicher Expertise geprägt ist, gewinnt die Aussagekraft dieser Formulierung sogar an Gewicht. Sie beschreibt genau jene Art von tief verwurzelter, praktischer Klugheit, die man nicht in Lehrbüchern findet. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich beispielsweise in der Beschreibung von Branchenveteranen, langjährigen Projektmanagern oder auch in politischen Analysen über erfahrene Strategen.

Praktische Verwendbarkeit

Die Wendung eignet sich hervorragend für narrative und beschreibende Texte. In einer lockeren Vortragsrede oder einem Porträt kann sie pointiert den Werdegang einer Person skizzieren. In einer Trauerrede wäre sie bei der Würdigung eines verstorbenen, lebenserfahrenen Menschen durchaus angebracht, sofern der Tonfall passt. In einem sehr formellen oder technischen Bericht hingegen könnte sie als zu bildhaft und salopp wirken. Sie ist ideal, um Respekt vor einer nicht mehr zu täuschenden Persönlichkeit auszudrücken, kann aber auch mit einem leicht anerkennend-spöttischen Unterton verwendet werden.

Gelungene Anwendungsbeispiele:

  • "Fragen Sie ruhig unseren Seniorchef um Rat – der ist in dieser Branche mit allen Hunden gehetzt und kennt jeden Trick."
  • "Ihre skeptische Ruhe in der Krise verriet, dass sie in solchen Dingen mit allen Hunden gehetzt war."
  • "Für ein derart komplexes Verhandlungsmandat brauchen wir jemanden, der wirklich mit allen Hunden gehetzt ist."

Vermeiden sollten Sie die Redensart in sehr jovialen oder unbedarften Gesprächen, da sie sonst unpassend pathetisch wirken kann. Ihr natürliches Zuhause sind Erzählungen, Charakterisierungen und Situationen, in denen es um bewährte, schwer zu erschütternde Erfahrung geht.

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