Jemanden durch den Kakao ziehen
Kategorie: Redewendungen
Jemanden durch den Kakao ziehen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft dieser Redensart ist nicht eindeutig geklärt und es existieren mehrere Theorien, die sich nicht zweifelsfrei belegen lassen. Eine populäre, aber historisch nicht gesicherte Erklärung führt die Wendung auf das sogenannte "Kakaoziehen" zurück, einen geselligen Brauch des 19. Jahrhunderts, bei dem Schokolade oder Kakao in einem speziellen Gefäß mit einem Quirl schaumig geschlagen ("gezogen") wurde. Dabei soll es zu lautem und lustigem Geplänkel gekommen sein. Eine andere Theorie vermutet einen Zusammenhang mit dem Rotwelsch, der Gaunersprache, in der "Kakao" für "Dummheit" oder "Unsinn" stand. Da keine dieser Erklärungen als hundertprozentig gesichert gelten kann, verzichten wir an dieser Stelle auf eine detaillierte Darstellung der Herkunft.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "jemanden durch den Kakao ziehen" bedeutet, sich über eine Person lustig zu machen, sie zu veralbern oder ins Lächerliche zu ziehen. Im übertragenen Sinne beschreibt sie also eine Form des Spottes, die nicht zwingend bösartig, aber stets herabsetzend ist. Wörtlich genommen ergibt das Bild kaum einen Sinn, was typisch für viele idiomatische Ausdrücke ist. Ein häufiges Missverständnis besteht darin, dass die Redensart etwas mit tatsächlicher körperlicher Gewalt oder mit dem Verschmutzen durch Kakao zu tun habe. Tatsächlich geht es jedoch ausschließlich um verbale oder gestische Handlungen, die den Betroffenen zum Gegenstand des Gespötts machen. Kurz gesagt: Wer jemanden durch den Kakao zieht, macht sich über ihn lustig, stellt ihn bloß oder nimmt ihn nicht ernst.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der heutigen Zeit absolut lebendig und wird regelmäßig verwendet. Sie hat nichts von ihrer Aussagekraft eingebüßt. Man begegnet ihr in den unterschiedlichsten Kontexten, von der privaten Unterhaltung über die Berichterstattung in Zeitungen bis hin zur politischen Kommentierung. Besonders häufig wird sie eingesetzt, um eine öffentliche Bloßstellung oder mediale Verhöhnung zu beschreiben. Wenn etwa ein Politiker in einer Satiresendung karikiert wird oder ein Prominenter in den sozialen Netzwerken zum Ziel allgemeiner Häme wird, ist die Formulierung "durch den Kakao ziehen" nach wie vor eine treffende und gängige Beschreibung. Sie schlägt somit eine direkte Brücke von einem vermutlich historischen Brauch zur modernen Medien- und Gesprächskultur.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redensart eignet sich hervorragend für informelle Gespräche, lockere Vorträge oder Kommentare, in denen man eine Situation der Veralberung pointiert beschreiben möchte. Sie ist eher salopp und sollte in sehr formellen oder ernsten Kontexten, wie etwa einer offiziellen Trauerrede oder einem juristischen Schriftsatz, vermieden werden. In einer Betriebsversammlung oder einem kritischen Fachartikel könnte sie als zu flapsig wirken. Ideal passt sie dagegen in eine Analyse der Medien, in eine Kolumne oder in die Schilderung eines geselligen Abends unter Freunden, bei dem der Ton etwas derber war.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "In der letzten Talkrunde wurde der Minister von den anderen Gästen regelrecht durch den Kakao gezogen."
- "Unter Freunden zieht man sich manchmal gegenseitig durch den Kakao, aber das sollte niemals verletzend sein."
- "Die satirische Sendung hat es sich zur Aufgabe gemacht, prominente Personen durch den Kakao zu ziehen."
- "Sein peinlicher Auftritt bei der Präsentation sorgte dafür, dass ihn die gesamte Abteilung durch den Kakao zog."
Sie können die Phrase also immer dann verwenden, wenn Sie beschreiben möchten, dass jemand zum Ziel von Spott und Lächerlichkeit wurde, wobei die Intensität von harmlos-neckisch bis hin zu deutlich verletzend reichen kann. Achten Sie stets auf den Kontext und Ihr Gegenüber.
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