Ihm muss man die Würmer einzeln aus der Nase ziehen
Kategorie: Redewendungen
Ihm muss man die Würmer einzeln aus der Nase ziehen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft dieser drastischen Redensart ist nicht zweifelsfrei belegbar. Es existieren jedoch plausible Erklärungsansätze, die auf historische medizinische Praktiken verweisen. Im Mittelalter und bis in die frühe Neuzeit hinein glaubte man, dass viele Krankheiten durch "Würmer" oder "Maden" im Körper verursacht würden. Eine gängige, wenn auch grausame Behandlungsmethode bestand darin, diese Parasiten – oft waren es einfach nur Eiterfäden oder Gewebeteilchen – mit einer Pinzette oder einem speziellen Instrument aus Wunden oder Körperöffnungen zu ziehen. Da dieser Vorgang äußerst langwierig und mühselig war, bot sich die bildhafte Übertragung auf zähe Gesprächspartner an. Eine andere Theorie führt die Redewendung auf die Anglerpraxis zurück, wo Regenwürmer als Köder mühsam aus der Erde gezogen werden müssen. Da keine dieser Theorien mit hundertprozentiger Sicherheit belegt werden kann, lassen wir diesen Punkt weg.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "Ihm muss man die Würmer einzeln aus der Nase ziehen" beschreibt bildhaft eine äußerst mühsame und zeitraubende Kommunikation. Wörtlich genommen malt sie ein absurdes und unappetitliches Szenario: Jemand hat Würmer in der Nase, die man ihm einzeln und mit großer Geduld entfernen muss. In der übertragenen Bedeutung geht es jedoch um einen Menschen, der Informationen nur äußerst widerwillig, zögerlich und stückchenweise preisgibt. Man muss ihm jede einzelne Information mühsam "entlocken", ähnlich wie man einen widerstrebenden Wurm langsam hervorziehen müsste. Ein typisches Missverständnis könnte sein, dass die Redensart sich auf Lügner bezieht. Das ist nicht der Fall. Im Zentrum steht nicht die Unwahrheit, sondern die schiere Unzugänglichkeit von Informationen und die passive Verweigerungshaltung des Gegenübers. Kurz gesagt: Es handelt sich um eine Person, mit der ein Gespräch zur Qual wird, weil sie nicht von selbst spricht.
Relevanz heute
Diese Redewendung ist auch in der modernen Kommunikation nach wie vor absolut relevant. Zwar sind medizinische Würmer in der Nase zum Glück keine gängige Erfahrung mehr, das zugrundeliegende zwischenmenschliche Problem ist jedoch zeitlos. In einer Welt, die auf schnellen Informationsaustausch und effiziente Kommunikation setzt, trifft die Formulierung den Nerv. Sie wird heute verwendet, um Kollegen zu beschreiben, die in Meetings nur einsilbige Antworten geben, um Teenager, die auf elterliche Nachfragen nur mit "gut" oder "nichts" antworten, oder um Freunde, die partout nicht erzählen wollen, was sie bedrückt. Die Redensart schlägt somit eine perfekte Brücke von der historischen Vorstellung zur digitalen Gegenwart, in der man sich manchmal selbst bei Messenger-Diensten vorkommt, als müsse man die Antworten buchstäblich einzeln hervorziehen.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung ist sehr lebhaft und daher im Ton eher salopp bis flapsig. Sie eignet sich hervorragend für lockere Gespräche unter Freunden, in der Familie oder im informellen Kollegenkreis, um Frust über eine zähe Kommunikation humorvoll auszudrücken. In formellen Kontexten wie einer offiziellen Rede, einer Trauerrede oder einem Business-Vortrag wäre sie dagegen unangemessen und könnte als respektlos empfunden werden.
Ihre Stärke liegt in der bildhaften und übertriebenen Darstellung, die sofort verstanden wird. Hier einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "Ich habe versucht, von Tom ein Feedback zu dem Entwurf zu bekommen, aber bei dem muss man ja die Würmer einzeln aus der Nase ziehen. Am Ende war ein 'ja, passt schon' alles, was herauskam."
- "Unser neuer Praktikant ist sehr schüchtern. Bei der täglichen Besprechung ist es immer eine Qual, ihm muss man jedes Update einzeln aus der Nase ziehen."
- "Wie war dein Date?" – "Frag nicht. Es war wie ein Verhör. Ich musste ihm jede Information einzeln aus der Nase ziehen, ein Gespräch war das nicht."
Besonders geeignet ist die Redensart also, um in informellen Situationen pointiert und mit einem Augenzwinkern über kommunikative Schwerstarbeit zu berichten. Sie signalisiert dem Zuhörer sofort, dass Geduld und Nachfragen erfordert waren, und erzeugt meist ein verständnisvolles Schmunzeln.
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