Jemanden auf den Schild heben

Kategorie: Redewendungen

Jemanden auf den Schild heben

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "jemanden auf den Schild heben" stammt unmittelbar aus dem militärischen Brauchtum der germanischen Stämme und des frühen Mittelalters. Historische Quellen, etwa bei dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus, belegen, dass ein neuer Anführer durch eine symbolische Handlung gewählt wurde: Die Krieger hoben den designierten Herrscher oder Heerführer auf einen Schild und trugen ihn so in die Höhe. Dieser Akt war ein öffentliches und unumstößliches Akklamationsritual. Die erste schriftliche Fixierung der Redensart im Deutschen findet sich in der Literatur des 18. Jahrhunderts, wo sie bewusst als historisierende Metapher verwendet wurde, um die Einsetzung eines Königs zu beschreiben.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich beschreibt die Redewendung den beschriebenen physischen Vorgang, einen Menschen auf ein Schild zu stellen und hochzuheben. In der übertragenen Bedeutung geht es jedoch um die öffentliche und feierliche Einsetzung in eine hohe Position, insbesondere eine Führungsrolle. Es impliziert nicht nur eine Wahl, sondern eine begeisterte, gemeinschaftliche Erhebung und Anerkennung durch eine Gruppe. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es handele sich um eine einfache Beförderung oder Ernennung. Der Kern der Aussage liegt jedoch im kollektiven, enthusiastischen und demonstrativen Charakter des Aktes. Man hebt jemanden nicht stillschweigend auf den Schild, sondern tut dies mit Zustimmung und Jubel der Gefolgschaft.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache durchaus lebendig, hat sich aber ihr Anwendungsfeld gewandelt. Sie wird kaum noch im Kontext politischer Wahlen im engeren Sinne genutzt. Stattdessen erfreut sie sich großer Beliebtheit in der Berichterstattung über Wirtschaft, Sport und Kultur. Wenn beispielsweise ein Vorstandsvorsitzender mit überwältigender Mehrheit und großer Euphorie des Aufsichtsrats gewählt wird, oder wenn eine Mannschaft einen neuen Trainer bejubelt, ist die Formulierung passend. Sie beschreibt Situationen, in denen eine Person nicht nur ausgewählt, sondern von einer relevanten Gemeinschaft emphatisch in ihre neue Spitzenposition getragen wird.

Praktische Verwendbarkeit

Die Wendung eignet sich hervorragend für formelle bis feierliche Anlässe, bei denen eine Ernennung oder Wahl gewürdigt werden soll. Sie klingt in einer Laudatio, einer Festrede zur Amtseinführung oder in einem analysierenden Kommentar in einer Fachzeitschrift besonders treffend. In einem lockeren Gespräch unter Freunden wäre sie hingegen oft zu pathetisch und zu bildhaft. Sie ist nicht salopp oder flapsig, sondern trägt einen ernsten, respektvollen und historisch aufgeladenen Unterton.

Gelungene Anwendungsbeispiele sind:

  • "Nach dem überragenden Erfolg des Projekts hob der gesamte Fachbereich die junge Ingenieurin metaphorisch auf den Schild und empfahl sie einstimmig für die Leitungsposition."
  • "In seiner Trauerrede betonte er, dass die Verstorbene nicht einfach zur Vereinsvorsitzenden gewählt, sondern von allen Mitgliedern auf den Schild gehoben worden sei."
  • "Die Aktionäre hoben den Sanierer nach der Rettung des Unternehmens beinahe auf den Schild und verlängerten seinen Vertrag sofort."

Sie sollten die Redensart meiden, wenn es um routinemäßige oder wenig begeisterte Personalentscheidungen geht. Für eine einfache Beförderung oder eine umstrittene Wahl ist das Bild des Schildhebens unpassend.

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