In die Binsen gehen

Kategorie: Redewendungen

In die Binsen gehen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "in die Binsen gehen" stammt aus der Sprache der Jäger und Fischer. Sie ist bereits seit dem 16. Jahrhundert belegt. Konkret bezieht sie sich auf die Situation, wenn ein erlegtes oder an Land gezogenes Wasservogel wie eine Ente oder ein Reiher im letzten Moment noch einmal so stark zappelt, dass es dem Jäger oder Fischer entgleitet und in das dichte Schilf- oder Binsengestrüpp am Ufer fällt. Dort ist es dann praktisch nicht mehr auffindbar und somit verloren. Die Beute ist "in die Binsen gegangen". Diese anschauliche und sehr spezifische Bildlichkeit aus der Lebenswelt unserer Vorfahren hat sich dann auf allgemeine Misserfolge übertragen.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich beschreibt die Redewendung den Verlust einer Beute im Uferbewuchs. In der übertragenen, heute allein gebräuchlichen Bedeutung signalisiert sie, dass ein Vorhaben kläglich gescheitert, eine Sache verloren oder ein Plan zunichte gemacht wurde. Es geht um ein endgültiges und oft auch enttäuschendes Scheitern, bei dem die Mühe umsonst war. Ein typisches Missverständnis besteht darin, die "Binsen" mit etwas Wertlosem oder Unscheinbarem gleichzusetzen. Der Kern liegt aber im Verlust und der Unwiederbringlichkeit, nicht in der Geringwertigkeit des Ortes. Kurz gesagt: Wenn etwas in die Binsen geht, ist es vorbei und hat nicht zum gewünschten Erfolg geführt.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache absolut lebendig und wird regelmäßig verwendet. Sie hat ihren leicht bildungssprachlichen Charakter bewahrt, ohne veraltet zu wirken. Man begegnet ihr in Zeitungsartikeln über gescheiterte Verhandlungen, in Sportberichten über verlorene Meisterschaftschancen oder in privaten Gesprächen über misslungene Projekte. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich besonders in digitalen Kontexten: Ein aufwändig erstelltes Dokument, das durch einen Absturz ungespeichert verschwindet, ein mühsam programmierter Code, der durch einen Fehler unbrauchbar wird – all das kann man treffend als "in die Binsen gegangen" bezeichnen. Sie transportiert das Gefühl der Frustration über verlorene Mühe sehr prägnant.

Praktische Verwendbarkeit

Die Wendung eignet sich für eine breite Palette von Situationen, in denen man ein Scheitern beschreiben möchte, ohne allzu salopp oder vulgär zu werden. Sie passt gut in lockere Vorträge, in journalistische Texte, in Alltagsgespräche und sogar in etwas formellere Kontexte wie Geschäftsbesprechungen, wo man "es ist gescheitert" etwas bildhafter umschreiben möchte. Für eine Trauerrede wäre sie hingegen zu umgangssprachlich und für einen hochoffiziellen Staatsakt zu wenig formell. Sie ist weder hart noch flapsig, sondern liegt in einer neutral-bildhaften Mitte.

Hier einige Beispiele für gelungene Sätze:

  • "Nach monatelangen Verhandlungen ist der geplante Deal leider in die Binsen gegangen."
  • "Unsere Hoffnung auf den Pokaleinzug ist gestern in der Nachspielzeit in die Binsen gegangen."
  • "Pass auf deine Datei auf, sonst ist deine ganze Arbeit in die Binsen gegangen."
  • "Der Versuch, das Fest im Garten zu feiern, ging beim ersten Regenguss prompt in die Binsen."

Besonders geeignet ist die Redewendung also, wenn Sie ein Scheitern mit einem Hauch von Resignation oder ironischer Selbstkritik beschreiben wollen, ohne direkt Schuld zuzuweisen. Sie betont das Ergebnis (den Verlust) mehr als die Ursache.

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