Fisimatenten machen

Kategorie: Redewendungen

Fisimatenten machen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Herkunft der Redewendung "Fisimatenten machen" ist nicht eindeutig geklärt und Gegenstand mehrerer volkstümlicher Deutungen. Eine verbreitete, jedoch historisch nicht gesicherte Erklärung führt den Ausdruck auf französische Soldaten der Napoleonischen Zeit zurück. Junge Männer sollen demnach ihre Töchter vor den Besatzern gewarnt und gesagt haben: "Visitez ma tente" ("Besuchen Sie mein Zelt") sei eine Aufforderung mit zweifelhaften Absichten. Aus dieser Warnung und der eingedeutschten, verdrehten Aussprache "Fisimatenten" soll sich die Bedeutung für unnützes oder aufschubendes Getue entwickelt haben. Da diese und andere Erklärungen (wie eine Ableitung von "Visitatio matutina", einer morgendlichen Schulandacht) nicht zweifelsfrei belegt werden können, lassen wir diesen Punkt weg.

Bedeutungsanalyse

Die Redewendung "Fisimatenten machen" bedeutet, unnötige Umstände zu veranstalten, sich vor einer eigentlich einfachen Aufgabe zu drücken oder durch ausweichendes und zeitraubendes Verhalten Aufschub zu erwirken. Wörtlich genommen ist der Begriff "Fisimatenten" ein Nonsens-Wort ohne eigene Bedeutung, was seinen Charme ausmacht. Übertragen beschreibt es genau jenes nicht greifbare Herumdrucksen und das Erfinden fadenscheiniger Ausreden. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es handle sich um besonders kluge oder komplizierte Gedankengänge. Das Gegenteil ist der Fall: Es geht um unnötige Komplikationen, die von der Sache selbst ablenken sollen. Kurz gesagt: Wer Fisimatenten macht, der windet sich und macht nicht einfach, was getan werden muss.

Relevanz heute

Die Redewendung ist im deutschen Sprachraum nach wie vor lebendig und wird regelmäßig verwendet, auch von jüngeren Sprecherinnen und Sprechern. Ihre Relevanz ist ungebrochen, da das menschliche Verhalten, das sie beschreibt, zeitlos ist. Ob in der Familie, im Beruf oder in der Schule – überall dort, wo Pflichten anstehen, gibt es Personen, die versuchen, sich durch Ausflüchte zu entziehen. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich auch in modernen Kontexten: Ein Mitarbeiter, der mit endlosen Meetings und Präsentationen ein einfaches Projekt verzögert, macht Fisimatenten. Ein Kind, das statt seine Hausaufgaben zu erledigen plötzlich ein akutes Bedürfnis hat, das Zimmer aufzuräumen, macht ebenfalls Fisimatenten. Die Wendung ist ein treffender und leicht scherzhafter Vorwurf für Prokrastination und unnötige Kompliziertheit.

Praktische Verwendbarkeit

Die Redewendung eignet sich hervorragend für lockere bis mittelförmliche Gesprächssituationen, in denen man Tadel oder Ungeduld mit einem Schmunzeln vermitteln möchte. Sie ist weniger für sehr förmliche Anlässe wie eine offizielle Trauerrede oder ein diplomatisches Protokoll geeignet, kann aber in einem humorvollen Vortrag durchaus pointiert eingesetzt werden.

Im Alltag klingt sie besonders passend in diesen Kontexten:

  • Im familiären Umfeld: "Komm, mach keine Fisimatenten und räum jetzt endlich den Geschirrspüler aus!"
  • In der Arbeitswelt (im Kollegenkreis): "Lass uns mit den Fisimatenten aufhören und direkt zur konkreten Lösung kommen."
  • In der Erziehung: "Ich sehe doch, dass du Fisimatenten machst, weil du keine Lust auf Vokabeln hast."

Die Formulierung ist leicht neckend und daher ideal, um jemanden freundlich, aber bestimmt zur Sache zu rufen, ohne ihn bloßzustellen oder aggressiv zu klingen. In sehr ernsten Konflikten oder bei schwerwiegendem Fehlverhalten wäre sie hingegen zu salopp und verharmlosend. Ein gelungener Satz für einen lockeren Vortrag könnte sein: "Oft scheitern Projekte nicht an der Komplexität der Aufgabe, sondern an den vielen Fisimatenten, die wir vorher machen." So setzen Sie die Redewendung effektiv und lebendig ein.

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