Etwas intus haben
Kategorie: Redewendungen
Etwas intus haben
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "etwas intus haben" stammt aus dem Lateinischen, wo "intus" schlicht "innen" oder "drin" bedeutet. Ihr Ursprung liegt im studentischen und später im allgemeinen umgangssprachlichen Gebrauch des 19. Jahrhunderts. Sie bezog sich zunächst ganz konkret auf das, was man an Speisen oder Getränken zu sich genommen hatte. Wer also reichlich gegessen oder getrunken hatte, der hatte "etwas intus". Von dieser wörtlichen Bedeutung ausgehend, vollzog sich eine typische sprachliche Übertragung auf den geistigen Bereich. Das, was man "in sich hat", wurde zunehmend auch auf Wissen, Können oder Erfahrung bezogen. Diese Bedeutungsverschiebung ist ein klassisches Beispiel dafür, wie körperliche Vorgänge metaphorisch für intellektuelle Prozesse genutzt werden.
Bedeutungsanalyse
Die Redensart "etwas intus haben" trägt zwei wesentliche Bedeutungen in sich, die beide auf dem Grundgedanken des "In-sich-Aufgenommen-Habens" basieren. In ihrer ursprünglichen und wörtlichen Lesart beschreibt sie den Zustand, Nahrung oder insbesondere alkoholische Getränke konsumiert zu haben. In diesem Kontext ist sie oft ein verklausulierter oder scherzhafter Hinweis auf einen angeheiterten Zustand.
Die heute weitaus gebräuchlichere und übertragene Bedeutung bezieht sich auf geistigen Besitz. Wer "etwas intus hat", verfügt über fundiertes Wissen in einem bestimmten Gebiet, beherrscht eine Fertigkeit sicher oder hat durch praktische Übung große Routine erlangt. Ein typisches Missverständnis kann entstehen, wenn der Kontext nicht klar ist: Die Aussage "Der hat in Mathe echt was intus" könnte von jemandem, der nur die alkoholbezogene Bedeutung kennt, völlig falsch interpretiert werden. Die Kerninterpretation der Redewendung ist jedoch stets positiv und anerkennend. Sie betont, dass das Wissen oder Können nicht nur oberflächlich vorhanden, sondern wirklich verinnerlicht und abrufbar ist.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant in der deutschen Alltagssprache. Sie wird in beiden Bedeutungsvarianten aktiv genutzt, wobei die wissensbezogene Nutzung in den meisten Situationen dominiert. Im lockeren Gespräch unter Kollegen, in der Berichterstattung über Sportler oder Künstler und auch in bildungspolitischen Diskussionen ist sie ein gängiger Ausdruck. Ihre Relevanz zeigt sich besonders darin, dass sie die Brücke zwischen formellem Lernen und informeller Kompetenz schlägt. In einer Zeit, in der "Skills" und "Hands-on-Experience" hoch im Kurs stehen, trifft "etwas intus haben" genau den Nerv: Es geht nicht um Zertifikate, sondern um das, was man wirklich kann und verinnerlicht hat. Die Redensart hat somit nichts von ihrer Aussagekraft verloren und transportiert eine zeitlose Wertschätzung für praktische Intelligenz und fundiertes Wissen.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung ist durchweg umgangssprachlich und passt daher perfekt in informelle Gespräche, lockere Vorträge, Team-Meetings oder auch in die Berichterstattung in Sport und Kultur. In einer formellen Rede oder einer Traueransprache würde sie hingegen deplatziert wirken, da ihr Tonfall zu salopp und alltäglich ist. Sie eignet sich hervorragend, um Anerkennung auszudrücken, ohne allzu förmlich zu klingen.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Verwendungen:
- Im Berufsleben: "Für die Präsentation beim Großkunden sollten wir Lara fragen. Sie hat in Sachen Datenvisualisierung echt was intus."
- Im Sport: "Der junge Stürmer hat zwar noch wenig Erfahrung, aber technisch hat er schon eine Menge intus."
- Im privaten Kontext: "Kannst du mal einen Blick auf den tropfenden Wasserhahn werfen? Du hast doch in solchen Handwerkerdingen was intus, oder?"
- Achtung vor Kontext: Der Satz "Nach der Feier gestern hat er bestimmt wieder was intus gehabt" ist klar der alkoholischen Bedeutung zuzuordnen und sollte nur in entsprechend vertrautem Umfeld verwendet werden, um nicht missverstanden zu werden.
Insgesamt ist die Redewendung dann ideal, wenn Sie in einem zwanglosen Setting Respekt für die praktischen Fähigkeiten oder das tiefe Wissen einer Person ausdrücken möchten.
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