Das macht den Kohl auch nicht fett
Kategorie: Redewendungen
Das macht den Kohl auch nicht fett
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft dieser Redensart ist nicht mit letzter Sicherheit belegbar. Es existieren jedoch mehrere plausible Theorien, die sich auf landwirtschaftliche und hauswirtschaftliche Gegebenheiten des 19. Jahrhunderts stützen. Eine verbreitete Erklärung führt die Wendung auf die einfache Küche der ärmeren Bevölkerung zurück. Kohl, insbesondere Grünkohl oder Sauerkraut, war ein preiswertes und sättigendes Grundnahrungsmittel. Ein zusätzliches kleines Stück Speck oder eine geringe Menge Fett veränderte den nahrhaften Gesamteindruck des Gerichts kaum – es "machte den Kohl nicht fett". Eine andere Deutung bezieht sich auf die Mast von Gänsen, bei der man den Tieren Kohl verfütterte. Eine minimale zusätzliche Futtergabe hätte hier ebenfalls keinen spürbaren Einfluss auf das Mastziel gehabt.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "Das macht den Kohl auch nicht fett" ist eine bildhafte und leicht resignative Feststellung. Wörtlich genommen beschreibt sie, dass eine winzige Zugabe bei einem ohnehin schon umfangreichen oder feststehenden Ganzen keine nennenswerte Verbesserung oder Verschlechterung bewirkt. Im übertragenen Sinn bedeutet sie: Das ändert nichts Wesentliches an der Sache oder Das bringt auch keinen entscheidenden Vorteil.
Typischerweise wird der Spruch verwendet, um eine als zu klein oder unbedeutend erachtete Handlung, einen zusätzlichen kleinen Betrag oder einen minimalen Beitrag zu relativieren. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, die Redensart sei grundsätzlich negativ oder abwertend. Oft schwingt jedoch auch ein pragmatischer oder sogar tröstender Unterton mit: Weil die Sache ohnehin keinen großen Unterschied macht, muss man sich darüber nicht allzu viele Gedanken oder Sorgen machen. Die Kernaussage ist eine nüchterne Einschätzung der Proportionalität.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache absolut lebendig und gebräuchlich. Sie passt perfekt in eine Zeit, die von Effizienzdenken und der Bewertung von Aufwand und Nutzen geprägt ist. Ob in der Bürosprache ("Noch eine Überstunde? Das macht den Kohl auch nicht fett"), in finanziellen Diskussionen ("Bei der Gesamtsumme macht der Rabatt von fünf Euro den Kohl auch nicht fett") oder im privaten Bereich – die bildliche Aussage ist nach wie vor unmittelbar verständlich. Sie dient als schnelle, volkstümliche Kosten-Nutzen-Analyse und hat nichts von ihrer charmierenden Direktheit verloren. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sie insbesondere dort, wo es um marginale Verbesserungen oder unnötige Kleinkrämerei geht.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung ist ausgesprochen vielseitig einsetzbar, jedoch durchweg im informellen bis halbformellen Bereich. Sie eignet sich hervorragend für lockere Gespräche unter Kollegen, in der Familie oder unter Freunden. In einem förmlichen Vortrag, einer offiziellen Rede oder gar einer Trauerrede würde sie aufgrund ihrer saloppen und alltagssprachlichen Natur wahrscheinlich fehl am Platze wirken.
Sie ist ideal, um übertriebenen Perfektionismus zu bremsen oder um Gelassenheit zu signalisieren, wenn eine Kleinigkeit schiefgeht. Ebenso kann sie aber auch verwendet werden, um einen als unzureichend empfundenen Vorschlag oder Beitrag sachlich zu relativieren.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Anwendungssätze:
- "Sie können den Bericht gerne noch einmal korrekturlesen, aber bei den zwei kleinen Tippfehlern macht das den Kohl jetzt auch nicht mehr fett."
- "Ob ich jetzt noch zehn Minuten länger im Fitnessstudio bleibe? Bei meiner heutigen Form macht das den Kohl auch nicht fett."
- "Wir diskutieren hier seit einer Stunde über die Farbe des Logos. Bei der grundlegenden Markenstrategie macht das den Kohl doch nicht fett."
- Als tröstender Zuspruch: "Reg dich nicht über die verlorenen zwei Euro im Parkautomaten auf. In Anbetracht der Urlaubskasse macht das den Kohl wirklich nicht fett."
Insgesamt ist die Redensart ein praktisches sprachliches Werkzeug für alle, die eine Situation mit einem Schuss Bauernschläue und Pragmatismus auf den Punkt bringen möchten.
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