Es geht um die Wurst
Kategorie: Redewendungen
Es geht um die Wurst
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Es geht um die Wurst" ist ein echtes Kind der deutschen Volkskultur und lässt sich bis ins späte Mittelalter zurückverfolgen. Ihr Ursprung ist in den Traditionen von Schützen- und Volksfesten zu finden, wo Wettkämpfe wie das Vogelschießen oder Ringstechen veranstaltet wurden. Der Sieger dieser Wettbewerbe erhielt häufig als Preis eine metergroße Bratwurst oder einen ganzen Schinken. In diesem Moment entschied sich also buchstäblich, wer die begehrte Wurst mit nach Hause nehmen durfte. Der Ausdruck taucht schriftlich gesichert bereits in Texten des 16. Jahrhunderts auf und beschreibt genau diese Situation des entscheidenden Wettkampfes, bei dem es um den materiellen und auch ehrenvollen Gewinn ging.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen beschreibt die Redensart tatsächlich eine Situation, in der eine Wurst der ausgesetzte Preis ist. In der übertragenen, heute fast ausschließlich gebrauchten Bedeutung signalisiert sie jedoch, dass eine entscheidende Phase erreicht ist, in der alles auf dem Spiel steht. Es handelt sich um den kritischen Moment, der über Erfolg oder Misserfolg, Sieg oder Niederlage entscheidet. Ein typisches Missverständnis besteht darin, den Ausdruck mit "Es geht um Kleinigkeiten" oder "Es ist nicht so wichtig" gleichzusetzen. Das Gegenteil ist der Fall: Die Redewendung betont die große Bedeutung der anstehenden Entscheidung. Sie bedeutet kurz gesagt: Jetzt wird es ernst, jetzt fällt die Entscheidung, jetzt zeigt sich, was Sache ist.
Relevanz heute
Die Redewendung hat nichts von ihrer Kraft und Aktualität eingebüßt. Sie wird nach wie vor in einer Vielzahl von Kontexten verwendet, vom privaten Gespräch bis zur politischen Berichterstattung. Besonders häufig ist sie im Sport zu hören, wenn ein Elfmeter in der Nachspielzeit oder das fünfte und letzte Set im Tennis ansteht. Aber auch in der Wirtschaftswelt, wenn es um den Abschluss eines Millionen-Deals geht, oder im persönlichen Leben, etwa vor einer entscheidenden Prüfung oder einem wichtigen Vorstellungsgespräch, ist der Spruch absolut geläufig. Die Redewendung verbindet auf charmante Weise eine gewisse Bodenständigkeit mit der Dramatik einer alles entscheidenden Situation.
Praktische Verwendbarkeit
Der Ausdruck ist erstaunlich vielseitig einsetzbar, sollte aber aufgrund seiner leicht derben und volkstümlichen Herkunft mit Bedacht gewählt werden. In einer lockeren Rede, in der Betriebsversammlung oder im Kommentar zum Fußballspiel klingt er perfekt und sorgt für eine plastische, mitreißende Bildsprache. Für eine formelle Trauerrede oder ein hochoffizielles diplomatisches Schreiben ist er hingegen zu salopp. Er eignet sich hervorragend, um Spannung und Dringlichkeit zu vermitteln.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Verwendungen:
- Vor der entscheidenden Präsentation: "Wir haben monatelang darauf hingearbeitet. Jetzt, beim Pitch vor der Geschäftsführung, geht es um die Wurst."
- Im Sport: "Das Finale steht fünf Minuten vor dem Ende unentschieden. In der nächsten Aktion geht es um die Wurst."
- Im privaten Kontext: "Nach drei Vorstellungsgesprächen lade ich sie zum finalen Termin mit dem Chef ein. Jetzt geht es um die Wurst."
Nutzen Sie die Redensart also immer dann, wenn Sie den Punkt der endgültigen Entscheidung betonen und dabei eine lebhafte, zugängliche Sprache wünschen.
Mehr Redewendungen
- Abwarten und Tee trinken
- Ach du grüne Neune!
- Alles über einen Kamm scheren
- Alte Zöpfe abschneiden
- Alter Schwede
- Am Hungertuch nagen
- Ans Eingemachte gehen
- Äpfel mit Birnen vergleichen
- Auf keinen grünen Zweig kommen
- Den Ball flach halten
- Den Faden verlieren
- Den Löffel abgeben
- Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
- Der springende Punkt
- Einen Zahn zulegen
- Es faustdick hinter den Ohren haben
- Hieb und stichfest
- Holzauge sei wachsam
- Im siebten Himmel sein
- In den sauren Apfel beißen
- Jemandem aufs Dach steigen
- Jemandem einen Bären aufbinden
- Jemandem einen Denkzettel verpassen
- Jemanden an die Wand stellen
- Kein Blatt vor den Mund nehmen
- 950 weitere Redewendungen