Er will gerne mit den großen Hunden pinkeln aber kriegt das …
Kategorie: Redewendungen
Er will gerne mit den großen Hunden pinkeln aber kriegt das Bein nicht hoch
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft dieser sehr bildhaften Redewendung ist nicht exakt dokumentiert und lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit auf eine schriftliche Erstverwendung datieren. Es handelt sich um eine moderne, umgangssprachliche Wendung, die vermutlich im 20. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum entstanden ist. Der Ursprung liegt in der genauen Beobachtung des Verhaltens von Hunden, die durch das Heben des Beins an markanten Stellen nicht nur ihr Geschäft verrichten, sondern auch ihr Revier abstecken und Dominanz demonstrieren. Die Übertragung dieses Verhaltens auf die menschliche Sozialhierarchie, insbesondere auf das Streben nach Status und Anerkennung in bestimmten Kreisen, ergibt sich fast von selbst. Da keine hundertprozentig belegbaren Angaben zur historischen Erstnennung vorliegen, wird dieser Punkt hier weggelassen.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "mit den großen Hunden pinkeln wollen" beschreibt das ambitionierte, aber oft überhebliche Verlangen einer Person, in einer höheren Liga mitzuspielen, sich zu den Einflussreichen und Wichtigen zu gesellen oder in prestigeträchtigen Kreisen Anerkennung zu finden. Der Zusatz "aber das Bein nicht hoch kriegen" enthüllt dann die schmerzhafte Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Es fehlen schlichtweg die Fähigkeiten, das nötige Format, das Selbstbewusstsein oder die sozialen Voraussetzungen, um in dieser angestrebten Sphäre auch tatsächlich zu bestehen oder ernst genommen zu werden.
Wörtlich genommen malt das Bild einen kleinen oder schwachen Hund, der es den großen Rüden gleichtun möchte, aber physisch nicht dazu in der Lage ist. Übertragen geht es um gescheiterte Statusambitionen. Ein typisches Missverständnis könnte sein, dass die Redewendung sich nur auf finanziellen Aufstieg bezieht. In Wahrheit umfasst sie alle Bereiche, in denen soziale Hierarchien eine Rolle spielen: Beruf, Politik, Gesellschaft, sogar Hobbys. Es geht um die unangenehme Blamage, die entsteht, wenn die Inszenierung der eigenen Bedeutung durch die mangelnde Substanz dahinter entlarvt wird.
Relevanz heute
Die Redewendung ist heute so relevant wie eh und je, vielleicht sogar relevanter. In einer Zeit, die von Social Media, persönlichem Branding und der ständigen Darstellung des eigenen (vermeintlichen) Erfolgs geprägt ist, finden sich zahlreiche moderne Anwendungsfälle. Das Phänomen, sich in Situationen oder Communities zu drängen, denen man intellektuell, fachlich oder charakterlich nicht gewachsen ist, ist allgegenwärtig. Ob es der Praktikant ist, der in der Vorstandssitzung mit halbgaren Vorschlägen glänzen will, der Hobbykoch, der mit Starköchen konkurrieren möchte, oder der Social-Media-Influencer, der krampfhaft eine Lifestyle-Welt inszeniert, die er nicht leben kann – die Metapher vom nicht hochzubekommenden Bein trifft den Kern dieser gescheiterten Aufstiegsversuche perfekt. Sie ist ein zeitloses Kommentar zur menschlichen Hybris.
Praktische Verwendbarkeit
Diese Redewendung ist durch ihre derbe Bildsprache eindeutig der lockeren Umgangssprache und dem informellen Bereich zuzuordnen. Sie eignet sich hervorragend für pointierte Kommentare im privaten Gespräch, in einer humorvollen Ansprache unter Kollegen oder in einem lockeren Vortrag, der mit plastischen Beispielen arbeitet. Aufgrund ihrer saloppen, leicht spöttischen Natur ist sie für formelle Anlässe wie Trauerreden, offizielle Präsentationen oder schriftliche Bewerbungen absolut ungeeignet. Dort würde sie als respektlos oder unprofessionell wahrgenommen.
Ihr Einsatz ist dann besonders treffend, wenn Sie eine Situation beschreiben möchten, in der jemand an seiner eigenen Überheblichkeit scheitert. Hier einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "In der Abteilungsleiterrunde wollte er mit seinen provokativen Thesen unbedingt Eindruck schinden, aber er kriegte das Bein einfach nicht hoch – seine Argumente waren halt doch zu dünn."
- "Sie versucht ständig, in den exklusiven Kreis der Galeristen aufgenommen zu werden, aber mit ihrem Kunstverständnis kriegt sie das Bein leider nicht hoch."
- "Unser neuer Mitschüler wollte gleich mit den coolen Jungs aus der Oberstufe abhängen, aber der arme Kerl kriegte das Bein nicht mal ansatzweise hoch."
Nutzen Sie diese Formulierung also, wenn Sie einen gescheiterten Anpassungs- oder Aufstiegsversuch auf eine einprägsame, etwas derbe und dabei sehr treffende Art auf den Punkt bringen möchten.
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