Einen Reibach machen
Kategorie: Redewendungen
Einen Reibach machen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft dieser Redewendung ist sprachhistorisch gut belegt und führt uns in die Welt des jüdischen Handels im Mittelalter. Das Wort "Reibach" entstammt dem Jiddischen und leitet sich vom hebräischen Wort "rewach" (רֶוַח) ab, das "Gewinn" oder "Vorteil" bedeutet. Im jiddischen Sprachgebrauch wurde daraus "reywakh". Im deutschsprachigen Raum, insbesondere durch enge Handelskontakte, wurde dieses Wort als "Reibach" übernommen. Die Redewendung "einen Reibach machen" etablierte sich somit in der Umgangssprache als feststehender Ausdruck für einen besonders guten, oft auch unerwartet hohen oder schnellen finanziellen Gewinn. Sie spiegelt den kaufmännischen Austausch und den kulturellen Einfluss der jüdischen Gemeinde auf die deutsche Wirtschaftssprache wider.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen bedeutet "einen Reibach machen" schlicht, einen Gewinn zu erzielen. In der übertragenen und heute gebräuchlichen Bedeutung steckt jedoch deutlich mehr dahinter. Es geht nicht um einen kleinen oder normalen Profit, sondern um einen außerordentlichen, üppigen oder sogar windfall profit. Die Redewendung impliziert oft, dass der Gewinn mühelos, schnell oder auf besonders geschickte, manchmal auch etwas zweifelhafte Weise erwirtschaftet wurde. Ein typisches Missverständnis besteht darin, die Redewendung mit harter, ehrlicher Arbeit zu verbinden. Während das nicht ausgeschlossen ist, schwingt in "Reibach machen" häufig ein Unterton des Glücksfalls oder des geschäftigen Schacherns mit. Kurz gesagt: Es ist der große Wurf, der dicke Gewinn, der einen deutlich voranbringt.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant. Sie wird in vielfältigen modernen Kontexten verwendet, die über den rein finanziellen Bereich hinausgehen. Selbstverständlich ist sie im Wirtschaftsteil der Zeitung oder in Gesprächen über Börsengewinne zu Hause. Doch sie hat sich ausgeweitet: Man kann auch im Sport "einen Reibach machen", wenn eine Mannschaft überraschend hoch gewinnt. Im privaten Bereich spricht man vielleicht davon, auf dem Flohmarkt einen Reibach mit alten Möbeln gemacht zu haben. Die Redewendung passt perfekt in eine Zeit, die von Start-ups, schnellen Gewinnen und der Suche nach dem großen finanziellen Erfolg geprägt ist. Sie verbindet so historischen Charme mit zeitgenössischer Dynamik.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung ist vielseitig einsetzbar, aber ihr Charakter bestimmt den idealen Kontext. Sie eignet sich hervorragend für lockere Gespräche, informelle Vorträge oder kollegiale Runden, in denen man einen großen Erfolg salopp und bildhaft schildern möchte. In einer offiziellen Trauerrede oder einem hochformellen diplomatischen Schreiben wäre sie dagegen fehl am Platz, da sie zu umgangssprachlich und mit einer gewissen Leichtigkeit behaftet ist.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "Mit dem Verkauf seiner alten Briefmarkensammlung hat er unerwartet einen richtig guten Reibach gemacht."
- "Die Firma hat mit dem neuen Produkt letztes Jahr einen Reibach gemacht, von dem alle noch lange zehren werden."
- In einem lockeren Vortrag: "Unsere Marketingkampagne war ein Volltreffer – wir haben damit einen ordentlichen Reibach gemacht und können nun weiter investieren."
Besonders passend ist die Redewendung also, wenn Sie in geselliger Runde von einem erfreulichen finanziellen Zugewinn berichten oder in einem motivierenden Business-Meeting den großen Erfolg eines Projektes betonen wollen, ohne in trockene Fachsprache zu verfallen.
Mehr Redewendungen
- Abwarten und Tee trinken
- Ach du grüne Neune!
- Alles über einen Kamm scheren
- Alte Zöpfe abschneiden
- Alter Schwede
- Am Hungertuch nagen
- Ans Eingemachte gehen
- Äpfel mit Birnen vergleichen
- Auf keinen grünen Zweig kommen
- Den Ball flach halten
- Den Faden verlieren
- Den Löffel abgeben
- Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
- Der springende Punkt
- Einen Zahn zulegen
- Es faustdick hinter den Ohren haben
- Hieb und stichfest
- Holzauge sei wachsam
- Im siebten Himmel sein
- In den sauren Apfel beißen
- Jemandem aufs Dach steigen
- Jemandem einen Bären aufbinden
- Jemandem einen Denkzettel verpassen
- Jemanden an die Wand stellen
- Kein Blatt vor den Mund nehmen
- 950 weitere Redewendungen