Du kannst da hin gehen, wo der Pfeffer wächst

Kategorie: Redewendungen

Du kannst da hin gehen, wo der Pfeffer wächst

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "Du kannst da hingehen, wo der Pfeffer wächst" stammt aus einer Zeit, in der Gewürze wie Pfeffer als kostbare Luxusgüter aus fernen, exotischen Ländern importiert wurden. Pfeffer kam ursprünglich aus Indien und später aus Südostasien nach Europa. Für die Menschen des Mittelalters und der frühen Neuzeit waren diese Herkunftsregionen schier unvorstellbar weit entfernt, geheimnisvoll und oft auch gefährlich. Sie lagen buchstäblich am Ende der bekannten Welt. Die erste schriftliche Belegung der Redensart in ähnlicher Form findet sich bereits im 16. Jahrhundert. Sie taucht in einem Schwank von Hans Sachs aus dem Jahr 1557 auf, in dem es heißt: "Da hin, da der Pfeffer wächst." Der Kontext war stets derselbe: Man verwies jemanden an einen Ort, der unerreichbar fern und unerwünscht war.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen schickt die Aufforderung eine Person an den geografischen Ort, an dem die Pfefferpflanze gedeiht, also in tropische Regionen wie Indien, Indonesien oder Brasilien. In der übertragenen Bedeutung ist damit jedoch etwas ganz anderes gemeint. Die Redewendung ist ein deutlich abwertender und energischer Wunsch, dass jemand verschwinden möge. Sie signalisiert starke Ablehnung und bedeutet so viel wie "Verschwinde!" oder "Scher dich fort!". Ein häufiges Missverständnis besteht darin, in der Floskel eine freundliche oder neugierige Reiseempfehlung zu sehen. Das Gegenteil ist der Fall. Es handelt sich um eine ironische bis sarkastische Formulierung, die den Angesprochenen loswerden will. Die Betonung liegt auf der Unerreichbarkeit und Fremdartigkeit des Ortes, nicht auf dessen attraktiven Eigenschaften.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch in der modernen Umgangssprache durchaus noch lebendig, wenn auch vielleicht nicht mehr im allerhäufigsten Gebrauch. Ihre Relevanz bezieht sie aus ihrer bildhaften Kraft und ihrem humorvollen Unterton. In einer globalisierten Welt, in der Pfeffer im Supermarkt um die Ecke liegt und Bali ein erreichbares Urlaubsziel ist, hat sich die ursprüngliche Vorstellung von unüberwindbarer Ferne zwar abgeschwächt. Dennoch ist das sprachliche Bild nach wie vor sofort verständlich. Sie wird heute oft eingesetzt, um auf lockere, aber bestimmte Weise auszudrücken, dass man von einer Person oder einer unerwünschten Forderung genug hat. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sie als eine der farbenfroheren und historisch aufgeladenen Alternativen zu direkten, aber weniger kreativen Ausdrücken des Unmuts.

Praktische Verwendbarkeit

Die Redewendung eignet sich für informelle bis saloppe Situationen, in denen Sie Ihren Unmut oder Ihre Ablehnung mit einem Schuss trockenem Humor verdeutlichen möchten. Sie passt gut in lockere Gespräche unter Freunden oder in der Familie, kann aber auch in einem kollegialen Umfeld verwendet werden, sofern der Ton nicht zu schroff ist.

Vermeiden sollten Sie diesen Spruch in förmlichen Kontexten wie offiziellen Briefen, Trauerreden, ernsten Verhandlungen oder bei der Kommunikation mit Vorgesetzten. Hier wäre die Formulierung zu flapsig und respektlos. Auch in hitzigen Streitgesprächen kann sie, obwohl eigentlich passend, die Situation durch ihren sarkastischen Beiklang weiter verschärfen.

Gelungene Beispiele für den Einsatz sind:

  • Nach einer besonders dreisten Forderung: "Mit dem Vorschlag, dass ich deine Nachtschicht übernehme, kannst du dahin gehen, wo der Pfeffer wächst."
  • Im Scherz unter Geschwistern: "Wenn du mein letztes Stück Kuchen isst, weißt du, wo du hingehen kannst!"
  • Als Reaktion auf nervige Telefonwerbung: "Der Anrufer wollte mir einen neuen Vertrag aufschwatzen. Dem habe ich klar gemacht, er solle sich dorthin begeben, wo der Pfeffer wächst."

Die Stärke der Redensart liegt in ihrer Bildhaftigkeit. Sie ist weniger verletzend als ein direktes "Verschwinde!", transportiert die Botschaft aber dennoch unmissverständlich und mit einer Prise historischer Schärfe.

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