Die Fliege machen
Kategorie: Redewendungen
Die Fliege machen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft der Redewendung "die Fliege machen" ist nicht eindeutig und gesichert belegbar. Es existieren mehrere Theorien, die jedoch alle im Bereich der Volksetymologie angesiedelt sind und nicht durch historische Quellen zweifelsfrei gestützt werden können. Eine verbreitete Vermutung führt die Redensart auf das schnelle, unerwartete Wegfliegen einer aufgescheuchten Fliege zurück, was bildlich auf das plötzliche Verschwinden einer Person übertragen wurde. Eine andere, ebenso wenig belegbare Erklärung sieht einen Zusammenhang mit dem französischen Ausdruck "faire la mouche" (wörtlich: die Fliege machen), der im 18. Jahrhundert im Sinne von "sich wichtig machen" oder "herumlaufen" gebräuchlich war und möglicherweise ins Deutsche entlehnt wurde. Da keine dieser Erklärungen als gesichert gelten kann, wird auf eine detaillierte Darstellung der Herkunft verzichtet.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "die Fliege machen" bedeutet, sich unauffällig, leise und oft auch plötzlich aus einer Situation oder einem Ort zu entfernen, ohne sich zu verabschieden oder Aufmerksamkeit zu erregen. Wörtlich genommen suggeriert das Bild der davonfliegenden Fliege eine schnelle, beinahe lautlose Bewegung. Im übertragenen Sinn beschreibt es eine Handlung, die zwischen einfachem Gehen und tatsächlicher Flucht angesiedelt ist. Ein typisches Missverständnis besteht darin, die Redensart mit Aktivität oder Geschäftigkeit zu verbinden, etwa nach dem Motto "sich wie eine Fliege bewegen". Das ist jedoch nicht korrekt. Der Kern der Bedeutung liegt ausschließlich im unmerklichen und diskreten Rückzug. Man kann die Phrase also als höfliche Umschreibung für ein überstürztes oder taktvolles Verschwinden interpretieren.
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der heutigen Umgangssprache durchaus noch lebendig und relevant, wenn auch nicht zu den allerhäufigsten Wendungen zählend. Sie wird vorwiegend in informellen Gesprächen verwendet, um ein bestimmtes Verhalten zu beschreiben oder auch selbst anzukündigen. Ihre Relevanz zeigt sich besonders in Situationen, in denen ein formeller Abschied unpassend, umständlich oder unerwünscht ist. In einer Zeit, die von schnellen Kommunikationsformen und manchmal überfordernden sozialen Verpflichtungen geprägt ist, bietet "die Fliege machen" eine griffige sprachliche Brücke, um den Wunsch nach einem unkomplizierten Abgang auszudrücken. Sie hat damit eine zeitlose Funktion in der zwischenmenschlichen Interaktion bewahrt.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für lockere, alltägliche Kontexte unter Freunden, Kollegen oder in der Familie. Sie ist ideal, um einen geplanten diskreten Abgang anzukündigen oder das Verhalten eines Dritten nachträglich zu schildern. In einer formellen Rede, einer Traueransprache oder einem offiziellen Vortrag würde sie dagegen zu salopp und unpassend wirken. Auch in Konfliktsituationen kann die Redensart als zu flapsig oder verharmlosend empfunden werden, wenn jemand tatsächlich vor einer Verantwortung davonläuft.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Sätze:
- "Die Party war toll, aber ich mache jetzt mal ganz leise die Fliege, ich muss morgen früh raus."
- "Als die Diskussion unangenehm wurde, hat er einfach die Fliege gemacht."
- "Ich sehe, Sie sind noch vertieft in das Gespräch. Ich mache dann mal diskret die Fliege, damit Sie ungestört bleiben."
Besonders geeignet ist die Redewendung also für gesellige Runden, aus denen man sich frühzeitig zurückziehen möchte, oder um das plötzliche Verschwinden einer Person aus einer gescheiterten Verabredung oder einer langweiligen Veranstaltung zu umschreiben. Sie transportiert dabei oft einen leicht humorvollen oder entschuldigenden Unterton.
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