Den Teufel durch den Beelzebub austreiben
Kategorie: Redewendungen
Den Teufel durch den Beelzebub austreiben
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Den Teufel durch den Beelzebub austreiben" ist eine sehr alte Formulierung, die auf biblischem Gedankengut basiert. Ihre erste schriftliche Fixierung im deutschen Sprachraum findet sich in Martin Luthers Übersetzung des Neuen Testaments von 1522. Im Matthäusevangelium (Kapitel 12, Vers 24) werfen die Pharisäer Jesus vor, dass er Dämonen "durch Beelzebub, den Obersten der Teufel" austreibe. Luther selbst griff diese Formulierung in seinen Schriften und Tischreden später auf und prägte sie damit nachhaltig für die deutsche Sprache. Der Kontext ist also von Anfang an ein theologische Streitgespräch über die Quelle der Macht und die Gefahr, ein Übel durch ein noch größeres zu bekämpfen.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung beschreibt eine verfehlte Problemlösungsstrategie, bei der der Versuch, ein Übel zu beseitigen, zu einem noch schlimmeren Zustand führt. Wörtlich genommen würde man einen bösen Geist (den Teufel) mithilfe eines mächtigeren, aber ebenso bösen Geistes (Beelzebub) vertreiben wollen – ein sinnloses und kontraproduktives Unterfangen. In der übertragenen Bedeutung warnt die Formulierung davor, ein Problem mit Mitteln anzugehen, die schädlicher sind als das Problem selbst. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es ginge einfach um einen Tausch oder einen Ersatz. Der Kern der Aussage ist jedoch die Verschlimmbesserung. Man erschafft keine neutrale oder leicht verbesserte Situation, sondern eine deutlich schlechtere. Kurz gesagt: Die Kur ist schlimmer als die Krankheit.
Relevanz heute
Die Redewendung hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt, da das menschliche Fehlverhalten, das sie beschreibt, zeitlos ist. Sie wird nach wie vor häufig in politischen und gesellschaftlichen Debatten verwendet. Wenn etwa autoritäre Maßnahmen zur Bekämpfung von Kriminalität eingeführt werden, die grundlegende Freiheitsrechte aushöhlen, ist der Vorwurf des "Teufelsaustreibens durch Beelzebub" nicht weit. Ebenso findet sie Anwendung in wirtschaftlichen Diskussionen, etwa wenn eine Rettungsaktion für einen Konzern langfristig größere Marktverzerrungen verursacht. Auch im persönlichen Bereich bleibt sie relevant: Wer etwa Schulden mit einem Kredit zu extremen Zinsen tilgt, handelt nach diesem Prinzip. Die Redewendung dient somit als prägnante ethische Warnung vor den unbeabsichtigten Folgen kurzsichtigen Handelns.
Praktische Verwendbarkeit
Die Formulierung eignet sich hervorragend für analytische und kritische Kontexte, in denen man vor den Konsequenzen einer Handlung warnen möchte. In einem lockeren Vortrag, einem Kommentar oder einem anspruchsvollen Gespräch unter Erwachsenen wirkt sie pointiert und geistreich. Für eine Trauerrede oder sehr formelle Anlässe ist sie aufgrund ihrer metaphorischen Schwere und ihres negativen Bildes meist unpassend. Sie kann als zu hart oder vorwurfsvoll empfunden werden, wenn man sie direkt auf das Handeln einer Person anwendet ("Damit treiben Sie doch den Teufel durch den Beelzebub aus!"). Eleganter und weniger konfrontativ ist der Gebrauch in der allgemeinen Feststellung.
Hier finden Sie gelungene Beispiele für den Einsatz:
- In einer politischen Kolumne: "Die vorgeschlagenen Überwachungsgesetze zur Terrorbekämpfung sind ein klassischer Fall von 'Den Teufel durch den Beelzebub austreiben'. Die Sicherheit, die sie versprechen, erkaufen wir uns mit dem Verlust unserer Privatsphäre."
- In einer Geschäftsbesprechung: "Bevor wir diesen Lieferanten engagieren, der zwar billig, aber berüchtigt für seine schlechte Qualität ist, sollten wir bedenken: Wir wollen am Ende nicht den Teufel durch den Beelzebub austreiben und mehr Reparaturschäden haben als vorher."
- Im privaten Rat: "Dein Plan, den Streit mit deinem Nachbarn durch eine Anzeige eskalieren zu lassen, könnte nach hinten losgehen. Pass auf, dass du nicht den Teufel durch den Beelzebub austreibst und ein jahrelanger Rechtsstreit daraus wird."
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