Den Teufel an die Wand malen
Kategorie: Redewendungen
Den Teufel an die Wand malen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die genaue historische Quelle dieser Redewendung ist nicht mit absoluter Sicherheit zu bestimmen. Es existieren jedoch mehrere plausible Erklärungsansätze, die sich in der Forschung und Sprachgeschichte wiederfinden. Ein besonders anschaulicher Ursprung wird im Aberglauben des Mittelalters vermutet. Man fürchtete, dass das laute Aussprechen von Unheil oder das gedankliche Herbeirufen einer schlimmen Situation dieses Unheil tatsächlich herbeiführen könnte. Der Teufel, als Inbegriff des Bösen, sollte durch das Nennen oder gar bildliche Darstellen an die Wand nicht erst "herbeigerufen" werden. Eine andere Theorie verweist auf die Kunst: In manchen Darstellungen, etwa auf Flugblättern oder in Warnpredigten, wurde der Teufel tatsächlich abgebildet, um die Menschen zu erschrecken und zu belehren. Wer dies im Alltag tat, malte also buchstäblich das Schreckensbild an die Wand.
Bedeutungsanalyse
Wer "den Teufel an die Wand malt", der malt sich etwas Schlimmes aus, das noch gar nicht eingetreten ist. Es handelt sich um eine bildhafte Warnung vor übertriebenem Pessimismus und selbsterfüllenden Prophezeiungen. Wörtlich genommen wäre es eine törichte Handlung: Man würde eine dämonische Gestalt auf die eigene Wand zeichnen und sie damit quasi einladen. Übertragen bedeutet die Redewendung, dass man durch ständiges Sorgenmachen und das Ausmalen negativer Szenarien eine schlechte Situation oft erst herbeiführt oder die Angst davor unnötig vergrößert. Ein typisches Missverständnis ist die Annahme, es ginge einfach nur um das Aussprechen einer unangenehmen Wahrheit. Der Kern liegt jedoch im unbegründeten oder übersteigerten Herbeidenken von Problemen. Kurz gesagt: Es ist der sprachliche Rat, nicht vom Schlimmsten auszugehen, bevor es überhaupt passiert ist.
Relevanz heute
Die Redewendung hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. In einer Zeit, die von Nachrichtenflut, Zukunftsängsten und der Tendenz zum "Catastrophizing" (dem gedanklichen Ausmalen von Katastrophen) geprägt ist, ist die Warnung vor dem "Teufel-an-die-Wand-malen" hochrelevant. Sie wird nach wie vor häufig in Alltagsgesprächen, in der Berichterstattung und sogar im Coaching-Bereich verwendet. Man findet sie, wenn es darum geht, unnötige Panikmache zu kritisieren oder dazu aufzurufen, erst die Fakten abzuwarten. Die Brücke zur Gegenwart lässt sich besonders gut im Kontext von sozialen Medien schlagen, wo sich Gerüchte und worst-case-Szenarien oft wie ein Lauffeuer verbreiten, bevor die tatsächliche Lage klar ist. Die alte Weisheit fungiert als sprachliches Gegengewicht zur modernen Hysterie.
Praktische Verwendbarkeit
Diese Redewendung eignet sich für verschiedene Kontexte, in denen man eine übertriebene negative Erwartungshaltung thematisieren möchte. In einem lockeren Vortrag oder Meeting kann sie verwendet werden, um das Team zu beruhigen: "Lassen Sie uns nicht vorschnell den Teufel an die Wand malen, die ersten Daten sehen doch vielversprechend aus." In einem privaten Gespräch ist sie ein guter Rat: "Du malst dir schon den ganzen Tag den Teufel an die Wand, dabei weißt du noch gar nicht, was der Arzt sagen wird."
Für formelle Anlässe wie eine Trauerrede ist sie hingegen meist zu salopp und bildhaft. In einer ernsten Krisenbesprechung könnte sie als verharmlosend oder flapsig empfunden werden, wenn reale gravierende Probleme vorliegen. Passend ist sie immer dann, wenn die Angst vor dem Problem größer ist als das Problem selbst. Weitere gelungene Beispiele sind:
- "Die Medien malen den Teufel gerne an die Wand, aber ein Blick auf die Langzeitstatistik gibt Anlass zur Hoffnung."
- "Ich will nicht den Teufel an die Wand malen, aber haben wir an alle Eventualitäten gedacht?" (Hier wird die Redewendung ironisch gebraucht, um genau das zu tun, wovor sie warnt.)
- In der Erziehung: "Statt immer den Teufel an die Wand zu malen und 'Das geht schief!' zu rufen, lass ihn es einfach versuchen."
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