Das kommt mir spanisch vor

Kategorie: Redewendungen

Das kommt mir spanisch vor

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Herkunft dieser Redewendung ist historisch gut belegt und führt uns ins 16. Jahrhundert zurück. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation herrschte große Skepsis gegenüber dem spanischen Hof unter Kaiser Karl V., der von 1519 bis 1556 regierte. Die spanischen Berater und der spanische Hofstil, der am kaiserlichen Hof Einzug hielt, wurden von den deutschen Fürsten und der Bevölkerung als besonders undurchsichtig, verschlagen und unverständlich wahrgenommen. Die fremden Sitten und die komplexe, als hinterhältig empfundene Diplomatie der Spanier führten zu einem tiefen Misstrauen. Diese ablehnende Haltung manifestierte sich sprachlich in der Wendung "das kommt mir spanisch vor", die bereits im Jahr 1541 schriftlich bezeugt ist. Sie drückte ursprünglich konkret das Unbehagen gegenüber den als fremd und verdächtig empfundenen spanischen Gepflogenheiten aus.

Bedeutungsanalyse

Heute hat die Redewendung ihre direkte nationale Bezugnahme verloren und ist vollständig in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Wörtlich genommen würde sie bedeuten, dass etwas den charakteristischen Eigenschaften Spaniens oder der Spanier zu entsprechen scheint. Übertragen und in der heutigen Verwendung bedeutet sie jedoch ganz klar: Etwas erscheint mir seltsam, verdächtig, unverständlich oder nicht ganz mit rechten Dingen zugehend. Ein typisches Missverständnis besteht darin, anzunehmen, die Redensart beziehe sich auf etwas Exotisches oder besonders Aufregendes, ähnlich dem englischen "that sounds Spanish to me" für etwas Unverständliches. Im Deutschen ist die Nuance jedoch stärker mit Argwohn und einem unguten Gefühl der Unstimmigkeit verbunden. Es geht weniger um pure Fremdheit als um den Verdacht, dass etwas nicht stimmt oder man getäuscht werden soll.

Relevanz heute

Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant in der deutschen Alltagssprache. Sie wird häufig verwendet, um ein diffuses Misstrauen oder ein Bauchgefühl der Skepsis auszudrücken, ohne bereits konkrete Beweise vorlegen zu müssen. Ihr Einsatzgebiet hat sich von politischer Intrige auf sämtliche Lebensbereiche ausgeweitet. Sie eignet sich perfekt, um in Gesprächen über undurchsichtige Vertragsklauseln, merkwürdige Verhaltensweisen von Personen, überraschende und unglaubwürdige Erklärungen oder technische Vorgänge, die nicht so funktionieren wie erwartet, das eigene Unbehagen zu artikulieren. Die Redensart schafft es, eine jahrhundertealte Tradition des Misstrauens in modernen Kontexten prägnant und allgemein verständlich zu transportieren.

Praktische Verwendbarkeit

Die Wendung "das kommt mir spanisch vor" ist vielseitig einsetzbar, bleibt aber im Bereich der informellen bis halbformellen Kommunikation. Sie ist ideal für lockere Gespräche unter Freunden, in der Familie oder unter Kollegen. In einer formellen Beschwerde oder einem juristischen Schreiben wäre sie hingegen zu salopp. Für einen lockeren Vortrag oder einen Kommentar eignet sie sich ausgezeichnet, um beim Publikum mit einem Augenzwinkern Zustimmung für eine geteilte Skepsis zu erheischen.

Hier einige Beispiele für gelungene Sätze:

  • "Der Verkäufer wollte mir das Auto ohne jede Probefahrt sofort anbieten. Das kam mir doch etwas spanisch vor, also habe ich den Kauf lieber sein gelassen."
  • "In der Rechnung sind plötzlich Positionen aufgetaucht, die wir nie besprochen haben. Das kommt mir spanisch vor. Können Sie das bitte erläutern?"
  • "Er entschuldigte sich für sein Zuspätkommen mit einer Geschichte über eine Rettungseinsatz für eine Katze. Ich muss sagen, das kam mir alles sehr spanisch vor."

Besonders geeignet ist die Redewendung also immer dann, wenn Sie in einem Gespräch Ihre intuitive Skepsis oder Verwunderung über eine Situation zum Ausdruck bringen möchten, die Ihnen unlogisch, undurchsichtig oder potenziell unehrlich erscheint. Sie fungiert als eine freundliche, aber deutliche Warnung oder Frage, die zum genaueren Hinsehen auffordert.

Mehr Redewendungen