Das kommt nur alle Jubeljahre vor

Kategorie: Redewendungen

Das kommt nur alle Jubeljahre vor

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "Das kommt nur alle Jubeljahre vor" hat einen faszinierenden und sehr präzisen biblischen Ursprung. Sie geht auf das "Halljahr" oder "Jobeljahr" aus dem 3. Buch Mose (Levitikus 25,8-13) im Alten Testament zurück. Gott gebietet dem Volk Israel, nach siebenmal sieben Jahren, also im 50. Jahr, ein "Erlassjahr" auszurufen. In diesem Jubeljahr sollten Sklaven freigelassen, Schulden erlassen und Ländereien an ihre ursprünglichen Besitzer zurückgegeben werden. Der Begriff "Jubel" leitet sich vom hebräischen Wort "jobel" für Widderhorn ab, das zu Beginn dieses besonderen Jahres geblasen wurde. Im Deutschen wurde daraus über das lateinische "jubilaeus" schließlich "Jubeljahr". Da dieses Ereignis nur alle 50 Jahre stattfand, etablierte sich im Sprachgebrauch die Wendung für etwas, das extrem selten geschieht.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen bezieht sich die Redensart auf den 50-Jahres-Zyklus des biblischen Jubeljahres. In der übertragenen Bedeutung signalisiert sie jedoch nicht exakt alle fünf Jahrzehnte, sondern betont eine außerordentliche Seltenheit. Sie beschreibt Ereignisse, die so ungewöhnlich sind, dass man sie kaum je erlebt. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es handle sich um eine regelmäßige, wenn auch lange, Wiederkehr. Der Kern der Aussage ist aber die Betonung der extremen Unregelmäßigkeit und Einmaligkeit. Wenn jemand sagt "Das passiert nur alle Jubeljahre", dann meint er damit, dass es eine absolute Ausnahme ist, fast ein kleines Wunder, und keinesfalls zu erwarten ist, dass man es noch einmal erleben wird.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch in der modernen Sprache absolut lebendig und wird häufig verwendet. Sie hat ihren religiösen Kontext fast vollständig verloren und funktioniert als allgemein verständliche Hyperbel für Seltenheit. Sie taucht in Alltagsgesprächen ebenso auf wie in journalistischen Texten, um beispielsweise außergewöhnliche Sportereignisse, politische Einigungen nach langem Streit oder persönliche Großzügigkeiten zu beschreiben. Die Brücke zur Gegenwart ist intakt, weil das Bedürfnis, extreme Seltenheit bildhaft auszudrücken, ungebrochen ist. Selbst in einer beschleunigten Welt, in der vieles häufig passiert, behält die Wendung ihre Kraft, um genau das Gegenteil zu betonen: etwas, das aus der Reihe fällt.

Praktische Verwendbarkeit

Die Redensart eignet sich für eine breite Palette von Situationen, von informellen Unterhaltungen bis zu formelleren Anlässen, solange der Ton nicht absolut hochoffiziell sein muss. Sie bringt eine gewisse bildhafte Würde mit, ist aber nicht zu steif.

In einer lockeren Rede oder einem Vortrag kann sie einen humorvollen oder erstaunten Unterton tragen: "Dass alle Abteilungen pünktlich liefern, das erlebe ich nur alle Jubeljahre!" In einer persönlichen Feier oder sogar einer Trauerrede kann sie dank ihres historischen Ursprungs besondere, seltene Momente der Verbundenheit würdigen: "Seine selbstlose Hilfsbereitschaft war keine Alltäglichkeit, sie kam nur alle Jubeljahre vor."

Vermeiden sollten Sie den Ausdruck in streng technischen oder juristischen Dokumenten, wo Eindeutigkeit gefragt ist. Auch in Situationen, die tatsächlich eine präzise zeitliche Planung erfordern, ist sie unpassend, da sie ja gerade keine genaue Zeitspanne benennt.

Gelungene Beispiele für den Gebrauch sind:

  • "Dass wir uns alle an einem Tisch wiederfinden, geschieht wahrhaftig nur alle Jubeljahre. Genießen wir diesen Moment."
  • In einer Bewertung: "Ein derart durchdachtes und fehlerfreies Manuskript erhalte ich als Lektor nur alle Jubeljahre."
  • Im Alltag: "Vergiss nicht, den Keller zu entrümpeln – du machst das ja nur alle Jubeljahre."

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