Das kann kein Schwein lesen

Kategorie: Redewendungen

Das kann kein Schwein lesen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Herkunft dieser saloppen Redensart ist nicht vollständig geklärt und wird daher hier nicht mit absoluter Sicherheit dargestellt. Es existieren verschiedene plausible Theorien, die jedoch nicht eindeutig belegt werden können. Eine verbreitete Annahme verweist auf die mittelalterliche Gerichtsbarkeit, in der Analphabeten ein Schwein als Siegelmarke unter ein Dokument setzten, weil sie ihren Namen nicht schreiben konnten. Ein solches Dokument war für andere faktisch "nicht lesbar". Diese Erklärung ist jedoch umstritten. Eine andere Theorie sieht den Ursprung in der Studentensprache des 19. Jahrhunderts, wo "Schwein" als allgemeines Schimpfwort für etwas Unfähiges oder Unmögliches verwendet wurde. Da keine dieser Theorien als hundertprozentig gesichert gelten kann, verzichten wir an dieser Stelle auf eine detaillierte Ausführung der Herkunft.

Bedeutungsanalyse

Die Redewendung "Das kann kein Schwein lesen" ist eine hyperbolische, also stark übertreibende Aussage. Wörtlich genommen würde sie bedeuten, dass selbst ein Schwein – ein Tier, dem man gewöhnlich keine Lesefähigkeit zuschreibt – diesen Text nicht entziffern könnte. In der übertragenen Bedeutung ist sie ein drastisches und oft humorvoll gemeintes Urteil über eine vollkommen unleserliche Schrift oder eine chaotische, unverständliche Darstellung. Es geht nicht um die tatsächliche Lesefähigkeit von Schweinen, sondern um das Bild der absoluten Unmöglichkeit. Ein typisches Missverständnis wäre, die Redewendung wörtlich auf Tiere zu beziehen. Vielmehr nutzt sie das Schwein als Symbol für das denkbar ungeeignetste Wesen für eine solche Aufgabe. Kurz gesagt: Etwas ist in höchstem Maße schlecht geschrieben, gekritzelt oder formuliert, sodass es praktisch niemand verstehen kann.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch im modernen Sprachgebrauch nach wie vor äußerst lebendig und relevant. Sie hat ihre saloppe Schärfe behalten, wird aber meist mit einem Augenzwinkern verwendet. Ihr Einsatzgebiet hat sich sogar erweitert. Während sie klassischerweise auf eine krakelige Handschrift angewendet wurde, bezieht sie sich heute genauso auf unleserliche digitale Schriften, kryptische Bedienungsanleitungen, Programmiercode ohne Kommentare oder auch auf komplexe und wirre Vertragstexte. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich besonders in der Kritik an schlechter Kommunikation und undurchsichtigen Informationen. In einer Welt, die von Schriftverkehr und Datenflut geprägt ist, bietet die Redensart eine griffige und bildhafte Möglichkeit, mangelnde Verständlichkeit anzuprangern.

Praktische Verwendbarkeit

Diese Redewendung eignet sich hervorragend für informelle und lockere Gesprächssituationen. Sie bringt Kritik auf eine zwar deutliche, aber oft humorvoll entschärfte Weise zum Ausdruck.

Geeignete Kontexte:

  • Im privaten Umfeld, wenn Sie die Handschrift eines Freundes oder die Notizen eines Kollegen kommentieren.
  • In einer zwanglosen Präsentation oder einem lockeren Vortrag, um komplizierte Sachverhalte scherzhaft zu kritisieren.
  • In der gesprochenen Alltagssprache unter Bekannten.

Ungeeignete Kontexte:

  • Formelle Anlässe wie offizielle Beschwerden, Trauerreden oder diplomatische Korrespondenz. Hier wirkt sie zu salopp und respektlos.
  • Direkte Kritik gegenüber Vorgesetzten oder unbekannten Personen, da sie als zu flapsig oder sogar beleidigend aufgefasst werden könnte.
  • In schriftlichen, professionellen Dokumenten, wo ein sachlicher Ton erforderlich ist.

Anwendungsbeispiele für gelungene Sätze:

  • "Entschuldige, aber deine Einkaufsliste kann wirklich kein Schwein lesen. Was steht da bei 'Milch'?"
  • "Die neue Gebrauchsanweisung für den Drucker ist der reinste Horror. Das kann doch kein Schwein lesen!"
  • In einem Meeting, scherzhaft: "Die Handschrift auf diesem Flipchart-Chart wird langsam legendär. Ich glaube, das kann inzwischen kein Schwein mehr entziffern."

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