Das kann man mit Fug und Recht behaupten
Kategorie: Redewendungen
Das kann man mit Fug und Recht behaupten
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Das kann man mit Fug und Recht behaupten" ist ein feststehender Ausdruck, dessen Ursprung bis ins Mittelhochdeutsche zurückreicht. Die beiden Kernbegriffe "Fug" und "Recht" waren in der Rechtssprache des Mittelalters zentrale Konzepte. "Fug" (mittelhochdeutsch "vuoge") bedeutete so viel wie "Angemessenheit", "Schicklichkeit" oder "das sich Gebührende". Es beschrieb eine Handlung, die den allgemeinen moralischen und gesellschaftlichen Normen entsprach. "Recht" bezog sich hingegen auf das geschriebene, formale Gesetz. Die Verbindung "mit Fug und Recht" tauchte bereits in mittelalterlichen Rechtstexten und später in der Literatur der frühen Neuzeit auf, um eine Aussage oder einen Anspruch zu untermauern, der sowohl moralisch angemessen als auch gesetzlich begründet war. Die Redewendung ist somit ein sprachliches Relikt aus einer Zeit, in der man zwischen ethischer Billigung und juristischer Legitimation klar unterschied.
Bedeutungsanalyse
Heute bedeutet die Wendung, dass eine Behauptung oder Aussage absolut berechtigt, vollkommen zutreffend und in jeder Hinsicht vertretbar ist. Sie betont die doppelte Legitimation einer Aussage: Sie ist nicht nur faktisch korrekt ("Recht"), sondern auch moralisch oder logisch einwandfrei und nachvollziehbar ("Fug"). Ein häufiges Missverständnis liegt im Wort "Fug", das manche fälschlich mit "Fuge" (als Verbindungsstelle) assoziieren. Dies ist jedoch nicht korrekt. Die eigentliche Bedeutung von "Fug" als "Angemessenheit" ist im modernen Sprachgebrauch außerhalb dieser Redensart kaum noch geläufig, was die Formel insgesamt etwas altertümlich und gesteigert wirken lässt. Wörtlich genommen behauptet man also etwas "mit Angemessenheit und Gesetz", übertragen bedeutet es: "Das lässt sich guten Gewissens und mit stichhaltiger Begründung sagen."
Relevanz heute
Die Redewendung ist auch in der Gegenwart durchaus noch lebendig, wenn auch ihr Gebrauch oft einen gehobenen oder betont sachlichen Charakter hat. Sie wird nicht mehr im alltäglichen Smalltalk verwendet, sondern findet ihren Platz in Diskussionen, Debatten, wissenschaftlichen Abhandlungen, journalistischen Kommentaren oder auch in offiziellen Reden. Ihre Relevanz liegt gerade in ihrer emphatischen Präzision: Sie bietet eine kraftvolle, aber dennoch elegante Möglichkeit, eine eigene Position als unangreifbar und wohlbegründet darzustellen. In einer Zeit, in der viele Aussagen relativiert oder hinterfragt werden, setzt diese Formel einen bewussten Kontrapunkt der Gewissheit und Überzeugung. Sie schlägt somit die Brücke von einer alten Rechtsnorm zur modernen Diskussionskultur, in der es auf fundierte Argumente ankommt.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für Kontexte, in denen Sie eine Aussage mit besonderem Nachdruck und Seriosität untermauern möchten. In einer Trauerrede wäre sie zu formell und distanziert, in einem lockeren Gespräch unter Freunden hingegen wirkt sie unnatürlich und gestelzt. Ideal ist ihr Einsatz in folgenden Situationen:
- In Vorträgen oder Präsentationen, um ein zentrales Argument abzuschließen.
- In schriftlichen Abhandlungen wie Essays, Fachartikeln oder Analysen.
- In einer sachlichen Debatte, um den eigenen Standpunkt zu bekräftigen.
- In einem Leitartikel oder Kommentar, um eine gesellschaftliche Forderung zu legitimieren.
Hier finden Sie konkrete Beispiele für gelungene Sätze:
Nach der Auswertung aller Daten kann man mit Fug und Recht behaupten, dass der Klimawandel menschengemacht ist.
Angesichts ihrer lebenslangen Verdienste für die Gemeinschaft lässt sich mit Fug und Recht sagen, dass sie eine außergewöhnliche Persönlichkeit war.
Wer diese fundamentalen Prinzipien infrage stellt, der verwirrt, und das kann man mit Fug und Recht behaupten, die Grundlagen unseres Zusammenlebens.
Beachten Sie, dass die Redewendung oft als rhetorisches Crescendo am Ende eines Argumentationsgangs steht. Sie signalisiert Ihrem Publikum, dass die vorgetragenen Gründe so überzeugend sind, dass die folgende Schlussfolgerung unausweichlich und in jeder Hinsicht vertretbar ist.
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