Das ist Wasser in den Bach getragen

Kategorie: Redewendungen

Das ist Wasser in den Bach getragen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "Das ist Wasser in den Bach getragen" ist eine regionale, vor allem im süddeutschen und österreichischen Raum verbreitete Variante der bekannteren Ausdrücke "Wasser in den Fluss tragen" oder "Eulen nach Athen tragen". Eine exakte historische Erstnennung mit präzisem Datum und Kontext lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit belegen. Sprachwissenschaftler führen sie jedoch auf die klassische Antike zurück. Die ursprüngliche griechische Redensart "Eulen nach Athen tragen" bezog sich auf die athenische Silbermünze, die eine Eule als Symbol der Göttin Athene trug. Da Athen reich an diesen Münzen und an lebenden Eulen war, war das Zutragen beider völlig überflüssig. Diese Idee der sinnlosen, überflüssigen Tätigkeit wurde im deutschen Sprachraum mit dem Bild des Wassertragens zu einem bereits wasserreichen Fluss oder Bach übersetzt. Die regionale Färbung mit "Bach" statt "Fluss" verweist auf die alpine und voralpine Landschaft, in der Bäche allgegenwärtig sind.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich beschreibt die Redewendung die absurde Handlung, mit einem Eimer Wasser zu einem fließenden Gewässer zu gehen, um dieses dort hineinzuschütten. Der Bach hat bereits mehr als genug Wasser, die eigene Zutat ist ein verschwindend kleiner Tropfen, der keinerlei Effekt hat und völlig unnötig ist. Übertragen bedeutet sie daher, etwas völlig Überflüssiges zu tun, eine bereits ausreichend vorhandene Sache noch zu vermehren oder eine selbstverständliche Tatsache noch extra zu betonen. Ein typisches Missverständnis könnte in der Verwechslung mit "Wasser auf die Mühle tragen" liegen, was etwas völlig anderes bedeutet, nämlich jemandem Argumente liefern. "Wasser in den Bach tragen" ist dagegen immer negativ konnotiert und kritisiert die vergeudete Mühe. Kurz gesagt: Es ist reine Zeit- und Kraftverschwendung.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch heute noch durchaus relevant, wenn auch nicht im gesamten deutschen Sprachraum gleichmäßig verbreitet. Sie wird vor allem in mündlicher, oft etwas ländlich oder traditionell geprägter Kommunikation verwendet. Ihre Relevanz zeigt sich in modernen Kontexten, die von Überfluss und Redundanz geprägt sind. Sie trifft den Kern, wenn jemand in einem Meeting bereits ausdiskutierte Punkte erneut aufwärmt, wenn in sozialen Medien offensichtliche Banalitäten als Neuigkeit verkauft werden oder wenn Bürokratie doppelte Arbeit verlangt. In einer Welt der Informationsflut und Effizienzoptimierung beschreibt sie prägnant jede Handlung, die keinen erkennbaren Mehrwert schafft. Die Brücke zur Gegenwart ist also kurz: Wo immer überflüssige Arbeit geleistet oder Binsenweisheiten verbreitet werden, ist diese Redensart anwendbar.

Praktische Verwendbarkeit

Die Redewendung eignet sich hervorragend für lockere Gespräche unter Kollegen, in der Familie oder im Freundeskreis, um mit einem Schmunzeln auf unnötige Aktionen hinzuweisen. Sie passt gut in einen etwas ironischen, aber nicht bösartigen Vortrag. In einer formellen Rede oder gar einer Trauerrede wäre sie hingegen zu salopp und zu umgangssprachlich. Sie klingt passend, wenn man jemanden darauf aufmerksam machen möchte, dass seine Bemühungen zwar gut gemeint, aber eben nicht nötig sind. Hier einige Beispiele für gelungene Sätze:

  • "Danke für die Recherche, aber alle diese Daten stehen schon im Jahresbericht. Das ist doch Wasser in den Bach getragen."
  • "Ihm noch einen Rat zu geben, ist Wasser in den Bach getragen. Er macht doch eh, was er will."
  • "Eine zusätzliche Erklärung für diese selbstverständliche Regel wäre nur Wasser in den Bach getragen."

Besonders geeignet ist die Redewendung also für informelle Kritik oder selbstironische Kommentare, wenn man eigene überflüssige Handlungen zugibt. Sie sollte mit einem lächelnden Unterton verwendet werden, um nicht als schroffe Abwertung missverstanden zu werden.

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