Das geht aus wie das Hornberger Schießen

Kategorie: Redewendungen

Das geht aus wie das Hornberger Schießen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "Das geht aus wie das Hornberger Schießen" ist auf ein konkretes historisches Ereignis im württembergischen Städtchen Hornberg zurückzuführen. Im Jahr 1564 bereitete sich die Stadt auf den feierlichen Empfang des württembergischen Herzogs Christoph vor. Um dem hohen Gast einen gebührenden und beeindruckenden Empfang zu bereiten, plante man ein großartiges Schauspiel mit einer Salutschüsse abfeuernden Bürgerwehr. Die Hornberger übten das Schießen gewissenhaft ein, um beim tatsächlichen Besuch nichts dem Zufall zu überlassen.

Als dann die Nachricht vom Anzug des Herzogs eintraf, feuerten die Schützen enthusiastisch ihre Salut. Leider handelte es sich nur um einen vorgeschobenen Teil seines Trosses. Als der Herzog selbst später tatsächlich eintraf, war das gesamte Pulver bereits verschossen. Das geplante Spektakel endete folglich in einem großen Nichts – ohne einen einzigen Schuss zu Ehren des Regenten. Diese historisch gut belegte Anekdote hat sich tief im deutschen Sprachgebrauch verankert und liefert die gesicherte Grundlage für die Redensart.

Bedeutungsanalyse

Im übertragenen Sinn beschreibt die Redewendung ein Ereignis, das mit großem Getöse und enormer Erwartungshaltung beginnt, aber letztlich kläglich, ohne jedes Ergebnis oder in einem peinlichen Fiasko endet. Es geht um die Diskrepanz zwischen angekündigter Pracht und der ernüchternden Wirklichkeit. Wörtlich nimmt sie Bezug auf das beschriebene historische Schauspiel, bei dem am Ende kein Pulver mehr für den eigentlichen Höhepunkt vorhanden war.

Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es handele sich um ein besonders lautes oder wildes Schießen. Das Gegenteil ist der Fall: Der Kern der Bedeutung ist das Nicht-Stattfinden der erwarteten Handlung. Die Redewendung kritisiert somit leere Ankündigungen und Aktionen, die ihre Wirkung verfehlen, weil die Substanz fehlt oder die Planung mangelhaft war. Kurz gesagt: Viel Lärm um nichts.

Relevanz heute

Die Redewendung hat keinerlei an Aktualität eingebüßt. Sie wird nach wie vor häufig in der Alltagssprache, in den Medien und sogar in der politischen Berichterstattung verwendet. Immer dann, wenn große Ankündigungen auf unbedeutende Ergebnisse treffen, bietet sich dieser treffende Vergleich an. Das kann die Präsentation eines vielversprechenden Produkts sein, das sich als Flop entpuppt, eine politische Initiative, die im Sande verläuft, oder eine private Feier, die weit weniger spektakulär wird als angekündigt.

Die Brücke zur Gegenwart ist leicht geschlagen: In einer Zeit, die von Marketing, großen Versprechungen und inszenierten Events geprägt ist, finden sich täglich neue "Hornberger Schießen". Die Redewendung dient als sprachliches Werkzeug, um solche enttäuschenden Antiklimax auf den Punkt zu bringen und dabei eine gewisse humorvolle Resignation auszudrücken.

Praktische Verwendbarkeit

Die Redewendung eignet sich hervorragend für informelle Gespräche, lockere Vorträge oder Kommentare in schriftlicher Form, etwa in Blogs oder Kolumnen. Sie bringt eine gewisse saloppe Bildhaftigkeit mit, die in sehr formellen oder ernsten Kontexten wie einer Trauerrede oder einem offiziellen Protokoll fehl am Platz wäre. Für solche Anlässe wählen Sie besser eine neutralere Formulierung wie "es verlief im Sande" oder "die Erwartungen wurden nicht erfüllt".

Gelungene Anwendungsbeispiele im Alltag sind vielfältig. Sie können sagen: "Die monatelange Kampagne für das neue Software-Update ging aus wie das Hornberger Schießen – am Ende gab es nur zwei kleinere Bugfixes." Oder im privaten Bereich: "Mit seiner Ankündigung, das ganze Haus zu renovieren, hat es bei Peter ausgesehen wie das Hornberger Schießen; bisher hat er nur ein Regal aufgebaut." Die Redewendung ist perfekt, um freundlich-ironisch auf die Lücke zwischen Ankündigung und Realität hinzuweisen, ohne allzu harte Kritik zu üben.

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